Norderstedt
Fußball

Norderstedt feiert die Eintracht im DFB-Pokal

Die Eintracht-Fans in der Gegengerade im Edmund-Plambeck-Stadion

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Die Eintracht-Fans in der Gegengerade im Edmund-Plambeck-Stadion

Der Regionalligist verliert knapp mit 0:1 gegen den VfL Wolfsburg– gewinnt dafür aber viel Sympathie in der Stadt.

Norderstedt.  Irgendwas liegt in der Luft über der Ochsenzoller Straße an diesem Sonntagnachmittag in Garstedt. Und das ist nicht nur der Duft von Bratwurst und Pommes aus den Buden am Edmund-Plambeck-Stadion. Es ist der Duft der großen weiten Fußballwelt. DFB-Pokal! Regionalliga Nord gegen Bundesliga, Eintracht Norderstedt gegen Vfl Wolfsburg, Amateure gegen Voll-Profis, Durchschnittsverdiener gegen Millionarios.

Nach den ganz eigenen Gesetzen des Pokals hatte Norderstedt nie eine größere Chance auf die ganz große Sensation. Clever kicken, Mario Gomez und Co aus der Pokal werfen und für ewig Norderstedter Helden sein.

Hübsche Choreo für den Einlauf der Teams

"Ich hab da so'n Gefühl", sagt Eintracht-Fan Kaschi Kaschner beim Bierchen vor dem Spiel. "Die Sensation liegt in der Luft. Das Spiel bleibt lange ausgeglichen. Dann schießt Eintracht das entscheidende 1:0." Neben ihm stehen Annerose und Susanne Höcker, die Mutti und die Frau von Eintracht-Torhüter Florian Höcker und nicken zustimmend. "Ich bin extra aus Bayern angereist, um meinen Höcki spielen zu sehen!", sagt die Mutti.

Das Ziel hatten auch die anderen 4499 Zuschauer, die Eintracht am Sonntag auf Sitz- und Stehtribünen begrüßen durfte. Ausverkauft! In der Gegengerade hatten die harten Fans der Norderstedter Eintracht das Fazit des Tages mit einem riesigen Banner über ihren Köpfen vorweggenommen: "Endlich wieder Stadtgespräch" stand da in riesigen Lettern. Ausdruck dessen, was im Stadion zu spüren war: Die Auftritte des Oddset-Pokalsiegers Eintracht im DFB-Pokal locken neue Fans an und sorgen dafür, dass vielleicht bald mal mehr Leute in Norderstedt merken, das an der Ochsenzoller Straße guter Fußball geboten wird. Und nicht nur das: Am Sonntag konnte man Eintracht-Präsident Reenald Koch dabei beobachten, wie er an der Ochsenzoller Straße stand und dann eigenhändig den VIP-Parkplatzeinweiser für das Redaktionsteam des Kicker aus Nünrberg gab. Voller Einsatz für die Sache!

Mario Gomez – der gesuchte Star des Tages

Die Norderstedter Gegengerade hatte sich eine hübsche Choreo für den Einlauf der Teams um 15.30 Uhr ausgedacht. Auf Bannern präsentierten sie die Schlagzeilen zum Spiel. Etwa so: "Nach Abgas-Skandal: Wolfsburg geht in Norderstedt die Luft aus" oder "Mario Gomez & Co zahlen Lehrgeld an der Ochsenzoller Straße".

Überhaupt: Mario Gomez. Er war der gesuchte Star des Tages. Im dicht gedrängten Gewühle an der Bande vor dem Spielfeld warteten die Knirpse mit ihren gezückten Schreibblöcken, um ein Autogramm des Nationalstürmers zu ergattern. Doch die gnadenlose DFB-Etikette sah es nun mal vor, dass der Bereich vor dem Zugang zum Spielfeld absolut leer gehalten werden muss für das Auflaufen der Stars. Und so mussten sich die Kids trollen und konnten den Mario eben nur aus einiger Entfernung mit gesenktem Blick aufs Grün trotten sehen. Nicht anders war das, als Mario Gomez weit vor dem Spielbeginn in Trainingsklamotten aus dem knatschgrünen Mannschaftsbus der Wolfburger stieg. Sofort sorgte ein Team von Security-Leuten für den gebührenden Abstand zum Publikum. Beim Einspielen der Wolfsburger Mannschaft im Stadion drückten sich Jugendspieler von Eintracht Norderstedt am Zaun die Nase platt und verfolgten jeden Schussversuch des Stürmers aufs Tor.

Für Bundesliga-Atmosphäre sorgten die mitgereisten Wolfsburg-Fans im Edmund-Plambeck-Stadion. 90 Minuten wurden Fahnen geschwenkt, Sprüche im Chor geklopft und zwischen Sitz- und Stehtribüne hin- und hergeschrien. Trotz aller Bemühungen der Eintracht-Fans bereiteten die Wölfe-Fans ihrer Mannschaft Heimspiel-Atmosphäre. Vielleicht einer der Gründe, warum es am Ende nach hartem und lange Zeit ausgeglichenem Kampf auf dem Rasen zu einem knappen 0:1 für die Wölfe aus der VW-Stadt gereicht hat. Ein schöner Fußballtag in Norderstedt – mit dem falschen Ergebnis.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.