Norderstedt
Gipfeltreffen

G20-Protestcamp kommt nach Norderstedt

Warten auf die G-20-Camper: Das Soziale Zentrum Norderstedt bietet zum Gipfel Zeltplätze für Demonstranten an

Warten auf die G-20-Camper: Das Soziale Zentrum Norderstedt bietet zum Gipfel Zeltplätze für Demonstranten an

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Im Sozialen Zentrum erwarten die Aktivisten deutlich mehr als 40 Demonstranten aus der ganzen Welt – zum Übernachten.

Norderstedt.  Dass das Soziale Zentrum (SZ) aus Norderstedt G20-Demonstranten Platz zum Zelten bieten würde, stand schon lange fest. Doch seit dem Verbot des Protestcamps in Hamburg-Entenwerder stehen viele Anti-Gipfel-Gäste auf der Straße und suchen nach einer Unterkunft. Da bekommt das Angebot des selbstverwalteten Zentrums für linke Politik und Kultur eine ganz andere Aktualität. Im Zentrum an der Straße In de Tarpen 8 wird ein Norderstedter G20-Protestcamp entstehen.

Am Montag steckten die Aktivisten des Sozialen Zentrums bis in den späten Abend die Köpfe zusammen und diskutierten im Plenum, wie viele Gäste aufgenommen werden können. Eigentlich hatte man geplant, etwa 40 Personen einen „Rückzugsraum“ zu bieten. Doch wie viele Protestler nun in Norderstedt aufschlagen werden, kann jetzt noch keiner so genau sagen.

Übernachten sollen sie aber alle auf dem verschachtelten Gelände des Sozialen Zentrums (SZ). Mitten im Industriegebiet auf dem von Pflanzen und Bäumen eingesäumten Gelände ist es am Dienstag noch ganz ruhig. Für Mittwoch rechnet das SZ mit dem ersten Schwung Anreisender. Man ist vorbereitet und hat den Rasen schon auf die optimale Höhe zum Campen gestutzt.

Die Zelte müssen die Gäste selbst mitbringen. Bevor das Gelände an seine Belastungsgrenze kommt, können noch freie Sofas in Norderstedt vermittelt werden, heißt es aus dem SZ. In Hamburg werden am Dienstag Camps im Schröder­stift im Schanzenviertel, an der St.-Pauli-Kirche und im Altonaer Volkspark errichtet. Das SZ warb für die Norderstedter Alternative in den sozialen Netzwerken. Ob das Soziale Zentrum seine Pforte bei einem zu starken Ansturm schließen wird? Willkommen seien zunächst einmal alle, sagt die Sprecherin des Sozialen Zentrums, die ihren Namen erst wieder nach G20 in der Zeitung lesen will. „Durch die Beschneidung der Infrastruktur wird es ziemlich unmöglich gemacht, dass Demonstranten aus der ganzen Welt anreisen können.“

Neben Schlafplätzen möchte das Zentrum mit veganer Verpflegung gegen Spende einen weiteren Beitrag zum G20-Protest leisten. Die sogenannte Volksküche soll jeden Abend ab 19 Uhr öffnen. Während bei der monatlichen sogenannten Suppenklause bisher zwischen 20 bis 30 Gäste zum Essen kamen, wird während des Gipfels in Hamburg mit einer ganz anderen Größenordnung geplant. Tagsüber möchte das Zentrum in Norderstedt als Rückzugsort dienen und Getränke und Brötchen ausgeben. Ein Ansprechpartner soll rund um die Uhr vor Ort sein. Die Demonstranten können sich per E-Mail an sz@inferno.nadir.org anmelden.

Ordnungsamt und Polizei haben die Lage im Blick

Gebäude und Grundstück an der Straße In de Tarpen gehören der Stadt Norderstedt. Im SZ rechnet aber keiner mit Problemen durch Ordnungsamt oder Polizei. Bis jetzt habe die Stadt dem Kulturzentrum immer freie Hand bei der Nutzung des Grundstücks gelassen, sagt die SZ-Sprecherin. Sie rechnet mit einem organisierten Ablauf und freut sich auf „eine Truppe aus den fernen Ecken der Welt“.

Andreas Finster vom Norderstedter Ordnungsamt sieht das Protestcamp des SZ gelassen. „Ordnungsrechtlich könnte man jetzt mit der Zelt- und Campingplatzverordnung kommen und sagen: Gecampt wird hier nicht – aber das wäre hier deutlich too much.“ Das Ordnungsamt stehe immer in guter Kommunikation zum städtischen Kulturträger Soziales Zentrum. „Uns interessiert nur, ob durch das Camp etwas entsteht, das die allgemeine Sicherheit und die Nachbarn gefährdet. Wenn es aber weder Dreck noch Lärm oder offenes Feuer gibt, haben wir keinen Anlass, die Keule zu schwingen. Gleichwohl haben wir die Lage im Blick“, sagt Finster. Auch das Polizeirevier in Norderstedt schätzt die Lage so ein. „Kollegen des Reviers sind beim Zentrum vorbeigefahren, haben aber noch kein Camp festgestellt“, sagt Seyma Stephan, Sprecherin der Polizeidirektion Segeberg.

Rechtlich bestünde gegen das Zelten auf dem Privatgelände kein Einwand. „Wir werden das Soziale Zentrum in den kommenden Tagen regelmäßig bestreifen“, sagt Stephan.