Norderstedt
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Obst aus Dachgarten statt aus dem Supermarkt

Es muss nicht, wie hier in Berlin, Wein vom eigenen Dachgarten sein. Aber Gemüseanbau können sich die Zukunftsforscher für Garstedt durchaus vorstellen

Es muss nicht, wie hier in Berlin, Wein vom eigenen Dachgarten sein. Aber Gemüseanbau können sich die Zukunftsforscher für Garstedt durchaus vorstellen

Foto: Amin Akhtar

Das ist eine Idee für die Zukunftsstadt Norderstedt 2030. Nun sollen die Bürger ihre Visionen und Ideen für die Stadt nennen.

Norderstedt.  Die Garstedter Dachgurke ist zum Synonym geworden für die nachhaltige Entwicklung Norderstedts. Gemüse auf dem Deckel für Wohn- und Schlafzimmer anbauen – das ist eine Vision für die Zukunftsstadt Norderstedt. Unter diesem Titel beteiligt sich die Stadt an einem bundesweiten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzieren Wettbewerb, bei dem es Norderstedt in Phase II geschafft hat und mit 22 Kommunen um den Einzug in die finale Phase III kämpft. Wie sieht es in 15 oder 20 Jahren in der Stadt aus? Wie leben die Menschen und nach welchen Leitmotiven?

Die Antworten auf diese Fragen wollen die Stadtplaner nicht den Experten überlassen. Die Bürger sind aufgerufen, ihre Ideen für das Zukunftsgesicht Norderstedts einzubringen.

Zunächst aber haben fünf Forschungsbüros Vorschläge für ein Zukunftsszenario gemacht. 80 Bürger sahen sich die Konzepte im Rathaus an, eine Jury kürte den besten Entwurf. Und der kommt vom Institute for Advanced Sustainability Studies, aus Potsdam (IASS), das mit „landinsicht“ (Berlin) zusammengearbeitet hat. „Allerdings gab es auch für die anderen Konzepte viel Lob von der Jury, und wir werden auch Anregungen aus diesen Überlegungen einbeziehen“, sagte Herbert Brüning vom Amt Nachhaltiges Norderstedt, das den Wettbewerb im Rathaus koordiniert.

Gefragt sind die Ideen und Visionen der Norderstedter. Deren Meinungen will die Stadt in einer Umfrage nach den Sommerferien erfahren und mit ihnen in dezentralen Stadtteil-Laboren ins Gespräch kommen. Forschungsteams werden sich in den vier Ursprungsgemeinden Garstedt, Glashütte, Harksheide und Friedrichsgabe in deutlich erkennbaren Werkstätten präsentieren und anhören, was sich Bürger und Unternehmer wünschen. Voraussetzung ist allerdings, dass es Norderstedt in Phase III des Wettbewerbs und damit unter die letzten Acht schafft. Die Entscheidung wird in einem Jahr fallen. „Die Zeit werden wir nutzen, um die Vorschläge des Siegerbüro zu präzisieren und die Labore in den Stadtteilen vorzubereiten“, sagt Brüning.

Die Zukunftsplaner aus Potsdam und Berlin ordnen den Stadtteilen unterschiedliche Schwerpunkte zu:

Lebensmittelproduktion in Garstedt: Gewächshäuser auf Dächern, ein öffentlicher Landwirtschaftspark am Herold-Center, den ein Bauer bewirtschaftet, der die Mensen der umliegenden Schulen beliefert, Pfand- statt Pappbecher für den coffee to go im Herold-Center, eine Weide mit Schafen und eine Wildblumen- und Streuobstwiese und einen Stadtimker am Einkaufszentrum, Koch- und Gartenkurse zusammen mit der VHS.

Teilen und transportieren in Friedrichsgabe: Nicht jedes Unternehmen muss alles selbst machen. Wissen, Aufgaben, Maschinen und Zeit teilen – das könnte dazu beitragen, in die Jahre gekommene Gewerbegebiete zu revitalisieren. Ein Handbuch für Nachhaltigkeit informiert darüber, was Betriebe außer energetischer Sanierung noch unternehmen können, um zukunftsfähig zu werden. Weitere Bausteine: Pakete und Pizza kommen auf dem Lastenrad, Unternehmen stellen Mitarbeitern kostenlos Räder zur Verfügung.

Experimentieren und teilen in Harksheide: Vielfältig wohnen und leben zum Beispiel in Minihäusern auf Parkplätzen, Mitfahrbörse per App, ein Raum, in dem sich Mieter und Hauseigentümer Geräte wie Bohrmaschinen, Teppichreiniger, Vertikutierer oder Nähmaschinen ausleihen können. Nachbarn bilden Sanierungsgenossenschaften, statt Rasen werden Wildgärten mit einer „Norderstedter Saatmischung“ angelegt, im wöchentlichen Wechsel werden Autos aus einzelnen Bereichen verbannt.

Mobilität und Integration in Glashütte: Wie sieht moderne Mobilität (auf Abruf) außerhalb von Innenstädten aus? Dazu sollen Konzepte entwickelt werden. Boulevard statt Straße – Glashütter Damm, Poppenbütteler Straße und Segeberger Chaussee werden teilweise und regelmäßig gesperrt und zum Boulevard für alle, für Skater, Federball-Spieler und Kreidemaler. Die Bücherei am Glashütter Markt ist schon außerhalb der normalen Öffnungszeiten zugänglich. Da biete es sich an, dass die Glashütter hier auch Bügeleisen und andere Dinge ausleihen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. Ehrenamtler ersetzen defekte Glühlampen oder erledigen Einkäufe.

„Das sind nur erste Ideen und Platzhalter, die durch die Vorschläge der Norderstedter ersetzt oder bestätigt werden sollen“, sagt Amtsleiter Brüning.