Norderstedt
Nahverkehr

Busverkehr im Kreis wird weiter ausgebaut

Mit mehr als 600.000 Fahrgästen im Jahr sind die Busse der Linie 7550 die am meisten genutzten im Kreis Segeberg

Mit mehr als 600.000 Fahrgästen im Jahr sind die Busse der Linie 7550 die am meisten genutzten im Kreis Segeberg

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Künftig fährt die Linie 7550 auch spätabends zwischen Norderstedt und Bad Segeberg. Kreisverwaltung rechnet mit Kosten von 62.000 Euro.

Norderstedt.  Das wird insbesondere die Nachtschwärmer und Theaterfreunde in Norderstedt und den Umlandgemeinden freuen. Die Busse der Linie 7550, die vom U-Bahn-Bahnhof Ochsenzoll die Bundesstraße 432 entlang in einer Stunde bis nach Bad Segeberg fahren und dabei den südlichen Teil von Harksheide und Glashütte mit acht Haltestellen in Norderstedt sowie die Dörfer Kayhude, Nahe, Itzstedt, Oering, Borstel, Groß Niendorf, Leezen, Krems I und Mözen bis zu 24-mal am Tag ansteuern, sollen demnächst auch in den späten Abendstunden unterwegs sein. In der Woche soll künftig der letzte Bus um Mitternacht in Richtung Kreisstadt fahren, am Wochenende sogar erst um 1.13 Uhr. Umgesetzt werden soll das neue Angebot zum Fahrplanwechsel im Dezember.

„Die Linie 7550 ist die am meisten genutzte Regionalbuslinie im Kreis Segeberg“, sagt der Nahverkehrsexperte Claudius Mozer von der Südwestholstein Verkehrsservice Gesellschaft (SVG) mit Sitz in Norderstedt, die seit etwa 15 Jahren den gesamten Busverkehr im Kreis Segeberg koordiniert. Etwa 600.000 Fahrgäste, vor allem Schüler, Berufspendler, Shopping- und Freizeitnutzer, waren te nach Mozers Angaben in dieser Buslinie im Jahr 2015 unterwegs. „Wir wollen sie jetzt noch attraktiver machen und die vorhandenen Lücken schließen.“

Dafür fehlten an den Wochentagen nach 21.15 Uhr zwei Fahrten von Bad Segeberg nach Norderstedt. Vom U-Bahnhof Ochsenzoll fährt zurzeit der letzte 7550er-Bus um 22.23 Uhr in Richtung Segeberg los. Freitag- und Sonnabendnacht ist dies um 0.13 Uhr der Fall. „Dadurch ist für viele Bürger die Teilnahme am regen kulturellen und politischen Leben in der Kreisstadt sowie in Hamburg und Norderstedt massiv eingeschränkt, wenn sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen wollen“, betont Mozer.

Kreis rechnet mit Mehrkosten von 62.000 Euro

Der Verkehrsausschuss des Segeberger Kreistages hat ihn beauftragt, bis zur nächsten Sitzung im Juni dieses Zusatzangebot zu überprüfen und mit aktuellen Daten zu berechnen mit dem Ziel, es im Dezember umzusetzen. Der Kreis rechnet mit Mehrkosten von 62.000 Euro. Mit dem zusätzlichen 1.13-Uhr-Angebot mit dann jeweils zwei zusätzlichen Busfahrten in beide Richtungen wird es nach Mozers Einschätzung bis zu rund 80.000 Euro mehr kosten können.

Möglich machen diese Initiative für ein besseren Busangebot im Kreis Segeberg, die bereits im vierten Regionalen Nahverkehrsplan 2014 bis 2018 aufgeführt ist, zusätzliche Einnahmen vom Land für den Nahverkehr. „Der finanzielle Spielraum für den Kreis Segeberg wird größer. Das wollen wir ausnutzen“, sagt Mozer. So würde das Land Schleswig-Holstein vom nächsten Jahr an fünf Millionen Euro mehr Bundesmittel erhalten, die landesweit in die Verbesserung des Busverkehrs gesteckt werden sollen.

An den Kreis Segeberg, der zurzeit jährlich 3,2 Millionen Euro in den Bus- und Schienenverkehr (U1) steckt, dürfte davon „eine niedrige sechsstellige Summe“ fließen, ist Mozer überzeugt. „Diese Spielräume, die vorgestern noch nicht da waren, wollen wir für die Bevölkerung nutzen, damit sie auch ohne Auto mobiler sein können.“ Im morgendlichen und nachmittäglichen Berufs- und Schülerverkehr sei die Linie 7550 bereits mit einem halbstündigen Takt gut aufgestellt. „Im Freizeitverkehr können wir noch besser werden.“

Damit nicht genug. Auch in Hen­stedt-Ulzburg und Wahlstedt soll der Busverkehr verbessert werden. So hat der Kreis Segeberg die SVG beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, wie das ÖPNV-Angebot in der nördlichen Großgemeinde verbessert werden könnte, das dann spätestens 2021 umgesetzt werden soll, wenn die AKN-Strecke zwischen Kaltenkirchen – Ulzburg und Eidelstedt zur S-Bahn-21 elektrifiziert ist. Mozer: „In Henstedt-Ulzburg sind die Straßen durch den Autoverkehr total überlastet.“ Mit Hilfe von Fördergeld aus der Aktivregion könnte ein intelligentes Busverkehrsnetz den Individualverkehr erheblich entlasten. „Das werden wir jetzt analysieren und der Gemeinde und dem Kreis entsprechende Vorschläge machen.“

Und in Wahlstedt soll endlich der Bahnhof mit einem öffentlichen Bus zu erreichen sein, erklärt SVG-Chef Mozer. Auch dafür soll er ein Gutachten erstellen. Geplant ist sogar, dort den landesweit ersten selbstfahrenden Omnibus verkehren zu lassen. „Das ist bislang noch nicht erlaubt“, erklärt Mozer. „Dafür müssten wir dann eine Sondergenehmigung beantragen.“