Norderstedt
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Autoknacker machen Händlern zu schaffen

31 aufgebrochene Volvo-Fahrzeuge und über 150.000 Euro Schaden: Ahmed El Ebrashi, Geschäftsführer von B&E-Automobile vor einem Volvo XC 60

31 aufgebrochene Volvo-Fahrzeuge und über 150.000 Euro Schaden: Ahmed El Ebrashi, Geschäftsführer von B&E-Automobile vor einem Volvo XC 60

Foto: Andreas Burgmayer / HA

150.000 Euro Schaden in nur einer Nacht: Ein Norderstedter Volvo-Händler berichtet über die Zerstörung und Folgen eines Raubzuges.

Norderstedt.  Manche Autoknacker, sagt Volvo-Händler Ahmed El Ebrashi, seien ja noch so nett und würden auf ihren Beutezügen nicht so viel Schaden anrichten. „Die hebeln geschickt die Motorhauben von außen auf und stöpseln die Scheinwerfer einfach aus. Da müssen wir nur Ersatzteile bestellen und einbauen. “ Aber die unbekannten Täter, die in der vergangenen Woche bei ihm auf dem Firmengelände an der Niendorfer Straße an 31 Volvo-Fahrzeugen die Scheinwerfer ausgebaut haben, waren brachial.

Bei jedem einzelnen Wagen – darunter Neuwagen, aber auch gebrauchte Fahrzeuge von Kunden – schlugen sie auf der Fahrerseite die Scheibe ein, um in das Auto zu gelangen. Dann öffneten sie die Motorhaube und bauten in aller Ruhe die Scheinwerfer aus – alles andere interessierte sie nicht. Ein bandenmäßig organisierter Bruch auf Bestellung?

Die Täter schlichen sich nachts durch die Gärten an

Es entstand reichlich Kollateralschaden: Die Täter zerkratzten in den Neuwagen die Türverkleidungen, die Armaturen, Instrumente und Lenkräder. El Ebrashi zeigt auf die ramponierte Fahrerkabine eines nagelneuen Volvo XC 60, Listenpreis etwa 45.000 Euro. „Da muss ich Teile im Wert von 10.000 Euro austauschen lassen, damit ich den noch verkaufen kann.“

Die Täter haben laut Polizei irgendwann zwischen Mittwoch und Donnerstag, 22. und 23. Februar, zugeschlagen, in der Zeit von 18 bis 7.30 Uhr. Ahmed El Ebrashi sagt, die Täter kamen durch die Grünanlagen der Nachbarschaft auf die Wiese hinter seinem Autohaus B&E-Automobile an der Niendorfer Straße, wo die Autos geparkt stehen. „Um die Menge an Diebesgut abtransportieren zu können, müssen die Täter einen Lastwagen benutzt haben“, sagt Polizeisprecherin Silke Westphal. „Nach Spurenlage könnte dieser möglicherweise an der Alten Dorfstraße abgestellt gewesen sein.“

Ahmed El Ebrashi sagt, die Bande ließ die teuren Scheinwerfer von ganz neuen Modellen links liegen. Sie hatten es bevorzugt auf ältere V70-Modelle abgesehen – also Wagen, die häufig und seit Jahren auf den Straßen unterwegs seien und für die viele Leute günstige Ersatzteile suchen. „Meine Scheinwerfer landen bestimmt auf Autoteile-Flohmärkten in Osteuropa oder anderswo“, sagt El Ebrashi. Dort würde quasi fangfrisch Diebesgut verhökert. „Die machen mit den 31 Paar Schweinwerfern vielleicht 10.000 Euro. Und ich sitze auf dem Schaden von mindestens 150.000 Euro.“ Natürlich ist sein Autohaus versichert. Doch mit der Überweisung der Versicherungsleistung für den Einbau von Ersatzteilen sei der ganze Schaden für das Unternehmen durch so einen Diebstahl ja nicht geheilt. „Ich muss jetzt jede Menge sehr unangenehme Telefongespräche führen“, sagt El Ebrashi. Einem Kunden mitzuteilen, dass sich die Auslieferung des Neuwagens oder des reparierten Gebrauchten leider verzögere, weil nun die Seitenscheibe und die Scheinwerfer fehlen, weckt bei diesem nicht gerade Begeisterung. Auch wenn man nichts für den Überfall kann – der Händler steht als Buhmann da.

Ein Einbruch macht aus einem Neuwagen einen Gebrauchten

Hinzu kommt der Wertverlust der Neuwagen. „Wenn die Kunden hören, dass die Wagen mal aufgebrochen und Teile ausgetauscht wurden, dann heißt es immer: Können wir da noch was am Preis machen?“, sagt El Ebrashi. Ganz egal, ob der Wagen komplett neu und keinen Kilometer gefahren ist. Sein Unternehmen käme den Kunden meistens mit Zusatzausstattung oder kostenlosen Inspektionen entgegen – weitere Kosten, die so ein Diebstahl erzeugt. Ganz zu schweigen von den Nachzahlungen an die Versicherung. „Denn die holt sich den Schaden ja über die Beiträge wieder zurück.“

Sich gegen die Autoknacker wirksam zu schützen, sei so gut wie unmöglich in seiner Lage. „Sicherheitsdienst? Zu teuer. Ein Zaun um die Wiese interessiert die Diebe nicht. Und wenn ich Scheinwerfer montiere und Bewegungsmelder, beschweren sich die Nachbarn, die hier ringsherum wohnen, weil nachts eine Katze das Licht auslöst und alles taghell ist.“

Nein, es bleibt Ahmed El Ebrashi nichts anderes übrig als seinen Ersatzteile-Händler anzurufen. „Als der was von 31 Scheinwerfern und vielen kaputten Armaturen hörte, kam der sofort zum Termin vorbei.“ Es winkt ein lukrativer Auftrag.

In Norderstedt und im Kreis Segeberg kommt es regelmäßig zu vergleichbaren Diebstählen bei Autohändlern. In der Kriminalstatistik des Landes Schleswig-Holstein werden für das Jahr 2016 landesweit 11.441 Diebstähle an und im Auto aufgeführt. Die Zahlen sind seit 2007 rückläufig, damals waren es noch über 21.000 Fälle. Die Aufklärungsquote ist gering. In 910 Fällen wurden 2016 Täter ermittelt, eine Quote von 8 Prozent und damit deutlich über den Vorjahren (5 bis 7 Prozent).

Nachbarn oder Passanten des Garstedter Autohauses werden aufgefordert, verdächtige Beobachtungen bei der Kripo Norderstedt unter 040/52 80 60 zu melden.