Norderstedt
Wechsel

Große Emotionen beim Abschied des Verwaltungschefs

Viel Applaus nach seiner Rede: Innenminister und Oberbürgermeister a. D., Hans-Joachim Grote, im Norderstedter Kulturwerk

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Viel Applaus nach seiner Rede: Innenminister und Oberbürgermeister a. D., Hans-Joachim Grote, im Norderstedter Kulturwerk

Politik, Verwaltung und Gesellschaft würdigen den Oberbürgermeister a. D., Hans-Joachim Grote, im Norderstedter Kulturwerk

Norderstedt.  Peter Harry Carstensen hatte sich irgendwo bei Quickborn mit dem Auto im Baustellen-Chaos verheddert und kam zu spät zur Abschiedsfeier für seinen Duz-Freund Hans-Joachim Grote am Freitag im Kulturwerk am Stadtpark. Die lange Autofahrt hatte der Ministerpräsident a. D. offenbar zur Vorbereitung auf eine Rede genutzt, die alle im Saal wieder daran erinnerten, dass er so etwas wie der Günter Willumeit im Polit-Betrieb ist. Wo Peter Harry ist, da ist die gute Laune. Ein durchaus angemessener Ansatz also für die Verabschiedung des Oberbürgermeisters Hans-Joachim Grote aus Norderstedt und das Willkommen-Heißen als Innenminister in Kiel.

"Du glaubst gar nicht, wie viel Lob ein Mensch ertragen kann, bevor die Seele Schaden nimmt", sprach Carstensen, ehe er das hohe Lied auf Grotes Verdienste um Norderstedt sang und die Geschichte des Jungen aus Paderborn in Westfalen rezitierte, der sich aufgemacht hatte, um mit seinen Visionen und Kohle aus der Zonenrandförderung aus dem Dörfer-Konglomerat Norderstedt einen dynamischen Wirtschaftsstandort zu machen. "Gut, dass die nicht im ganzen Land Abendblatt lesen und nicht wissen, was sich hier alles entwickelt hat – sonst wäre der Neid auf Norderstedt noch größer."

Grote sei der Glücksfall für Norderstedt gewesen, sagte Carstensen. "Doch jetzt brauchen wir dich im Land." Als Innenminister könne Grote auch deutlich länger und über die Pensionierung hinaus wirken. "Das ist doch der eigentliche Grund, warum du den Job angenommen hast!"

Die etwa 300 Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft im Kulturwerk lachten herzlich über die Bonmots und Witze des ehemaligen Landesvaters. Grote saß mit Frau Doris in der ersten Reihe. Ursprünglich war geplant, dass sich Grote nach seinem Hoppla-Hopp-Abgang als Innenminister nach Kiel noch mal intern in aller Form bei seinen Mitarbeitern von der Verwaltung verabschiedet. Daraus wurde eine öffentliche Feierstunde mit großem Bahnhof, wie ihn Norderstedt lange nicht gesehen hat. Eine ganze Stadt sagte Tschüs und würdigte die Verdienste des scheidenden Verwaltungschefs.

Alte Wegefährten wie der ehemalige CDU-Fraktionschef Rainer Schlichtkrull unterbrachen dafür extra den Ostsee-Urlaub. "Du hattest immer große Visionen. Nein-Sager und Bedenkenträger hast du beiseite geschoben und sie umgesetzt." Das "Gezeter der Politik" mit all seinen versteckten Fouls habe er einfach nach den Sitzungen am Rathausbrunnen abgeschüttelt.

Jürgen Lange, Ex-Fraktionschef der SPD und über Jahrzehnte immer wieder unter den Kritikern Grotes, würdigte ihn als einen, der nie verwalten und immer nur gestalten wollte, der es geschafft habe, unter wechselnden und schwierigen politischen Mehrheiten erfolgreich zu arbeiten. "So einer ist ein Guter. Mehr Lob geht in Norddeutschland nicht." Dass Grote immer mal wieder für stramme Behauptungen bekannt war – "Schwamm drüber!", sagte Lange.

Hans-Joachim Grote stieg als letzter auf die Bühne des Kulturwerks und blickte zurück an jene Zeit in der Paderborner Verwaltung, als er noch Schülerfahrkarten ausgeben musste – und wie ihn dann viel Glück und gute Förderer zu dem gemacht hätten, "was nun hier am Rednerpult steht und sich als Innenminister nach Kiel verabschieden möchte." Prägende Menschen auf diesem Weg seien der langjährige Landtagsabgeordnete Herbert Paschen und seine Frau Charlotte gewesen oder der Unternehmer Holger "Holli" Schurbohm. Aber auch Siegried Becker, die als Hauptamtsleiterin "die Verwaltung in Schuss hielt". Grote: "Verwaltung sah ich immer als Mittel zum Zweck, um zu gestalten." Er wisse, dass er ohne das exzellente Team im Rathaus keinen Erfolg gehabt hätte. "Ich hatte bis hier hin eine bewegte Karriere. Und viel Glück: Eine tolle Frau, tolle Kinder, Gesundheit und eine Idee. Aber auch den nötigen Willen und Ehrgeiz zu machen."

Er werde in Harksheide wohnen bleiben als Innenminister, sich aber nie in die alltäglichen Geschäfte seiner Heimatstadt einmischen. Seinem Nachfolger oder der Nachfolgerin rief er zu: "Halten sie ihre Mitarbeiter in Ehren. Sie sind das wichtigste Gut."

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