Norderstedt

Ein „Youngster“ leitet die Gemeindefeuerwehr

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Wolfgang Klietz
Die freiwilligen Feuerwehren Norderstedts wählten Fabian Wachtel aus Glashütte zum Gemeindewehrführer

Die freiwilligen Feuerwehren Norderstedts wählten Fabian Wachtel aus Glashütte zum Gemeindewehrführer

Foto: Wolfgang Klietz

Norderstedts neuer Gemeindewehrführer Fabian Wachtel ist gerade einmal 33 Jahre alt. Er arbeitet an einem Zukunftskonzept.

Norderstedt.  So einen jungen Feuerwehrchef hatte Norderstedt noch nie, haben manche Kameraden nach der Wahl gesagt. Gerade mal 33 Jahre ist Fabian Wachtel alt und damit in der Riege der Gemeindewehrführer im Kreis Segeberg ein „Youngster“. Doch der Jüngste in der Geschichte der Gemeindefeuerwehr ist er nicht: Auch Joachim Seyferth – heute Amtsleiter für Feuerwehr und Rettungsdienst – war 33, als er 1991 die Führung der vier Wehren übernahm.

Aufgabe des neugewählten Gemeindewehrführers wird es nach dem Tod seines Vorgängers Nobert Berg sein, die Sicherheit in einer Stadt mit fast 80.000 Einwohnern ohne Berufsfeuerwehr zu gewährleisten und in die Zukunft einer stark wachsenden Stadt zu führen. „Norderstedt wächst überproportional“, sagt Wachtel und hat dabei die steigende Einwohnerzahl, neue Verkehrskonzepte und Gewerbebetriebe mit Gefahrgütern im Blick. „Darauf müssen wir reagieren.“

Die Arbeit an einem Zukunftskonzept hat schon Monate vor seinem Amtsantritt begonnen. Feuerwehrbedarfsplan heißt das Werk, in dem die Anforderungen für die kommenden Jahren definiert werden und das voraussichtlich im Herbst vorliegen wird. Einige der neuen Herausforderungen kann Fabian Wachtel schon jetzt skizzieren. Dabei geht es auch um das Amt des Gemeindewehrführers, das er gerade übernommen hat.

Fabian Wachtel schafft es nach eigenen Angaben als selbstständiger Unternehmer, seinen Job so zu organisieren, dass er nebenher rund 20 Stunden pro Woche als ehrenamtlicher Feuerwehrchef arbeiten kann.

Er geht jedoch davon aus, dass mittel- oder langfristig ein Gemeindewehrführer bei der Stadt Norderstedt angestellt sein muss, um diese Aufgaben zu bewältigen. Dazu gehören Dienstabende, Vorstandssitzungen, Veranstaltungen, Gespräche im Rathaus und viele Einsätze zu allen Tages- und Nachtzeiten. „Ich kann das und habe die Freiheit“, sagt Wachtel. „Ein normaler Arbeitgeber würde das nicht mitmachen.“

Außerdem vermutet Wachtel, das im Feuerwehrbedarfsplan die Aufstockung der hauptamtlichen Wachabteilung um zwei Kollegen stehen wird. Derzeit stehen montags bis freitags tagsüber sechs Angestellte der Stadt bereit, bei einem Alarm sofort auszurücken. Dabei handelt es sich um geschulte Verwaltungsmitarbeiter und Techniker im Feuerwehrtechnischen Zentrum, die bei einem Alarm ihre Arbeit unterbrechen und zum Einsatz ausrücken.

Somit stellt die Stadt einen schnellen Einsatz der Feuerwehr sicher und entlastet die ehrenamtlichen Kräfte, die nur bei Bedarf zur Verstärkung kommen müssen. „Damit muss die Feuerwehr nicht zu jedem kleinen Einsatz ausrücken“, sagt Wachtel. Da die Zahl der Tageseinsätze laufend steigt, könnte es zu einer Aufstockung der hauptamtlichen Abteilung kommen, glaubt der Feuerwehrchef.

Wachtel hält jedoch an dem Grundsatz fest, dass Norderstedt keine Berufsfeuerwehr wie andere Städte in dieser Größenordnung braucht. Die Männer und Frauen der vier freiwilligen Wehren seien hochmotiviert und in der Lage, ohne eine Berufsfeuerwehr alle Einsätze zu bewältigen. „Wir können das genauso gut“, sagt der Gemeindewehrführer.

Außerdem profitiere die Stadt von dem einzigartigen Modell, den Brandschutz einer großen Stadt weitgehend mit Ehrenamtlern sicherzustellen, weil die hohen Personalkosten für eine Berufsfeuerwehr entfallen.

Wachtel will sich in seiner Amtszeit außerdem für mehr Transparenz einsetzen – nach innen und nach außen. Dazu gehören schnelle Informationen über Vorgänge innerhalb der Feuerwehr genauso wie eine moderne Öffentlichkeitsarbeit. Drei der vier Norderstedter Ortswehren sind bereits mit einer eigenen Fanpage bei Facebook im Internet präsent.

Um die Norderstedter Feuerwehr für neue Aufgabe zu rüsten, stehen in diesem Jahr hohe Investitionen an. Die freiwillige Feuerwehr Harksheide erhält ein neues Drehleiterfahrzeug im Wert von 650.000 Euro. Außerdem schafft die Stadt für die Wehren zwei Hilfeleistungslöschfahrzeuge für je 450.000 Euro und ein Löschfahrzeug für 350.000 Euro an. Die Fahrzeuge ersetzen ältere Modelle, die ausgemustert werden.

Abgeschlossen sind mittlerweile die Vorbereitungen der Feuerwehr für neue Einsatzlagen. In den Alarmplan wurde der Fall „Polizeilage“ aufgenommen, der beispielsweise bei einem Amoklauf ausgelöst werden könnte. Der Plan sieht vor, schnell genügend Personal und Material für Evakuierungen oder die Versorgung von Verletzten bereitzustellen, ohne dass sich Feuerwehrleute in direkte Gefahr begeben. Das bedeutet beispielsweise, dass die Fahrzeugbesatzungen Kontakt mit der Einsatzleitung der Polizei aufnehmen, bevor sie direkt den Tatort ansteuern.

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