Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Orchester: Wie die Chinesen nach Europa kamen

Foto: Per Klümper / HA

Dem Henstedt-Ulzburger Peter H. Thöle ist es zu verdanken, dass das Nationalorchester seit 20 Jahren auch in Deutschland auftritt.

Henstedt-Ulzburg.  Das chinesische Nationalorchester wurde 1960 ins Leben gerufen und ist in China die unbestrittene Autorität für traditionelle Musik. Seit 1998 ist es auch regelmäßig in Europa zu hören. Zum Beispiel am heutigen Mittwoch in der Hamburger Laeiszhalle – und das ist einem Henstedt-Ulzburger zu verdanken. Peter H. Thöle hatte vor 20 Jahren die Idee, in vielen Ländern dieses Kontinents ein chinesisches Neujahrskonzert zu veranstalten.

Vier Jahre berufliche Tätigkeit in China haben Peter H. Thöle die Augen und vor allem auch die Ohren für chinesische Kultur geöffnet. Aber die Idee, diese Musik nach Europa zu transportieren, ist ihm in einem ganz anderen Umfeld gekommen: In Wien traf er vor etwa 20 Jahren einen chinesischen Kollegen – Thöle hat lange als Airline-Manager gearbeitet und leitet heute einen Airline Consulting Service –, und der Vater des Kollegen leitete in Peking eine Konzertagentur. Vater und Sohn hatten die Idee, heimatliche Neujahrskonzerte in Europa zu veranstalten, Peter H. Thöle war sofort Feuer und Flamme, leitete in Wien Gespräche mit dem damaligen Staatspräsidenten und dem Bürgermeister ein, um sie für die Pläne einzunehmen. Mit Erfolg: 1998 trat das Nationalorchester Chinas erstmals im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins auf. Ungewohnte Klänge also im traditionellen Saal, wo auch das Wiener Neujahrskonzert stattfindet. „Das war aufregend“, erinnert sich der Henstedt-Ulzburger. „Aber wir hatten eine gute Presse, Rundfunk und Fernsehen berichteten darüber.“

Seitdem läuft es: Peter H. Thöle besorgte weitere Auftrittsmöglichkeiten, kümmerte sich um Marketing und Promotion, veranstaltete Pressekonferenzen und trat bei vielen Konzerten auch als Moderator auf die Bühne. So ist es bis heute geblieben: Inzwischen sind vier Orchester aus China auf Reisen, um in den unterschiedlichsten Ländern Neujahrskonzerte zu geben. 30 Konzerte in dieser Saison, im kommenden Jahr sollen es noch mehr werden. Dann sollen auch Russland und einige baltische Staaten in die Tourneepläne aufgenommen werden. In Deutschland wird zum Beispiel in der Dresdner Semperoper, in der Berliner Philharmonie, bei den Musikfestspielen Saar in Saarbrücken und in Hamburg gespielt.

Henstedt-Ulzburgs stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth von Bressensdorf begleitete Peter H. Thöle kürzlich zum zweiten Mal zu einem Konzert auf das Gut Varrel in Stuhr (Landkreis Diepholz), wo das chinesische Staatsorchester seit 2005 regelmäßig gastiert. Im vergangenen Jahr war sie noch mit gemischten Gefühlen angereist, inzwischen kann sie mit den Klangfarben des Orchesters, in dem bis auf Celli und Bässe nur chinesische Instrumente zum Einsatz kommen, viel anfangen. Was sie als Ehrengast der Veranstaltung zu hören bekam, war „schön“, aber nicht traditionell. Komponist Liu Wenjin hat gelernt, die für westliche Ohren oft schrill und aggressiv klingende Musik dem westlichen Musikgeschmack anzupassen.

Peter H. Thöle weiß, dass ausgerechnet Mao Tse-tung angeordnet hat, traditionelle, bis dahin nur mündlich überlieferte chinesische Musik niederzuschreiben. „Er hat dafür gesorgt, dass in jeder Provinz Orchester gegründet und Arrangements für sie geschrieben wurden“, sagt der Henstedt-Ulzburger, der den Konzertbesuchern Erklärungen gibt und zu den vorgetragenen Stücken Fabeln erzählt.

Das große chinesische Neujahrskonzert mit dem Guangdong National Orchestra of China beginnt heute um 20 Uhr in der Laeiszhalle Hamburg. Tickets gibt es ab 16 Euro.