Norderstedt
Fluglärm

Flugzeuge störten Schlaf der Norderstedter

Die britische Billig-Fluglinie Easy Jet sei ohnehin verantwortlich für eine hohe Zahl der Verspätungen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die britische Billig-Fluglinie Easy Jet sei ohnehin verantwortlich für eine hohe Zahl der Verspätungen

Gegen zwei Gesellschaften werden Verfahren eingeleitet. Easy Jet verstößt wiederholt gegen die Nachflugbeschränkungen.

Norderstedt.  "Das war ja mehr als grausam und fast schon kriminell, was sich in der Nacht zu Montag über Norderstedt abgespielt hat", sagt Hans Schwarz, langjähriger Vorsitzender der Norderstedter Interessengemeinschaft für Fluglärmschutz und immer noch höchst sensibel, wenn Flugzeuge nach 23 Uhr unterwegs sind und die Menschen im Schlaf stören. Gleich neun Maschinen hat Schwarz gezählt, die gestartet und gelandet sind, obwohl der Fluglärm wegen der Nachflugbeschränkung eigentlich in dieser Zeit deutlich zurückgehen sollte. Nun verlangt Schwarz Aufklärung von der Fluglärmschutzbeauftragten Gudrun Pieroh-Joußen und will wissen, welche Konsequenzen die Verantwortlichen für den Hamburger Flughafen aus dem nächtlichen Flugbetrieb ziehen.

Die Fluglämschutzbeauftragte bestätigt, was Schwarz beobachtet hat. Sechs Maschinen hätten zwischen 23 und 24 Uhr abgehoben oder auf der Landebahn aufgesetzt, drei nach Mitternacht. Zwei Piloten hätten keine Ausnahmegenehmigung gehabt, einer von einer türkischen Airline.

Der andere fliege für Easy Jet, die britische Billig-Fluglinie sei ohnehin verantwortlich für eine hohe Zahl der Verspätungen. "Ich habe die Airline deswegen angeschrieben und bis August um Aussagen gebeten, wie sie das auffällige Aufkommen an verspäteten Flügen reduzieren will", sagt Gudrun Pieroh-Joußen. Die Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein hatte der Fluglinie Vorsatz unterstellt, "um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber regeltreuen Fluggesellschaften zu erlangen". Gegen beide Airlines sollen Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet werden.

Die Airlines müssen Starts und Landungen nach 23 Uhr zwar begründen, doch diese Mitteilungen bekommt die Fluglärmschutzbeauftragte erst nachträglich. Als vertretbare Gründe für verspätete Starts und Landungen gelten technische Defekte, Verzögerungen, die im Tagesverlauf nicht mehr einzuholen sind und schlechtes Wetter. Das habe für den Piloten zugetroffen, der um 0.26 Uhr gelandet sei: "Zunächst habe ein Fluggast medizinisch versorgt werden müssen, und dann gab es auch noch ein Gewitter in Zürich", sagt die Fluglärmschutzbeauftragte.

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