Norderstedt
Norderstedt

So schlecht gepflegt sind die öffentlichen Toiletten

Das WC am ZOB in Norderstedt-Mitte sollte man nur im Notfall benutzen. Viele Menschen erleichtern sich auf den Treppen der Parkhäuser

Das WC am ZOB in Norderstedt-Mitte sollte man nur im Notfall benutzen. Viele Menschen erleichtern sich auf den Treppen der Parkhäuser

Foto: Wolfgang Klietz

Die Norderstedt-Redaktion des Abendblatts hat sich die städtischen WCs angesehen und zieht Vergleiche zu einem Besuch im Jahr 2013.

Norderstedt.  Die Nase erkennt das Problem gnadenlos. Wer in Norderstedt-Mitte über eine Treppe eine der vielen Tiefgaragen verlässt, ist dem Geruch schutzlos ausgeliefert. Es stinkt penetrant nach Urin. Viele Mauerecken und Nischen sind gezeichnet vom Missbrauch der Aufgänge als Toiletten. Doch warum erleichtern sich Menschen in zugigen Parkhäusern? Vermutlich, weil die öffentlichen Toiletten in Norderstedt-Mitte kaum einladender sind.

Die Norderstedt-Redaktion des Abendblatts hat sich die städtischen WCs angesehen und zieht Vergleiche zu einem Besuch im Jahr 2013.

Norderstedt-Mitte: Diese Toilette im Süden des Busbahnhofs ist nur im Notfall zu empfehlen, wenn sie denn überhaupt geöffnet ist. Nach Vandalismus oder groben Verschmutzungen blieb das WC auf dem ZOB-Gelände verschlossen. Diesmal ist es geöffnet. Übler Geruch schlägt dem Besucher entgegen, die Temperaturen dürfen knapp über null Grad liegen. Die Wände der Kabinen sind mit Farbstiften beschmiert, Seife und Handtücher fehlen. 2013 lautete die Bilanz kurz und bündig: „Norderstedt-Mitte ist derzeit defekt und geschlossen.“

Garstedt: Monatelang drang ein erbärmlicher Gestank aus dem WC auf dem ZOB. Die Tür stand offen, weil der Schließriegel fehlte. Vor wenigen Tagen reparierte ein Techniker die Anlage und verstärkte die Tür. Selbst durch kraftvolles Rütteln lässt sie sich kaum noch öffnen, wenn man nicht 30 Cent in den kleinen Schlitz in der Wand neben der Klinke einwirft. Die Einrichtung wirkt halbwegs sauber. Wasserhahn und Handtrockner funktionieren.

Vor vier Jahr war die Tür auch schon defekt, drinnen brannte kein Licht. Der Geruch war unangenehm.

Glashütte: Am ZOB ist neben der Behindertentoilette eines von zwei WCs geöffnet. Hinter der Tür mit dem Schild für Männer und Frauen befinden sich zwei Kabinen. Seife und kaltes Wasser sind vorhanden, aber Handtücher fehlen. Der Geruch in den Toiletten hält sich in Grenzen. Die Räume sind eiskalt, aber für dringend fällige Erleichterung brauchbar.

„Völlig ungepflegt“ lautete das Fazit hingegen 2013. Unbekannte hatten den Seifenspender aus der Wand gerissen, zum Abtrocknen der Hände lag eine Rolle Klopapier bereit.

Harksheider Markt: 50 Cent kostet die Nutzung der öffentlichen Toilette, eine von zweien ist geöffnet. Das Geld kann der Nutzer sogar sparen, wenn sein Vorgänger den Riegel der bereits geöffneten Tür verschließt, bevor sie wieder ins Schloss fällt. So war es beim Besuch des WCs vor wenigen Tagen.

Trockner und Wasserhahn laufen, der Zustand ist okay. Eines hat sich seit 2013 nicht verändert: Die Seife fehlt. Grundsätzlich gilt für alle Toiletten: Papier nicht vergessen.

Auch die Toiletten im Norderstedter Stadtpark stehen jedem Besucher zur Verfügung. Sie sind gebührenfrei und in der Regel tadellos. Selbst bei großen Veranstaltungen gelingt es der Stadtpark GmbH, für einen passablen bis guten Zustand zu sorgen.

Neue Konzepte für Toiletten gibt es in Norderstedt nicht

Die öffentliche Toilette auf dem Parkplatz zwischen Ochsenzoll-Kreisel und Schmuggelsteig ist komplett verschwunden – vermutlich aus gutem Grund. „Schlimm“ lautete die Beurteilung vor vier Jahren.

Mit Blick auf die Toilette in Norderstedt-Mitte spricht auch Quartiersmanager Christian Behrendt von einem Ärgernis und kündigt an, darüber mit der Stadtverwaltung zu sprechen. Das Problem sei bekannt, Behrendt will aber auf einseitige Schuldzuweisungen in Richtung Rathaus verzichten: „Die Stadt kann nicht überall sein.“

Neue Konzepte für die Toiletten gebe es in Norderstedt nicht, sagt Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Die Anlage werde täglich außer sonntags zweimal gereinigt und sei erst im November neu gestrichen worden. „Besonders problematisch“ sei die Zeit ohne Reinigung am Sonntag. Struppek appelliert an die Norderstedter, sich bei groben Verunreinigungen der öffentlichen Toiletten im Rathaus zu melden.

Kaltenkirchen betreibt seit wenigen Monaten die erste öffentliche Toilette, die am Bahnhof eröffnet wurde. Damit soll auch den Bahnfahrern ein Service geboten werden, da in den AKN-Zügen WCs fehlen.

Ansonsten setzt die Stadt auf die Aktion „Nette Toilette“. Gastronomen, Geschäftsleute und die Stadtverwaltung stellen ihre Toiletten für Besucher kostenlos zur Verfügung und weisen mit Aufklebern an den Eingangstüren darauf hin. In Norderstedt war die Einführung der „Netten Toilette“ vor fünf Jahren gescheitert.

Eine der beiden öffentlichen Toiletten Henstedt-Ulzburgs steht am Bahnhof in der Ortsmitte. Früher konnten Nutzer das einst kostenpflichtige „Örtchen“ häufig nur mit Gummistiefeln betreten, weil die Automatik für die Selbstreinigung außer Kraft gesetzt wurde, indem der Türriegel umgedreht worden war. Die Tür konnte nicht mehr ins Schloss fallen. „Seitdem die Bezahlschranke entfernt wurde, gibt es die Probleme nicht mehr“, sagt Gemeindesprecher Malte Pohlmann. Das zweite öffentliche WC im Bürgerpark werde täglich gereinigt. Am ebenfalls stark frequentierten Bahnhof Ulzburg-Süd fehlt eine öffentliche Toilette. Wiederholt hatten sich Anwohner darüber beklagt, dass Menschen sich in ihre Gärten zurückziehen.

Als gut gilt der Zustand der öffentlichen Toilette in der Innenstadt Bad Bramstedts. Die städtische Einrichtung gegenüber vom Rathaus im Gebäude des Familienbüros wird regelmäßig von städtischen Mitarbeitern und einer Reinigungsfirma geputzt.