Norderstedt
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Aus Langeweile in ein Haus eingestiegen

Zwei Männer standen wegen Wohnungseinbruch vor Gericht  (Symbolbild)

Zwei Männer standen wegen Wohnungseinbruch vor Gericht (Symbolbild)

Foto: McPHOTO / picture alliance / dpa / blickwinkel

Jetzt mussten sich ein 21-Jähriger und eine 35-Jährige wegen Wohnungseinbruchs und Diebstahls vor Gericht verantworten.

Norderstedt/Neumünster.  Ungebetene Gäste mit Brecheisen in den eigenen vier Wänden sind der Albtraum jedes Hausbesitzers. „Wissen sie, wie schockierend so eine Erfahrung für einen Hausherrn ist?“, wollte der Amtsrichter vom Angeklagten wissen. Es war eine rhetorische Frage, denn ein Mann von 21 Jahren und bereits einem Dutzend Jugendstrafen kann diese Erfahrung schwerlich nachvollziehen.

Die hilflose Antwort des Angeklagten: „Es muss wohl schlimm sein.“ Melan C. (Name von der Redaktion geändert) musste sich im Amtsgericht Neumünster wegen Wohnungseinbruch-diebstahls verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus dem südosteuropäischen Zwergstaat Montenegro vor, im August 2016 gemeinsam mit der ebenfalls Angeklagten und einem Komplizen in ein Einfamilienhaus im Stadtteil Glashütte eingestiegen zu sein. Dabei stahlen sie einige wertvolle Schmuckstücke, unter anderem hochwertige Uhren, Ringe und Manschettenknöpfe.

Vor Gericht sitzen jedoch nur Melan C. und eine 35 Jahre alte Frau. Beide wurden aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Die Frau verweigerte jede Aussage. Der dritte Täter muss sich in einem weiteren Prozess verantworten.

Melan C. zeigte sich geständig. Er habe damals furchtbar abgehangen und sich gelangweilt, als nachts der Anruf des Komplizen kam, eine spontane Spritztour zu machen. Dabei habe er gedacht, es gehe um Ware für einen Flohmarkt. Als er ahnte, dass ein Einbruch geplant war, hätten sie schon vor dem Haus gestanden. Der gewaltsame Zutritt ins Haus gelang über ein auf Kipp gestelltes Fenster im ersten Stock. Melan C. gab an, beim Beutezug im Hausinnern nicht dabei gewesen zu sein, dies habe der Komplize besorgt. Warum er überhaupt mitgemacht habe, wollte der Amtsrichter wissen. „Ich weiß es einfach nicht“, gestand der Angeklagte kleinlaut.

Nachbarn beobachteten das ungewöhnliche Treiben

Pech für das Einbruchs-Trio war, dass Nachbarn das ungewöhnliche Treiben in der ruhigen Nebenstraße gegen 2 Uhr nachts beobachtet hatten. Nach einer sofort eingeleiteten Fahndung wurde das Fluchtfahrzeug in der Nähe des Ochsenzoll-Kreisels von Polizisten gestellt. Sichergestellt wurde Goldschmuck sowie Einbruchswerkzeug. Im Wagen saßen drei Leute.

Das Haus, in dem eingebrochen wurde, war damals ungesichert. „Heute habe ich eine Alarmanlage und einen Tresor“, sagte der Hausbesitzer. „In allen Zimmern war das reine Chaos.“ Mehrere Schmuckkästen seien ihm gestohlen worden. Außerdem fehlten bis heute mehrere wertvolle Uhren. Deren Gesamtwert schätzte der 37 Jahre alte Kaufmann auf etwa 80.000 Euro – belegbar durch Zertifikate. Bis heute habe er mehrere Stücke nicht zurückbekommen. Auch die Versicherung zeige sich sehr zurückhaltend, klagte der Zeuge.

In der knapp fünfstündigen Beweisaufnahme konnte der Amtsrichter nicht feststellen, welche aktive Rolle die Mitangeklagte beim Einbruch gespielt hat. Deshalb wurde die 35-jährige Staatenlose – nach dem Prinzip im Zweifel für den Angeklagten – freigesprochen. Für ihre fünfmonatige Untersuchungshaft erhält sie eine Haftentschädigung. Melan C. kassierte wegen des gemeinschaftlichen Wohnungseinbruchdiebstahls eine zehnmonatige Haftstrafe mit Bewährung. Außerdem hat er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Dazu wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.