Norderstedt
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Wofür Bürger ihre Steuern ausgeben würden

Ein Bürger wünscht sich einen Indoorspielplatz für Norderstedt

Ein Bürger wünscht sich einen Indoorspielplatz für Norderstedt

Foto: Michael Rauhe

Schon 130 Vorschläge für den Norderstedter Bürgerhaushalt liegen vor – einige davon sind kurios, andere durchaus machbar.

Norderstedt.  Die niedlichste Idee derzeit kommt von einem Norderstedter, der unter dem Pseudonym Wunschzettel beim Online-Bürgerhaushalt der Stadt Norderstedt angemeldet ist: „Damit die Norderstedter Bürger unseren Herrn Grote in Kiel besuchen können, wünsche ich mir eine U-Bahn von Norderstedt nach Kiel. Zur Belebung der Dörfer sollten auch viele Haltestellen eingerichtet werden.“ Woher die Millionen von Euro (oder Milliarden?) für den Bau herkommen sollen, sagt Wunschzettel nicht – getreu seinem Namen.

Zum vierten Mal lässt die Stadt die Bürger bei der Erstellung des städtischen Haushaltes mitentscheiden. Und zum vierten Mal zeichnet es sich ab, dass der Bürgerhaushalt weniger ein ernsthaftes Instrument der Bürgerbeteiligung ist, sondern vielmehr ein Stimmungsbarometer für die Befindlichkeiten der Bürger.

Bis 2. Juli können die Norderstedter Vorschläge machen, und alle anderen können sie bewerten. Die 50 Vorschläge, die am besten ankommen, werden schließlich am 20. Juli der Politik vorgelegt – mit der Bitte um Kenntnisnahme und Umsetzung. Doch wenn die Politik nicht will, muss sie auch nicht. Derzeit gibt es bereits 127 Vorschläge. Das Abendblatt zeigt eine nicht repräsentative Auswahl der Vorschläge (in den Klammern die Pseudonyme der Bürger):

Freizeit

Einen Indoorspielplatz für Norderstedt! (Stefano)

Eine Parkeisenbahn im Stadtpark könnte helfen, Gehbehinderten und Familien mit Kindern das Erleben des gesamten Geländes zu erleichtern. (Artur Biber)

Skatepark Frederikspark umgestalten und erweitern! Die Krönung für die Sportler wäre es, wenn der Platz vergrößert und um weitere Obstacles (Rampen, Grindstangen) ergänzt werden könnte. (captainsebb)

Verkehr

Freitag- und Sonnabend, in der Zeit zwischen 23 und 2 Uhr, wird in der Marommer Straße ausgiebig gerast. Wir als Anwohner wünschen uns hier mehr Initiative der Stadt, gegen Raser vorzugehen. (fisherblau)

Tempo 30 auf dem Steindamm! Die erhöhte Verkehrsdichte, hohe Fahrgeschwindigkeiten weit über 50 km/h (nachts auch Raser!), enge Verhältnisse in Kombination mit einem von vielen Kindern genutzten Schulweg, machen die Tempo-30-Zone notwendig. (Holger)

Wer keine Autos will, muss den ÖPNV verbessern. Es nervt unendlich, dass die U-Bahn früh abends nur alle zehn Minuten bis Norderstedt-Mitte fährt. (Cozywinter)

Tempo-30-Zone auf der Harckesheyde zwischen Ulzburger Straße und Johann-Hinrich-Wicher-Straße. (Honolulu)

Ordnung, Sicherheit

Eine Kameraüberwachung an öffentlichen Platzen einführen. (Norderstedter Bürger)

Die Anwohner vor Dauerbeschallung durch Besucher, schreiende Kinder und nachts von grölenden Jugendlichen aus dem Stadtpark Norderstedt schützen. Zum Beispiel den Kinderspielplatz verlegen und Grillplätze oder einen Lärmschutzwall errichten. (ernie2004)

Radfahrer müssten eine Prüfung machen. Viele fahren in die verkehrte Richtung, Fußgänger haben hinten keine Augen. Es wird nicht einmal geklingelt, sondern gepöbelt. (hwstürmer)

Die Blitzeranlagen, feste wie mobile, sind super. Es wirkt langsam. Es sollten noch mehr aufgestellt werden. Auch mehr in Schul- und Kita-Nähe sowie in Tempo-30- Zonen. (Leser 2000)

Das Ordnungsamt sollte häufiger in den kleinen Straßen Verkehrskontrollen machen. In unserem Viertel in Garstedt wird oft irgendwo, irgendwie geparkt. (Margret Kubler)

Abgaben, Steuern

Katzensteuer einführen! Wir haben in Norderstedt ein Riesen-Problem mit freilaufenden Katzen. Wir haben mehr Katzenkot im Garten als Vogelkot. Das soll was heißen. Und: Pferdesteuer einführen! Warum nur die Hundebesitzer belasten. Wer macht hier wohl die größeren Haufen?!

Alle Aufwendungen für Radler sollten aufsummiert und auf die Radfahrer umgelegt werden. Wer Fahrrad fährt, ohne bezahlt zu haben, soll spürbar bestraft werden. (GTL)

Für das Rentensystem wird es nach 2030 zu massiven Abgabenerhöhungen oder Leistungskürzungen kommen. Die sorgenfreie Frührentnergeneration heute sollte in Norderstedt einen Fairness-Beitrag in den „Zukunftsfonds Altersglück“ leisten. Jeder Rentner sollte pro Lebensjahr zehn Euro einzahlen; Ex-Staatsbedienstete zahlen einen Ferienzuschlag von 100 Prozent. (GTL)

Sparideen

Keine weiteren „Flaniermeilen“ auf der Ulzburger Straße errichten. Die fertiggestellte „Meile“ hat etliche Nachteile gebracht: Radler stehen im Autostau vor der Waldstraße, Wegfall der Ampel am Nachbarschaftszentrum und weniger Parkraum. (Artur Biber)

Warum benötigt die Feuerwehr drei bis vier stellvertretende Gemeindewehrführer, und jeder nutzt ein Fahrzeug der Feuerwehr? Da könnte doch ein Schichtplan eingeführt werden. Und die, die nicht dran sind, fahren mit privaten Autos zum Einsatz. (1887)

Da ich von Anfang an beim Bürgerhaushalt Norderstedt dabei bin, kann ich resümieren, dass der Bürgerhaushalt Norderstedt unterm Strich nur Kosten verursacht. Von den vielen Vorschlägen, die eingereicht werden, wird nur ein Bruchteil wirklich umgesetzt. Der Bürgerhaushalt Norderstedt ist letztlich nur eine Art Marketing-Projekt, das beim Bürger den Eindruck erzeugen soll, er könne sich darüber aktiv in das Norderstedter Geschehen einbringen.

Schulen

Um das Rauslassen von Kindern an Kitas und Grundschulen zu erleichtern, könnten Parkbuchten als „Kiss and Drive“-Zonen umfunktioniert werden. (Twieter)

Die Mensa im Gymnasium Harksheide (mehr als 900 Schüler) ist an der Kapazitätsgrenze angelangt. Es muss bereits über Unterrichtsverlagerungen nachgedacht werden, damit alle Kinder die Möglichkeit haben, etwas zu essen. (Raketenfreak)

Soziales

Mir fallen mir immer wieder alte Menschen auf, von denen ich den Eindruck habe, dass sie von einer knapp bemessenen Rente leben müssen und möglicherweise auch einsam sind. Da kam mir die Idee, ob es für diese Menschen eigentlich Treffpunkte gibt, die zumindest an Werktagen geöffnet haben, wo sich Gleichgesinnte treffen, wo man sich austauscht, neue Freunde findet, sich verabredet und wieder mehr am sozialen Leben teilnimmt. Ideal wären Öffnungszeiten Montag bis Freitag zwischen 11 und 15 Uhr. Zu Beginn wäre ein zentraler Treffpunkt vorstellbar, später vielleicht in jedem Stadtteil einer. (Nord-Bürger)

Mitmachen kann man unter buergerhaushalt-norderstedt.de. Hier gibt es auch alle Zahlen rund um den Doppelhaushalt 2018/2019.