Norderstedt
Bad Segeberg

Trampen, aber keine Lust aufs Rumstehen? Ab auf die Bank

Bad Segeberg hat jetzt drei Mitfahrbänke, alle stehen in der Südstadt. Initiiert hat die Bänke der Segeberger Michael Ehlers

Bad Segeberg hat jetzt drei Mitfahrbänke, alle stehen in der Südstadt. Initiiert hat die Bänke der Segeberger Michael Ehlers

Foto: Helge Buttkereit

In Bad Segeberg warten drei Mitfahrbänke auf Nutzer. Wer sich dort hinsetzt, kann sich von registrierten Fahrern mitnehmen lassen.

Bad Segeberg.  Diese Form des Trampens ist etwas für Senioren. Nicht mehr an der Straße stehen und Daumen raus, sondern auf der Bank sitzen und warten, dass jemand anhält. So ist sie gedacht, die Mitfahrbank. Michael Ehlers aus Bad Segeberg hat gleich drei davon in der Segeberger Südstadt aufgestellt. „Die Idee kam mir, als ich eine alte Frau mit ihrem Rollator durch den Regen gehen sah. ,Warum nehme ich sie nicht einfach mit?’, habe ich mich gefragt.“

Er hat es dann doch nicht gemacht, sie hätte es falsch verstehen können. Aber die Begegnung regte ihn zum Nachdenken an, und im Gespräch mit Bekannten und Freunden ist er nach eigener Aussage auf die Idee der Mitfahrbänke gebracht worden.

Best Practice-Beispiel für den demographischen Wandel

„Mitfahrbänke gibt es in ganz Deutschland“, hat Ehlers nach einer kurzen Recherche im Internet erfahren. In Schleswig-Holstein stehen beispielsweise in Osdorf bei Kiel, in Hürup bei Flensburg, in der kleinsten Stadt Deutschlands Arnis an der Schlei, in Padenstedt bei Neumünster oder in Bünsdorf zwischen Eckernförde und Rendsburg solche Bänke. Zuweilen heißen sie leicht verändert „Mitfahrerbank“, und an manchen Orten können die Mitfahrer ihren potenziellen Chauffeuren per Richtungsschild anzeigen, in welche Richtung es gehen soll. Die Staatskanzlei in Kiel hat die Hüruper Bank, aufgestellt von einem lokalen Verein zur Förderung des Klimaschutzes, als „Best Practice“-Beispiel für den demographischen Wandel gewürdigt.

Bisher stehen die Bänke vor allem auf dem Land, an Orten mit schlechten Busanbindungen. Bad Segeberg fällt da aus der Reihe, hat sogar einen Stadtbus, dessen Existenz allerdings aus Kostengründen gefährdet ist. So kommt das neue Mobilitätsprojekt vielleicht gerade zur rechten Zeit, auch wenn Ehlers hofft, dass der Stadtbus auch künftig weiter fährt.

Wer kein Auto hat, kann sich hier hinsetzen und warten

Finanziert wurden die Mitfahrbänke in Bad Segeberg über den Beirat, der seit drei Jahren im Rahmen der Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ existiert. Drei Bänke wurden gekauft, vom Bauhof der Stadt gestrichen und von Freiwilligen sowie der Kirchengemeinde aufgestellt. Jetzt kann es losgehen. Die weiße Aufschrift auf dem obersten Balken aller drei Bänke lädt ein: „Mitfahrbank“. Wer kein Auto hat, kann sich hier hinsetzen und auf einen freundlichen Fahrer warten, der ihn mitnimmt. Wie beim Trampen eben. Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings. Die Fahrer müssen sich registrieren lassen. „Das gibt dem Ganzen noch mehr Sicherheit“, sagt Initiator Ehlers.

Wer als Fahrer mitmachen will, muss Führerschein, Fahrzeugschein und Personalausweis mitbringen und unterschreiben, dass er keine Minderjährigen mitnimmt. Auch das aus Sicherheitsgründen. Viele Fahrer gibt es noch nicht, die neue Idee muss sich erst einmal noch herumsprechen. Ob es bereits Fahrten gegeben hat, kann Michael Ehlers nicht sagen, er selbst fährt derzeit, wenn er unterwegs ist, alle drei Bänke ab. „Ich schaue immer, ob sie noch stehen oder ob jemand drauf sitzt“, sagt er. Mitgenommen habe er noch niemanden.

Eine Pflicht zur Mitnahme gebe es natürlich auch nach der Registrierung nicht, sagt er. Und eine Konkurrenz zum Taxi ist die Bank auch nicht. „Jemand, der sich auf eine Bank setzt, um mitgenommen zu werden, der kann sich gar kein Taxi leisten.“ Nicht nur die Zahl der Fahrer muss in den kommenden Wochen zunehmen, damit das Projekt ein Erfolg wird – Ehlers wünscht sich mindestens 50. Auch die Zahl der Bänke könnte nach seinen Vorstellungen noch steigen.

Denn schließlich wollen die Mitfahrer auch wieder zurück in die Südstadt, derzeit muss die Rückfahrt anders organisiert werden. Für Ehlers sind die drei Bänke Prototypen. Er könnte sich gut vorstellen, dass es in naher Zukunft über die ganze Stadt verteilt solche Bänke geben wird. Anfragen und Ideen für weitere Standorte im Stadtgebiet gebe es bereits. Allerdings müssten dafür andere Fördertöpfe her. Das Programm „Soziale Stadt“, mit dem 1200 Euro für die Bänke locker gemacht werden konnten, gilt nur für die Südstadt.

Ein soziales Projekt ist die Mitfahrbank auf jeden Fall, findet Michael Ehlers. „Es können sich neue Leute kennen lernen, Freundschaften und Fahrgemeinschaften können entstehen“, sagt er. Die Bänke bildeten so auch ein Gegengewicht zur Anonymität der Gesellschaft.

Weitere Informationen, eine Übersicht über die Standorte sowie die Registrierungsmöglichkeiten sind im Internet unter der Adresse www.mitfahrbank-bad-segeberg.de zu finden. Auch auf Facebook ist die Mitfahrbank Bad Segeberg vertreten.