Norderstedt
Bad Segeberg

Erstmals Vorwürfe gegen Veterinäramt erhoben

Horst P. muss sich vor dem Schöffengericht seit einigen Wochen wegen des Verdachts der Tierquälerei verantworten

Horst P. muss sich vor dem Schöffengericht seit einigen Wochen wegen des Verdachts der Tierquälerei verantworten

Foto: Michael Rauhe

Im Prozess gegen Todesfelder Landwirt entlasten Rechtsanwalt und Sachverständiger den Angeklagten. Nächster Termin ist der 22. August.

Bad Segeberg.  Im Prozess gegen den Todesfelder Landwirt Horst P. wurden erstmals Vorwürfe gegen das Veterinäramt des Kreises erhoben. Ein Rechtsanwalt aus Bayern, der als Zeuge geladen war, und ein Sachverständiger aus Nordrhein-Westfalen erklärten übereinstimmend, dass die Stallungen und die Tiere des Angeklagten keineswegs auffällig gewesen seien. Horst P. muss sich vor dem Schöffengericht seit einigen Wochen wegen des Verdachts der Tierquälerei verantworten.

Dem Landwirt wird vorgeworfen, Tiere auf seinem Hof schlecht gehalten, in vielen Fällen auf den Einsatz eines Tierarztes verzichtet und den Tod einiger Tiere in Kauf genommen zu haben. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2011 und 2013 ereignet haben. Waren an den bisherigen Prozesstagen ausschließlich Veterinäre des Kreises Segeberg zu Wort gekommen, so hatte die Verteidigung jetzt erstmals die Möglichkeit, einen Zeugen und einen Sachverständigen aussagen zu lassen. Während zwei Amtstierärzte den Landwirt schwer belasteten und als Beweismaterial Fotos der betroffenen Tiere präsentiert hatten, entlasteten der Rechtsanwalt aus Starnberg und der gutachterliche Tierarzt aus Viersen den Angeklagten. Wolfgang Hansen, früherer Rechtsvertreter von Horst P., war 2011 auf dem Hof, als zwei Amtstierärzte, darunter der damalige Leiter des Kreisveterinäramts, den Hof und die Tiere begutachteten. Der Zustand der Tiere und der Zustand der Stallungen seien aus seiner Sicht „ordentlich“ gewesen. Die Kontrolle bezeichnete er als „ungewöhnlich“. Die Rinder seien zu mehreren im Stall hin und her gescheucht worden, hätten panisch reagiert. Dabei hätten die Tierärzte Rinder entdeckt, die nicht gleichmäßig aufgetreten sein sollen. „Einzeln haben sich dieTierärzte die Rinder nicht angesehen“, sagte Wolfgang Hansen.

Im Bullenstall hätten bis zu fünf Bullen gelegen, worauf die Amtstierärztin das Einschläfern der Tiere angeordnet habe. „Ich selbst habe keine Leiden bei den Tieren entdecken können“, so der Rechtsanwalt. Der anwesende Hoftierarzt sei der Meinung gewesen, dass die meisten der beanstandeten Tiere nicht hätten behandelt werden müssen.

Gutachter Hans-Peter Klindworth aus Viersen konnte seine Einschätzung nur anhand der vorliegenden Fotos abgeben. Er beanstandete aber, dass es offenbar in keinem Fall eine Diagnosestellung seitens der Amtstierärzte gegeben habe. Nicht gleichmäßiges Auftreten oder Lahmheit könne nur bei Einzellbegutachtung der Tiere entdeckt werden. Rinder, die von den Kreisveterinären als „abgemagert“ bezeichnet wurden, seien vom Pathologen als Tiere mit gefüllten Pansen und Fettreserven beurteilt worden. Den Zustand der Stallungen bezeichnet der Gutachter als gut.

Der Prozess wird am Dienstag, 22. August, 9 Uhr, im Amtsgericht Bad Segeberg fortgeführt.