Norderstedt

Freispruch im Prozess um Tresordiebstahl

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Thomas Geyer
Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude. Der Prozess fand vor dem Amtsgericht Neumünster statt

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude. Der Prozess fand vor dem Amtsgericht Neumünster statt

Foto: Michael Rauhe

Angeklagter kannte Nachbarn der Bestohlenen. Er wurde aus der U-Haft entlassen. Schaden des Einbruchs wurde auf 360.000 Euro beziffert.

Neumünster/Norderstedt.  Ein Ferrari in der Garage, zwei Porsche auf dem Hof und ein Tresor voller kostbarer Uhren und Schmuckstücke im Haus – der Wohlstand des Ehepaares in Norderstedt weckte diebische Gelüste: Drei Unbekannte nutzten im Februar 2015 einen Urlaub der Bewohner zum Einbruch. Ein als Mittäter angeklagter Albaner (28) wurde am Dienstag im Amtsgericht Neumünster freigesprochen.

Den materiellen Schaden durch den Einbruch bezifferte der Hausbesitzer (40) auf rund 360.000 Euro. Die Verteidigung bezweifelte seine Angaben und ging von 140.000 Euro aus. Mehrere Indizien belasteten den einschlägig vorbestraften Angeklagten. Doch nach vierstündiger Beweisaufnahme blieben zu viele Zweifel. Auch die Staatsanwältin plädierte auf Freispruch. Nach dem Urteil entließ das Schöffengericht den wohnsitzlosen Mann aus der U-Haft.

Gegen ihn sprach die Freundschaft zu einem in Tatortnähe wohnenden Landsmann: Vom Balkon des 35 Jahre alten Barbesitzers kann man den Hof der Geschädigten überblicken. Der Nachbar stand unter Verdacht, die Abreise des Ehepaares beobachtet und die Täter auf das Objekt angesetzt zu haben. Auch gegen ihn wurde ermittelt.

Tatsächlich standen der mögliche Tippgeber und der Angeklagte am Tattag in telefonischem Kontakt. Doch der Inhalt des überwachten Gesprächs soll unverfänglich gewesen sein. Zwischen 18.19 und 19.24 Uhr zeichnet dann eine Überwachungskamera den Einbruch auf. Das Video zeigt, wie drei Gestalten im Dunkeln am Regenfallrohr des Hauses auf die Dachterrasse klettern. Oben laufen sie direkt an der Kamera vorbei.

Als später die „Hamburger Morgenpost“ auf einer Doppelseite mit Täterfotos über den Fall berichtet, glaubt ein LKA-Beamter den Angeklagten zu erkennen. „Ich war mir absolut sicher, dass das Herr G. ist“, sagt der Zeuge (48) vor Gericht. Doch er muss einräumen, G. nie persönlich gesehen zu haben. Sein Verdacht beruhe lediglich auf dem Vergleich von Fotos und „polizeilichem Bauchgefühl“. Das reichte dem Schöffengericht nicht für eine Verurteilung, zumal das Bundeskriminalamt die Bildqualität der Tatortfotos als „eingeschränkt“ bewertete.

Der Geschädigte will „nur einen Bruchteil“ des Diebesguts von der Versicherung erstattet bekommen haben. Seine Schadensrechnung umfasst auch die Kosten für zwei Monate im Hotel und den anschließenden Umzug des Ehepaares: „Aus Ekel“ haben die Bestohlenen den Tatort nie wieder betreten, ihren dortigen Besitz aufgegeben, die Sachen weggeworfen oder verkauft. Ein Jahr lang stand das Reihenhaus an der Segeberger Chaussee leer, weil nach den Berichten in der Boulevardpresse dort niemand einziehen wollte.

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