Norderstedt
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Einbruch: Täter muss sich mit Opfern treffen

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude

Foto: Michael Rauhe

30-Jähriger war in Wohnung einer 52-Jährigen eingestiegen. Bewährungshelferin rät vor Gericht zum Dialog zwischen den Parteien.

Norderstedt.  Nach dem Einbruch ist nichts mehr wie vorher. „Der materielle Schaden ist ersetzbar“, berichtete die Frau, „aber der psychische Schaden bleibt ewig“. Die 52-Jährige, die Opfer eines Wohnungseinbruches wurde, schilderte als Zeugin vor dem Amtsgericht Norderstedt die seelischen Folgen. „Dass ein Fremder meine Sachen angefasst hat, macht mich bis heute krank“, sagte sie. Aus Angst vor einem neuerlichen Einbruch verlasse sie nur ungern das Haus.

Wohnungseinbruchsdiebstahl wurde dem Mann vorgeworfen, der die Zeugin aus der Bahn warf. Nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen war der 30-Jährige im Mai 2016 in ein Einfamilienhaus in Kaltenkirchen eingestiegen – und hatte dabei einen stillen Alarm ausgelöst. Bei seiner hastigen Flucht über den Gartenzaun lief der irritierte Einbrecher den alarmierten Polizisten direkt in die Arme.

Der Angeklagte gab sich reumütig. Jahrelang habe er Rauschgift auf Kommissions-Basis verkauft und dabei „Schulden in großer Höhe“ angehäuft. Als die Zwischenhändler Geld von ihm zurückforderten, sei er auf die dumme Idee gekommen, in das Haus einzusteigen. Mit bebender Stimme bat der Angeklagte die geschädigte Frau um Entschuldigung. „Eine Entschuldigung kann ich nicht akzeptieren“, sagte die Frau. Der Einbruch habe sie deshalb so mitgenommen, weil das Haus bereits vor zwei Jahren Ziel eines versuchten Einbruchs gewesen war. Als weitere Zeugin trat die Bewährungshelferin des Beschuldigten auf. Die 57-Jährige lernt bei ihrer sozialen Hilfestellung nicht nur die Täter kennen, sondern erfährt auch viel über die seelischen Leiden der Einbruchsopfer. „So etwas zu verarbeiten, dauert oft Jahre. Empfehlenswert sei ein sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich“, meinte sie. Dabei würden Täter und Opfer unter Aufsicht in einen gezielten Dialog miteinander treten.

Das Urteil: zwölf Monate Haft auf Bewährung. Wie vorgeschlagen, hat der Verurteilte zudem an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilzunehmen. Nach anfänglichem Zögern stimmte auch das geschädigte Ehepaar zu.