Norderstedt
NZ-Regional

Das Intermezzo des Amsel-Manns

Er ist wieder da. „Ddackderrigigigi duck duck“, sagt er, schaut mich misstrauisch an und kotet in meinen Balkonkasten. Der Amsel-Mann hat den Hinterhof meines Hauses zum Revier deklariert, meinen Balkonkasten zur Singwarte, wie der Ornithologe sagt. Der Amsel-Mann zieht das jedes Frühjahr durch.

„Ddackderrigigigi duck duck“ heißt so viel wie: „Pass mal auf, Digga. Du chillst jetzt mal dein Leben und ich such mir eine knorke Alte und mach auf Family.“ Letztes Jahr hat er keine abgekriegt. Hat sich im Balkonkasten die Amsel-Seele aus dem schwarzen Hälschen gebrüllt und gegen Verkehrslärm und Tatütata angesungen. Zwischendurch hat er sich mit der anderen Dauerbesetzung im Hinterhof angelegt – einem fiesen Elster-Paar mit schlechter Laune. Da fängt der Amsel-Mann immer an zu tixen („TixTixTixTixTixTix!“) und stürzt sich wutentbrannt in die nächstbeste Baumkrone.

Nun geht die Sonne unter. Und der Amsel-Mann zeigt, was er melodisch so drauf hat. Das ist der Teil der Geschichte, in dem ich profitiere von seinem jährlichen Intermezzo. Der Mann kann singen! Besser als der Spatz von Avignon. Gehört in die Elbphilharmonie, das Kerlchen! Und da, wo er immer hinkotet, da wuchs letztes Jahr eine hübsche Blume mit großen weißen Blüten. Mal schauen, was Fauna und Flora in diesem Jahr noch so auf dem Balkon hinbekommen. Willkommen zurück, kleiner Schreihals.