Norderstedt

Patricia Kelly: "Oh mein Gott, ich habe die Texte vergessen"

| Lesedauer: 5 Minuten
Frank Knittermeier
Patricia Kelly begeistert die Zuhörer im ausverkauften Saal der Albert-Schweitzer-Kirchengemeinde

Patricia Kelly begeistert die Zuhörer im ausverkauften Saal der Albert-Schweitzer-Kirchengemeinde

Foto: Frank Knittermeier / HA

Fünf junge Leute stellten ein Konzert mit ihrem Idol Patricia Kelly auf die Beine. Ein Höhepunkt war Patricias Version von "Angel".

Norderstedt.  Patricia Kelly steht im schwarz-geblümten Kleid auf der Bühne, lacht und winkt ins Publikum. Bevor sie aber den ersten Ton singt, muss sie ihren Auftritt schon abbrechen. „Oh, mein Gott, ich habe die Noten und Texte vergessen!“, ruft sie. „Wer holt sie mir mal schnell?“ Einer ihrer Techniker macht sich auf den Weg. Die Befürchtung, die Mappe könnte im Hotelzimmer geblieben sein, bewahrheitet sich nicht, sie liegt in der Garderobe. Alles im Lot also, das Konzert kann beginnen. Wie ein Wirbelsturm fegt die Drittälteste aus dem Kelly-Clan über die Bühne im Norderstedter Albert-Schweitzer-Haus am Schulweg, singt schnelle, manchmal leicht angejazzte Titel, Balladen, Bekanntes und Unbekanntes. Das Publikum jubelt vom ersten Ton an.

In der erste Reihe sitzen diejenigen, die dieses Konzert organisiert haben. Hatten Julia Reiners, Claudia Schumann, Nina Castells, Michaela Borgeest und Jens Plöhn, der mit seinen selbst geschriebenen Balladen sogar das Vorprogramm bestreitet darf, zunächst noch leicht wackelige Knie vor Aufregung, so können sie sich jetzt entspannt zurücklehnen und das Konzert genießen. Sie kennen sich von vielen Konzerten der Kelly Family und später von den Solokonzerten der verschiedenen Familienmitglieder.

Irgendwann im vergangenen Jahr hatten sie die Idee, ein Konzert mit Patricia Kelly zu veranstalten (das Abendblatt berichtete). Aber eine echte Kelly für ein Konzert vor der eigenen Haustür zu holen, ist schon ein Abenteuer. Viel Vorarbeit war nötig: Patricia Kelly lässt ihre Auftritte komplett in Eigenregie von Fans organisieren. Keine großen Agenturen werden dazwischen geschaltet, alles ist Handarbeit. Die fünf Veranstaltungslaien stürzten sich in die Arbeit und gingen dabei auch ein Risiko ein, weil sie auch in finanzielle Vorleistung treten mussten. Sie hielten das Risiko aber von Anfang an für durchaus überschaubar, war ihnen doch bewusst, wie groß die allgemeine Verehrung für die Kelly Family und die einzelnen Familienmitglieder auch nach fast 20 Jahren immer noch ist.

Tatsächlich sitzen am Freitagabend im Gemeinderaum der Albert-Schweitzer Kirche viele, viele Kelly-Fans. Den Beweis liefert die Antwort auf eine Frage der Sängerin: „Wer kommt denn zu unseren Konzerten nach Dortmund?“, will Patricia Kelly wissen. Viele Arme gehen in die Höhe. Natürlich auch die der fünf Konzertorganisatoren. In der Dortmunder Westfalenhalle gibt es am 19., 20. und 21. Mai drei Comeback-Konzerte der Kelly Family – alle 36.000 Karten waren innerhalb weniger Minuten verkauft. „Wir stinken nicht mehr, und wir leben auch nicht mehr auf dem Hausboot“, sagt sie augenzwinkernd und weist so darauf hin, wie sehr ihr Familienclan einst das musikalische Deutschland gespalten hat. „Ich glaube, halb Deutschland freut sich, dass wir wieder gemeinsam auftreten, die andere Hälfte aber wohl nicht.“ Sie lässt durchblicken, dass es eine große Freude für sie ist, wieder mit ihren Geschwistern aufzutreten.

Patricia Kelly kommuniziert munter mit dem Publikum, lässt auch Fragen zu. „Trittst du auch mal bei Florian Silbereisen auf?“, will ein Fan wissen. Das hält sie nicht für ausgeschlossen und fügt gleich hinzu, dass sie den Sänger und Moderator kürzlich zusammen mit ihrem Sohn in der Garderobe besucht hat. Sehr nett sei er gewesen, der Florian.

Die Sängerin und ihre vierköpfige Begleitband liefern ein erstklassiges Konzert. Viele Lieder aus ihrem jüngsten Album „Grace & Kelly“, manche davon mit einem christlichen Hintergrund, aber auch ein paar Family-Songs („No Lies“, „Love, Music and Sun“) sind dabei. Keine gefällige Musik, manches klingt sogar kompliziert, Lieder mit Cello-Begleitung auch leicht atonal. Mitten ins Herz des Publikums trifft Patricias Version des größten Kelly-Hits „An Angel“, bei dem sie sich alleine auf der akustischen Gitarre begleitet. Und spontan können sie und ihre Band auch sein: Als irgendwann aus dem Publikum das ihr unbekannte Wort „Papperlapapp“ fällt, beginnen alle sofort, ein Lied über dieses Wort im Country-Stil zu improvisieren.

Am Freitag kommt Patricias Schwester Maite in die Stadt

Nach dem Konzert zieht sich Patricia Kelly nur kurz zurück, dann steht sie parat, um sich mit ihren Fans zu unterhalten und sich fotografieren zu lassen. Claudia, Nina, Julia, Michaela und Jens sind begeistert: Alles hat perfekt funktioniert.“ Als auch der letzte Besucher das Gebäude verlassen hat, gehen sie zusammen mit Patricia und ihren Musikern in die oberen Gemeinderäume, um sich noch ein bisschen zu unterhalten und den Abend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. „Meet and Greet“ heißt das heute.

Die fünf Organisatoren sehen sich schon am kommenden Freitag wieder: In der „TriBühne“ tritt dann Patricias Schwester Maite Kelly mit ihrer Band auf. Das Konzert ist längst ausverkauft. „Aber rate mal, wer in der erste Reihe sitzt“, sagt Julia Reiners und lacht.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt