Norderstedt
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Stadtpark: Paddeln, bis die Muskeln brennen

Das Finale auf dem Stadtparksee. Die Paddler in den drei Booten gaben alles, doch das Team von North Gym war einfach nicht zu schlagen und siegte deutlich vor der Konkurrenz

Das Finale auf dem Stadtparksee. Die Paddler in den drei Booten gaben alles, doch das Team von North Gym war einfach nicht zu schlagen und siegte deutlich vor der Konkurrenz

Foto: Michael Schick

300 Männer und Frauen kämpfen beim Drachenbootrennen um den Sieg. Getafelt wurde beim White Dinner, Musik gab’s in Peins Scheune.

Norderstedt.  Männer und Frauen schwitzen beim Kampf um die schnellsten Zeiten in ihren Drachenbooten auf dem Wasser. Zwei Stunden später tafeln Paare und Gruppen beim White Dinner – Anspannung und Entspannung, für beides stand am Wochenende der Norderstedter Stadtpark. Und auch beim Picknick-Konzert in Glashütte herrschte beste Stimmung.

„Eins und zwei und drei“, ruft Petra Kruse und schlägt im Takt auf die Trommel. Die Männer und wenigen Frauen hämmern ihre Stechpaddel ins wellige Wasser – versuchen, den Kommandos zu folgen und die Arme im Gleichklang zu bewegen. Die Muskeln brennen, Schweiß tritt auf die Stirn, der Wind leistet Widerstand. 18 Mannschaften wollen bei der siebten Auflage des Norderstedter Drachenbootrennens die Konkurrenz hinter sich lassen. Insgesamt sitzen rund 300 Sportler vor allem aus Norderstedter Firmen in den Booten, überwiegend Männer.

Mindestens vier Frauen gehören zu den Langbooten

„Wir sind die Quotenfrauen“, sagte Susanne Dähn vom Willkommen-Team Norderstedt, die im Flüchtlingsboot paddelt. In den Langbooten müssen mindestens vier Frauen vertreten sein, das schreibt das Reglement vor. „Es haben sich nicht ganz so viele Betriebe angemeldet wie in den Vorjahren. Das liegt wahrscheinlich am G20-Gipfel, einige kommen aus Hamburg nicht weg oder haben deswegen von vornherein auf eine Teilnahme verzichtet“, sagte Dagmar Buschbeck, die das von Norderstedt Marketing gesponserte Rennen auf dem Stadtparksee wieder organisiert hat und von vielen ehrenamtlichen Helfern unterstützt wird. Mitglieder von Hamburger Wassersportvereinen fungierten als Trommlerinnen und Steuermänner, die Lebensretter der Norderstedter DLRG sorgten für einen reibungslosen Ablauf auf dem See.

Doch auch an Land herrschte ein buntes Bild. Die Paddler haben Pavillons aufgestellt, lenkten sich zwischendurch mit einer Partie Volleyball ab oder legten sich in die Sonne, die sich am Wochenende mal wieder von ihre besten Seite zeigte. Am Strand verfolgten die Zuschauer den Wettkampf.

Das Flüchtlingsboot zum Beispiel, in dem vor allem Syrer ackern. „Das ist anstrengend, macht aber richtig Spaß“, sagt Adnan Gasham, nachdem er wieder Land unter den Füßen hat. Trainieren konnte das zusammengewürfelte Team nicht, die Kommunikation war schwierig, die Trommlerin gab ihre Kommandos auf Deutsch, Steuermann Horst Fuchs feuerte auf Deutsch an, die Paddler sprechen unterschiedliche Sprachen.

„Flüchtlingsfrauen dafür zu gewinnen, ist extrem schwierig, Sport spielt für sie eine untergeordnete Rolle“, sagte Susanne Dähn, die den fehlenden Erfolg wie die Flüchtlinge gelassen sieht.

Lufthansa-Team will 2018 ganz groß auftrumpfen

Das gilt auch für The Animals, das Team, das für Lufthansa-Systems an den Start ging und Software für die Fluglinie entwickelt: „Wir wollen die Gegner in Sicherheit wiegen und unser wahres Potenzial beim Rennen im nächsten Jahr abrufen“, sagte Claudia Beltz. Diesmal reichte es nur für Platz fünf bei den Kurzbooten.

Als Schnellste erwiesen sich die gut trainierten Paddler von North Gym, Kraft und Ausdauer reichten, um den Sieg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Das Team kam mit 56,8 Sekunden für die 200 Meter lange Rennstrecke trotz Gegenwind fast an seine Bestzeit aus dem Vorjahr (56,12 Sekunden) heran und deklassierte die beiden anderen Boote im Finale klar.

Anders als im Vorjahr scheiterten die Sieger diesmal allerdings an der Wakeboard-Challenge – die Paddler mussten in ihrem Drachenboot so viel Vortrieb entwickeln, dass sie den 15-jährigen Paul auf seinem Board ziehen konnten. Das Team gab alles, doch Paul kam nicht hoch. Immerhin war er mit 70 Kilo 13 Kilo schwerer als Vorjahres-Wakeboarder Mattes. Doch der zweite Versuch klappte.

Die Yellow Dragons kamen auf Platz zwei, Dritter wurden die Nordex Warriors. Bei den Kurzbooten siegten die Water Gladiators. Zweite wurden die Jungen Sterne, der dritte Platz ging an die Betondrachen.

Als es Abend wurde im Stadtpark, kamen Männer und Frauen ganz in Weiß, stellten Stühle und Tisch auf und packten aus, was sie in ihren Körben und Taschen hatten: White Dinner an der Uferpromenade. Gleich vorne hatten sich die Nachbarn vom Schinkelring und Langenharmer Weg platziert. „Wir sind zum vierten Mal dabei und genießen das schöne Wetter“, sagte Uwe Lengler, ehe er mit den anderen anstieß. Roastbeef, Eiersalat, Käse-Weintrauben-Spieße und mehr standen auf dem Tisch, jeder leistet einen Beitrag. „Toll wäre, wenn noch Straßenmusiker spielen würden“, sagte Lengler.

Den Auftakt machten „Die glorreichen Sieben“

Auch die Picknick-Konzerte am Sonnabend und Sonntag in der Scheune auf Hof Pein in Glashütte waren wieder ein Publikumsmagnet. 500 Plätze, je 250 für das Sonnabend- und das Sonntagskonzert, gingen weg wie das frisch gezapfte Bier, das für die Kulturstiftung während der Konzerte verkauft wurde. Alles andere tischte das Publikum auf. Tische und Bänke standen bereit, entsprechend dem Konzertmotto Filmmusik von Mit-Organisatorin Sonja Lampen einfallsreich dekoriert.

Diesmal erhielt das Sinfonie-Orchester Norderstedt, das Residenz-Orchester der Picknick-Konzerte, stimmstarke Unterstützung vom Chor Chorus Mind. Ansagerin Sarah Breslan führte gut gelaunt durchs Programm.

Zum Auftakt ließ das Orchester unter der Leitung von Frank Engelke „Die glorreichen Sieben“ in die Scheune reiten, während Chorus Mind unter der Leitung von Martin Ziemsky mit „Once Upon A Time In The West“ einen besinnlichen Einstieg wählte. In der „Titanic-Suite“ fanden die mehr als 40 Sänger und die 80 Musiker zusammen, betonten mit gefühligen Sequenzen die Romantik, konnten aber auch dramatisch auftrumpfen. Erste Bravo-Rufe.

Locker ging der Chor das Thema „A Summer Place“ an, bevor das Sinfonie-Orchester mit vollem Blech und voluminös aufspielenden Streichern das Publikum in der „Star Wars Suite“ kreuz und quer durchs All fliegen ließen.

Mit derartigem Wumm erklang auch die „Forrest-Gump-Suite“, und der Chor ging mit den Erkennungsmelodien einiger TV-Krimis auf Mörderjagd. Mit der „Avatar-Suite“ zeigte das Orchester eindrucksvoll, was Blech, Holz, Saiten und vor allem Pauken und Trommeln hergeben können.