Norderstedt
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Die lange Geschichte eines Schraubstocks

Ein Foto aus alten Zeiten: die Schmiede der Familie Pries im Jahr 1949

Ein Foto aus alten Zeiten: die Schmiede der Familie Pries im Jahr 1949

Foto: Archiv Langenhorn, Erwin Möller

Das Arbeitsgerät aus der Schmiede Günther Pries an der Ulzburger Straße in Norderstedt wird jetzt im Feuerwehrmuseum ausgestellt.

Norderstedt.  Wolfgang Grase­mann und seine Kollegen vom Förderverein des Feuerwehrmuseums Schleswig-Holstein strahlen. Sie haben endlich einen Schraubstock. Und das auch noch geschenkt. Von einem, der ebenso selig ist, hat er doch den Schraubstock vor der Schrottpresse bewahrt. Gerd Meincke, Norderstedter Hobby-Historiker, hat das zirka 1900 gebaute, 250 Kilogramm schwere Werkzeug im Gartenhaus der ehemaligen Huf- und Wagenschmiede von Günther Pries entdeckt.

„Das ist ein Schraubstock, der diese Bezeichnung auch verdient und nicht gleich bei einer etwas höheren Spannung auseinanderbricht“, sagt Hajo Brandenburg, Leiter des Feuerwehrmuseums. Es ist vor allem auch ein Schraubstock, der in der Schmiede einer Handwerksfamilie mit großer Tradition stand und deshalb schon ins Norderstedter Museum gehört.

„Die Töchter des am 1. März 2016 verstorbenen Günther Pries haben mich gebeten, die Werkzeuge und anderes Zubehör im Gartenhaus auf dem Grundstück der Schmiede zu sichten“, sagt Meincke. Nach Aufgabe der Schmiede an der Ulzburger Straße 127, Ecke Aurikelstieg gegenüber der heutigen Jet-Tankstelle, hat Schmiedemeister Günther Pries alles, was noch in der Schmiede vorhanden war, im Gartenhaus eingelagert. Dort, wo die Schmiede einst ein Anziehungspunkt an der Ulzburger Straße war, steht heute ein Mehrfamilienhaus, daneben das Einfamilienhaus der Familie Pries.

„Ich habe nicht nur den Schraubstock gefunden, sondern auch kiloweise Werkzeug, alte Schrauben und Bolzen“, sagt Meincke. Vieles habe er an die Landwirte in und um Norderstedt herum gegeben, vieles sei in der Schrottpresse gelandet. „Das hat mir in der Seele weh getan“, sagt Meincke. Auch mit roten Rücklichtern konnte er dem Feuerwehrmuseum eine Freude machen. „Das sind wahre Raritäten, die jetzt im Magazin des Feuerwehrmuseums sind und manches altes Feuerwehr-Fahrzeug wieder herausputzen werden“, sagt Meincke.

Im Garten der Familie stehen noch zwei Ambosse aus der alten Schmiede. Den einen will Sabine Pries-Roth, Tochter von Günther Pries, in ihrem Garten aufstellen, den anderen erhält ihre Schwester.

Gegründet wurde die Huf- und Wagenschmiede Pries um die vorige Jahrhundertwende von Hermann Pries, Großvater des am 24. März 1931 geborenen und am 1. März 2016 verstorbenen Schmiedemeisters Günther Pries.

Hermann Pries’ Vater war Hans-Friedrich Pries. Der Cousin von Günther Pries führte die Schmiede an der Segeberger Chaussee/Ecke heutiger Schleswig-Holstein-Straße. Auch diese Schmiede wurde wie die an der Ulzburger Straße in den 1960er-Jahren abgerissen, das Schmiede-Handwerk hatte keinen goldenen Boden mehr.