Norderstedt
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Prozess: Schlägerei um ein Taxi

Zur Tatzeit hatte der Zeuge 1,78 Promille Alkohol intus

Zur Tatzeit hatte der Zeuge 1,78 Promille Alkohol intus

Foto: Michael Rauhe

Angeklagter muss Schmerzensgeld und Anwaltskosten des Opfers zahlen. Täter und Opfer geben sich am Ende die Hand.

Norderstedt.  Wessen 30. Geburtstag so massiv gefeiert wurde, kam im Amtsgericht Norderstedt nicht zur Sprache. Fest steht, dass immerhin 100 Gäste gratulierten und sogar ein angemieteter Barkeeper die hochprozentigen Getränke mixte. Sicher war nur, dass es zu fortgeschrittener Stunde unter dem mehr oder weniger alkoholisierten Partyvolk eine handfeste Auseinandersetzung gab, um deren strafrechtliche Aufklärung sich Amtsrichter Dr. Lohmann bemühte. Körperverletzung warf die Staatsanwaltschaft Dennis H. (Name geändert) vor.

Laut Anklage hat der Angeklagte einem Partgänger im Dezember 2015 in Henstedt-Ulzburg dreimal unvermittelt ins Gesicht geschlagen. „Ich bestreite den Tatvorwurf ganz entschieden“, sagte der 31-Jährige entrüstet. Er hätte damals „reichlich getankt“, und stockdunkel war es auch, aber gleich dreimal zugeschlagen? „Niemals“, beteuerte Dennis H.

Er habe zur frühen Morgenstunde ein Taxi rufen lassen und mit seiner Freundin vor der Haustür gewartet. Als der Wagen endlich kam, hätte sich nach seinen Angaben ein Partygast nach vorn gedrängt und ihn mit den Worten „Das ist mein Taxi“ den Wagen streitig gemacht. „Ich habe den Mann“, erklärte der Angeklagte im Brustton der Überzeugung, „nur zur Seite geschubst“.

Angeklagter und Opfer geben sich am Ende die Hand

Der Zeugenauftritt des einstigen Kontrahenten sollte Licht ins diffuse Halbdunkel des Partymorgens bringen. Er habe beim Barkeeper auf seinen Namen ein Taxi bestellt und sei überrascht gewesen, als sich der Angeklagte vorgedrängelt habe, erinnerte sich der 28-Jährige. Gleich dreimal sei ihm „eine geknallt“ worden. Folge der Faustschläge waren ein angebrochener Zahn, aufgeplatzte Lippen und Kopfschmerzen. Die Reparatur des lädierten Zahnes sei noch nicht abgeschlossen, erklärte der Anwalt des Zeugen als Nebenkläger. Zur Tatzeit hatte der Zeuge 1,78 Promille Alkohol intus.

Nüchtern bilanzierte der Amtsrichter: „Einer von beiden hat hier und heute gelogen.“ Um das Strafverfahren mit weiteren Zeugen nicht unnötig in die Länge zu ziehen, bat er alle Beteiligten eindringlich, sich gütlich zu einigen. Daraufhin erklärte der Angeklagte, es tue ihm leid. Wie vom Richter gewünscht, gaben sich Angeklagter und Zeuge demonstrativ als Zeichen der Versöhnung die Hand. Der Amtsrichter stellte das Verfahren unter Auflagen wegen Geringfügigkeit ein. So hat der Angeklagte 500 Euro Schmerzensgeld an den Zeugen zu zahlen und muss außerdem die Anwaltskosten des Nebenklägers übernehmen. Der Zeuge erinnert sich bis heute gern an die Feierlichkeit: „Es war“, bilanzierte er auf dem Gerichtsflur, „eine gute Party“.