Norderstedt
Einbruchsprävention

Mit dem Innenminister auf Streife in Norderstedt

Bereit zum Ausschwärmen: Innenminister Stefan Studt mit den Polizeibeamten Anna Maywald und Jörg Mangelmann

Bereit zum Ausschwärmen: Innenminister Stefan Studt mit den Polizeibeamten Anna Maywald und Jörg Mangelmann

Foto: Polizei Segeberg

Innenminister Stefan Studt suchte mit Polizeibeamten in Glashütte Hausherren auf, die Einbrecher geradezu einladen.

Norderstedt.  Für manchen Norderstedter Hausbesitzer in Glashütte war das am Montag etwas verwirrend. „Einmal klingelten wir an einer Tür und ein Herr öffnete, der gerade seinen Mittagsschlaf gemacht hatte“, sagt Nico Möller, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg. Der Mann staunte nicht schlecht über jene Gruppe, die er da auf der Fußmatte stehen hatte, bestehend aus Beamten des Norderstedter Polizeireviers und dem schleswig-holsteinischen Innenminister Stefan Studt.

Die Polizisten und ihr oberster Dienstherr waren nicht gekommen, weil etwas passiert war. Sondern weil sie den Herrn und andere Norderstedter daran erinnern wollten, was jeder Bürger tun kann, damit es Einbrecher nicht so leicht haben in der Stadt. Präventionsstreifen nennt die Polizei das. „Wir haben fünf Teams aus je zwei Polizeibeamten gebildet und die ganze Stadt abgegrast“, sagt Nico Möller. In Mitte, Garstedt, Harksheide, Friedrichsgabe und Glashütte waren die Beamten vor den Haustüren und den Grundstücken der Bürger unterwegs. Innenminister Studt – in Regenjacke und mit Baseballcap – begleitete die Beamten zwei Stunden lang in Glashütte. Nicht jeder Bürger erkannte den Minister. Nico Möller: „Je nach Bürger kam es zu langen oder kurzen Gesprächen zum Thema Einbrüche.“

Und in der Tat gibt es da in Norderstedt erheblichen Gesprächsbedarf. Zwischen September 2016 und heute zählte das Polizeirevier Norderstedt 154 Einbrüche in der Stadt. 154-mal wurden Norderstedter zu Opfern, sie erlebten den Schock, sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu fühlen. „Die psychischen Spätfolgen eines Einbruchs wiegen für die Opfer schwer. Das hinterlässt Spuren der Angst. Deswegen ist jeder Einbruch einer zu viel“, sagt Nico Möller.

In Norderstedt trafen die Beamten auf Menschen, die bereits Opfer von Einbrüchen waren oder in ständiger Angst davor leben. „Manche sagten, sie dächten über einen Umzug nach. Andere versuchen, es den Einbrechern mit massivem Einbruchsschutz, etwa Rollläden, so schwer wie möglich zu machen“, sagt Möller.

Andere wiederum verkennen aus Leichtsinn die gefährliche Situation, in der sie sich durch Unachtsamkeit befinden. Die fünf Polizeistreifen stoßen im Verlauf des Tages auf etliche Sicherheitsrisiken. Drei Haustüren waren unverschlossen, bei zweien steckte sogar der Haustürschlüssel von außen – eine grob fahrlässige Einladung für Gelegenheitseinbrecher. In 20 Fällen standen Garagen oder Schuppen offen, darin „frei zugängliche Wertgegenstände“, wie es die Beamten bezeichnen, also hochwertige Gartengeräte oder Werkzeuge. In 20 Haushalten stießen die Beamten auf Fenster in Kippstellung, obwohl zum Zeitpunkt des Besuches niemand zu Hause war.

Besonders einladend muss es auf Einbrecher wirken, wenn die Hausbesitzer potenzielles Einbruchswerkzeug gleich bereitstellen: An 27 Häusern in Norderstedt standen Leitern völlig ungesichert direkt an den Hauswänden. Und sicherlich finden es Einbrecher, die flüchten müssen, auch ganz gut, wenn ungesicherte Fahrräder auf dem Grundstück bereitstehen – wie in 62 Fällen im Norderstedter Stadtgebiet.

„Wenn die Leute zu Hause waren, haben wir sie direkt auf die Missstände aufmerksam gemacht“, sagt Nico Möller. Wenn nicht, warfen die Beamten einen Hinweiszettel in den Briefkasten. Insgesamt ziehen die Präventionsstreifen ein positives Fazit von der Aktion in Norderstedt. Möller: „Die Resonanz der Bürger war durchweg gut. Die Bürger begrüßen, dass wir das Thema in dieser Form aufgreifen. Und viele wollten ihre Meinung zum Thema loswerden. Ich hoffe, dass sich das herumspricht in der Stadt.“

Für Innenminister Stefan Studt ist der beste Einbruchsschutz eine funktionierende und wachsame Nachbarschaft: „Wichtig ist, dass die Bürgerinnen und Bürger der Polizei helfen und auffällige Beobachtungen, die sie in ihrer Wohnumgebung machen, sofort über 110 melden.“ Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2016 für das Land Schleswig-Holstein verwies Studt auf die sichtbaren Erfolge der Polizei im Kampf gegen die Einbruchskriminalität. 2016 war ein Rückgang um 8,8 Prozent auf 7711 Einbrüche zu verzeichnen. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote von 8,9 Prozent auf 11,2 Prozent gestiegen. „Das ist eine klare Trendwende. Unser polizeiliches Konzept zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls trägt Früchte. Durch intensive Ermittlungsarbeit, verstärkte Präsenz, umfangreiche Präventionsarbeit und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit gelingt es immer häufiger, Einbrecher dingfest zu machen oder sie von der Tat abzuhalten“, sagte Studt.

Er erinnerte an das von seinem Ministerium aufgelegte Förderprogramm. Bis 2018 stehen 1,6 Millionen Euro bereit. Wer stabilere Türen und Fenster, Gitter, Rollläden oder Alarmanlagen mit moderner Technik einbaut, kann bei der Investitionsbank Schleswig-Holsteinen einen Zuschuss von 20 Prozent erhalten – maximal 1600 Euro. Allerdings muss eine Maßnahme mindestens 2000 Euro kosten. Wie wirksam solche Schutzmaßnahmen sind, zeige sich laut Studt daran, dass der Anteil der versuchten Einbruchsdelikte 2016 auf 45,4 Prozent (2015: 41,2 Prozent) gestiegen ist.

Von der Opposition im Kieler Landtag bekam Studt für seine Bilanz keinen Beifall: „Wenn der Innenminister das lange bekannte Problem nicht immer wieder verharmlost hätte, könnten wir schon viel weiter sein. Der Wohnungseinbruch muss ganzjährig und nicht saisonal bekämpft werden“, teilt Axel Bernstein, Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Segeberg-Ost und polizeipolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, mit. Und trotz der Ermittlungserfolge der Polizei sei es nicht hinnehmbar, dass weiterhin fast 90 Prozent aller Wohnungseinbrüche unaufgeklärt blieben.