Norderstedt
Norderstedt

Angeklagter zeigt sich vor Gericht reumütig

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude

Foto: Michael Rauhe

Trotzdem legte er kein Geständnis ab. Stattdessen tischte er vor Gericht eine unglaubliche Geschichte über einen Messerkauf auf.

Norderstedt.  Wer ein Geständnis ablegt, darf auf ein milderes Urteil hoffen. Ismail H. (Name geändert) verpasste die Chance zur Strafmilderung und beharrte hartnäckig auf seiner eigenwilligen Darstellung des Geschehens. Diebstahl legte die Staatsanwaltschaft im Amtsgericht Norderstedt dem schmächtigen Mann zur Last.

Laut Anklage hat der 27-Jährige Anfang des Jahres im Karstadt-Warenhaus in Norderstedt ein Küchenmesser im Wert von 90 Euro aus dem Regal genommen und es schnell in seiner Jackentasche verschwinden lassen. Mit seinem Diebesgut verließ er dann das Warenhaus. „Alles ein Missverständnis“, beteuerte Ismail H. Amtsrichter Matthias Lohmann. Er hätte niemals die Absicht gehabt zu stehlen. Er wollte nur einem Freund das Messer zeigen und ihn zu Hause anrufen. Wegen des besseren Empfangs habe er dann das Warenhaus verlassen, vor der Tür telefoniert und dann auf den Freund gewartet.

„Diese Geschichte“, befand der Amtsrichter, „ist äußerst unwahrscheinlich.“ Freundlich bat er ihn um ein Geständnis. Vergeblich. Der Angeklagte, der sich vor Gericht als Staatenloser bezeichnete und der als Asylbewerber anerkannt wurde, lehnte aber ab.

Pech für Ismail H.: Der schnelle Griff ins Regal war nicht unbeachtet geblieben. Als Zeuge berichtete der Norderstedter Warenhaus-Detektiv, dass die Karstadt-Gruppe in einem Pilotprojekt von einer Leitzentrale aus mit Videokameras das Geschehen in den Kaufhäusern beobachten lässt. Bei einem auffälligen Vorfall alarmiert die Leitzentrale sofort die Detektive vor Ort. Neben zwei Filialen in Hamburg ist auch Norderstedt beim Testlauf dabei. „Als ich ihn damals gestellt hatte, gab der Mann den Diebstahl sofort zu“, erinnerte sich der Zeuge. Von dem angeblichen Freund habe er nichts berichtet.

Ismail H., der als Küchenhelfer arbeitet, kam vor drei Jahren nach Deutschland. Trotzdem waren seine Sprachkenntnisse so bescheiden, dass der Amtsrichter kurzfristig einen Dolmetscher rufen musste. Der Geringverdiener wurde wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je sieben Euro verurteilt, insgesamt 560 Euro. Verurteilungen unter 90 Tagessätze werden im Führungszeugnis nicht als Vorstrafe vermerkt. Damit wollte der Amtsrichter dem Arbeitssuchenden nicht die Zukunft verbauen. Der Richter zum Angeklagten: „Ich möchte sie hier nie wieder sehen.“ Der Angeklagte: „Es war ein Fehler. Ich mache so etwas nie wieder.“