Norderstedt
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Theater: Warum Gott Alimente zahlen soll

Gott (Ralf Janz) umgarnt Maria (Nadine Carstensen)

Gott (Ralf Janz) umgarnt Maria (Nadine Carstensen)

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Amateurtheater Pur spielt die Kishon-Komödie „Der Vaterschaftsprozess des Zimmermann Joseph“ im Norderstedter Kulturwerk.

Norderstedt.  „Vater unser, der du bist im Himmel“. Doch wer Vater ist, soll auch Alimente zahlen. Auch Gott. Zumindest für seinen Sohn Jesus. Den er Maria und Joseph Zimmermann untergeschoben hat. Joseph zieht vor Gericht. Und es entspinnt sich ein zwei- bis dreideutiger Prozess, den der Satiriker Ephraim Kishon aufgeschrieben hat. Das Norderstedter Amateurtheater Pur spielt die Komödie jetzt im Kulturwerk. Die Premiere ist gelungen.

Der Stoff setzt viele Fantasien frei, und das Team um Regisseurin Burga Jonas nützte das weidlich. Als Ouvertüre erklingt das „Ave Maria“, der Heilige Geist schlurft mit einem Orgel-Präludium von Johann Sebastian Bach und Ikea-Tüte durch den Saal, Johannes wird von Elvis Presley und „The Great Pretender“ begleitet, Lukas von Richard Wagner, und zum Schluss erklingt „I’m In Heaven“.

Die Kostüme erfüllen jedes Klischee. Gott ist ein alter Mann mit Rauschebart, Maria hat ein rotes Kleid mit blauem Umhang an, Erzengel Gabriel wird von riesigen Flügeln umflattert, und der Teufel trägt Prada in Schwarz und Rot. Richterin, Gerichtsdienerin und Anwältinnen sind von heute, was dem Stoff zusätzlich Brisanz gibt.

Das Pur-Team spielt die Geschichte mit gedrosseltem Tempo, damit auch die hintersinnigen Pointen wirken können. Gott hat Regisseurin Burga Jonas eine Punklady zur Seite gestellt. Yvonne Fröhlich spielt mit zupackendem Charme. Ihre Gegnerin ist Ramona Hubrich als arrogante Anwältin Jahel Rosch. Ricarda Mallée kristallisiert die überforderte Seite der Richterin heraus, die zudem von der Gerichtsdienerin, eine urkomische Jutta Schmidt-Scherlitzki, bevormundet wird.

Nadine Carstensen darf als Maria auch mal rumzicken, Joseph mufft und kehrt den Proll raus, Sarah Goerigk spielt einen beleidigten Geist, Julia Grünke ist einmal ein frecher Erzengel Gabriel, dann der durchtriebene Teufel, und Ralf Janz hat in Gott mal wieder eine Paraderolle gefunden, in der er so richtig aufdrehen kann.

„Der Vaterschaftsprozess des Zimmermann Joseph“, Sonnabend und Sonntag, 4. und 5. März, 19 Uhr, Kulturwerk, Am Kulturwerk 1. Karten zu 7,50 Euro im Vorverkauf, unter Tel. 040/60 94 17 57 und an der Abendkasse.