Norderstedt
Prozess

34-Jähriger zeigte den Hitler-Gruß

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Das Amtsgericht Norderstedt verurteilt den Angeklagten zu acht Monaten Freiheitsstrafe.

Norderstedt.  Angeklagt ist Dennis G. (Name von der Redaktion geändert) wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Wer gedacht hätte, vor dem Amtsgericht Norderstedt müsse sich ein strammer Neonazi verantworten, sah sich schnell getäuscht. Gleich zum Prozessbeginn stellte der 34-Jährige klar: "Ich gehöre keiner Partei an, und ich habe auch keine rechte Gesinnung."

Das Problem des Beschuldigten: Dennis G. leidet unter dem Borderline-Syndrom, also an einer Persönlichkeitsstörung, die das Denken, Fühlen und Handeln beeinträchtigt. In Stresssituationen oder bei Alkoholkonsum verliert der psychisch Erkrankte schnell die Kontrolle über sich. Heftige Stimmungsschwankungen gehören ebenfalls zum Krankheitsbild.

Laut Anklage hat der Beschuldigte im vorigen September und Dezember an der Bushaltestelle Rathausallee jeweils mehrfach den Hitler-Gruß gezeigt und dabei jedes Mal "Sieg Heil" geschrien haben. Außerdem soll er einem 20-Jährigen, der vor der Postbank auf einer Parkbank saß, unvermittelt einen Faustschlag ins Gesicht gegeben haben. In allen Fällen war Alkohol im Spiel. "Ich habe daran nur dunkle Erinnerungen", sagte der Angeklagte.

Angeklagter sagt, dass er in der Haft an sich arbeiten wolle

Dennis G. wurde aus der Haft vorgeführt, denn er verbüßt eine viermonatige Freiheitsstrafe, weil er auch in Hamburg den Hitler-Gruß gezeigt hatte. "Bei Depressionen trinke ich. Nach ein paar Bieren schaltet mein Gehirn ab", so der Angeklagte. Er verspüre dann den starken Drang, Leute zu provozieren. Mit Politik hätten seine Taten nichts zu tun.

Seine psychische Erkrankung nahm Dennis G. aber in der Vergangenheit offenbar nicht sonderlich ernst. Mehrere vereinbarte Kliniktermine nahm er nicht wahr – oder aber er hielt Therapien nicht durch. Seinem Klienten, urteilte der Bewährungshelfer, fehle die notwendige innere Struktur, um den Alltag zu bewältigten. Mehrfach vorbestraft, lebe er von Gelegenheitsjobs. Einziger Halt sei seine Freundin, die auf der Zuhörerbank saß. Beide haben einen kleinen Sohn.

"Ich habe viel Unsinn und Blödsinn gemacht. Jetzt will ich ein neues Leben beginnen. In der Haft finde ich Zeit, um an mir zu arbeiten", versprach Dennis G. noch vor dem Urteilspruch. Wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in zwei Fällen und einer versuchten Körperverletzung erhielt der 34-Jährige eine achtmonatige Freiheitsstrafe.

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