Norderstedt
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Autogrammstunde: der doppelte Uwe Seeler

Uwe Seeler inmitten der Falkenberg-Schüler vor seinem Porträt samt HSV-Fahne. Der Gast erfüllte den Wunsch der Kinder und signierte das Bild

Uwe Seeler inmitten der Falkenberg-Schüler vor seinem Porträt samt HSV-Fahne. Der Gast erfüllte den Wunsch der Kinder und signierte das Bild

Foto: Michael Schick / HA

Das HSV-Idol signiert in der Schule Falkenberg ein Porträt, das die Kinder auf die Wand der Kickerhalle gemalt hatten.

Norderstedt.  Er trotzt dem Zeitenwandel. Trotz Smartphone und Play-Station, trotz aktueller Fußball-Stars wie Neymar, Messi und Ronaldo: Die Kinder kennen Uwe Seeler und begrüßen das HSV-Idol mit einem einstimmigen und freundlichen „Guten Morgen, lieber Uwe Seeler.“

Der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft war zu Gast in der Grundschule Falkenberg. Und die Einladung hatte einen besonderen Grund: Ein Dutzend Kinder hatte in einem Projekt des Ganztagsbetriebs an der Norderstedter Schule die Wände in der Kickerhalle bemalt und sich dabei auch für ein Porträt von Seeler samt HSV-Flagge entschieden. Vier Kickertische stehen in dem Raum, hier haben die Grundschüler die Chance, spielerisch überschüssige Kräfte loszuwerden, als Team aufzutreten und damit fertig zu werden, dass sie beim Wettkampf auch verlieren können. Und: Das Kickern braucht keine Worte, der Stangenkampf um den kleinen Ball eigne sich daher auch ideal, um Flüchtlingskinder einzubinden – Vorzüge, die Jené Halabi am Kickern schätzt. Er verdient sein Geld als Schulsozialarbeiter in der Grundschule Falkenberg, und er ist begeisterter Kickerfan.

Halabi hat das erste deutsche Kickermobil mit aus der Taufe gehoben, einen Anhänger mit den Spieltischen, den Schulen, Jugendhäuser und soziale Einrichtungen in Norderstedt kostenlos ausleihen können. Unter dem Kürzel Nokitu organisiert der Kickerfan auch die Norderstedter Kickerturniere, drei pro Jahr, eins für die Grundschüler, eins für die Jugendlichen an den weiterführenden Schulen und eins für die Kinder- und Jugendeinrichtungen. Da wundert es nicht, dass Tischfußball auch an der Grundschule Falkenberg eine große Rolle spielt.

„Wir hatten den Raum und die Tische, aber die weißen Wände waren nicht gerade dazu angetan, Atmosphäre zu schaffen“, sagt der Schulsozialarbeiter. Er bot das Bemalen der Wände als freiwilliges Nachmittags-Projekt für zwei Halbjahre an. Jeweils sechs Jungen und Mädchen aus den dritten und vierten Klassen machten mit und sammelten Ideen für Motive, die zum Fußball passen. Ein Stadion sollte es sein und Flugzeuge, die die Teams zu den Spieler transportieren. Nachdem die Kinder einen Großteil der Wände bemalt hatten, blieb noch ein Stück weiß.

„Ich weiß gar nicht mehr, wie das zustande kam, aber plötzlich stand der Name Uwe Seeler im Raum“, erinnert sich Halabi. Die Kinder, die im Verein Fußball spielen, würden den Namen des früheren, erfolgreichen Mittelstürmers kennen. Der Sozialarbeiter besorgte eine Vorlage, das Bild wurde mit einem Overhead-Projektor an die Wand geworfen, die Projektkünstler brachten Linien und Farben auf die bis dahin farblose Fläche. Lächelnd, in zartem Gelb und mit schwarzer Brille – so sahen die Grundschüler die Fußball-Legende. Daneben malten sie die HSV-Fahne.

„Ganz gut getroffen“, kommentierte Seeler und hielt auch die leicht nach unten aus dem Bild rutschende Fahne für realistisch. Auf die Frage, wann es denn wieder mal aufwärts gehe mit dem Traditionsverein, schüttelte der prominente Gast leicht den Kopf und murmelte: „Das wird schwer.“

Doch dann schob der 80-Jährige die düsteren Wolken eines Abstiegsgespenstes beiseite und folgte der Bitte, sein Porträt zu signieren. Mit einem blauen Stift schrieb Seeler seinen Namenszug rechts neben das Bild. Und dann gab es kein Halten mehr: Alle wollten ein Autogramm. Und „Uns Uwe“, nach seinem Autounfall vor gut sieben Jahren gesundheitlich angeschlagen, erfüllte die Wünsche. Er schrieb und schrieb, signierte geduldig T-Shirts auf der Vorder- oder Rückseite, wenn sich ihm ein gekrümmter Rücken bot, und setzte seinen Namen auf die vielen Autogrammkarten.