Norderstedt
Kreis Segeberg

Zahl der Teilzeit- und Mini-Jobs nimmt stark zu

Kreis Segeberg. Rund 42.100 Menschen im Kreis Segeberg verdienen ihr Geld in Teilzeit, als Leiharbeiter oder Minijobber. Der Anteil der sogenannten atypischen Beschäftigung ist im Vorjahr auf den Rekordwert von 41 Prozent gestiegen. Den Anstieg dieser „unsicheren Jobs“ kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Die Gewerkschaft beruft sich auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Die Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Kreis Segeberg seit 2003 untersucht. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 33 Prozent.

IG Bau-Bezirkschef Ralf Olschewski spricht von einem Alarmsignal an die Politik: „Es kann nicht sein, dass wir einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten.“ Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden. Laut Hans-Böckler-Stiftung hat im Kreis Segeberg besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 13.600 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 schon rund 23.200 – ein Anstieg von 71 Prozent. „Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Wir brauchen endlich ein Rückkehrrecht in Vollzeit“, fordert Olschewski.

Arbeitgeber sollten auf Kontinuität setzen

Auch bei Minijobs gebe es keine Entwarnung: Rund 16.100 Segeberger waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 15.000). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.

Mit Blick auf die Bundestagswahl fordert die IG Bau Holstein: Befristungen ohne sachlichen Grund müssten abgeschafft, Minijobs in die Sozialversicherung einbezogen werden. Arbeitgeber sollten auf Kontinuität statt aufs Billig-Prinzip setzen. „Wer heute vollwertige Stellen schafft, braucht sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte sorgen“, sagt Olschewski.