Norderstedt
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Musischer Jugendkreis steht vor dem Aus

Das Haus des Musischen Jugendkreises an der Ochsenzoller Straße 134

Das Haus des Musischen Jugendkreises an der Ochsenzoller Straße 134

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Die Politik verweigert Zusammenarbeit mit Skandal geschüttelten Kinderbetreuungs-Verein. Es sei keine Vereinsführung zu erkennen.

Norderstedt.  Diese Entscheidung könnte das Ende für den Musischen Jugendkreis in Norderstedt bedeuten. Einstimmig haben es alle Parteien des Jugendhilfeausschusses abgelehnt, dem Verein die Trägerschaft für eine Kindertagesstätte in Norderstedt zu übertragen. Es sei keine zuverlässige Vereinsführung und -struktur zu erkennen, die ein derartiges Projekt finanziell und organisatorisch durchführen könnte, heißt es in der Kommentierung des Beschlusses.

Der Verein, der seit 50 Jahren Kinder in der Stadt betreut, muss nach einer Räumungsklage seine Einrichtung an der Ochsenzoller Straße 134 verlassen. Vereins-Vorstand Heiko Tank hatte zuletzt im Abendblatt betont, dass der Fortbestand des Jugendkreises vom Projekt „Fuchsbau“ abhängt. Im ehemaligen Restaurant Evento an der Rathausallee sollte die Kita für 70 Kinder entstehen, nach aufwendigem und sehr teurem Umbau. Im Licht der aktuellen Entscheidung wirkt das wie ein aussichtsloser Plan. Denn weder die Politik noch die Verwaltung haben nach den Skandalen und Entwicklungen der letzte Monate rund um den Verein noch Vertrauen in die Einrichtung.

Der ehemalige Vereinsvorsitzende Ulrich Eidecker hatte etwa 40.000 Euro aus der Vereinskasse gestohlen und wurde unter anderem dafür 2016 wegen Untreue vor dem Amtsgericht Norderstedt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Gleichwohl war es Eidecker, der zeitgleich die Neubau-Pläne des Vereins forcierte – sehr zur Empörung der Kommunalpolitik. Erst nach Protesten trat Eidecker als Vorstand zurück und hinterließ einen finanziell angeschlagenen Verein. Ende 2016 spitzte sich die Lage zu. Gläubiger meldeten sich beim Musischen Jugendkreis und forderten die Begleichung unbezahlter Rechnungen. Daraufhin stellte der Verein Insolvenzantrag beim Amtsgericht Norderstedt, der Vorstand des Vereins trat zurück.

„Es herrscht nun endlich Klarheit in der Frage nach einer Zusammenarbeit“, sagt Sozialdezernentin Anette Reinders. „Uns ist bewusst, dass dies auch bedeuten kann, dass der Verein als Kita-ähnliche Einrichtung aufgrund seiner aktuellen Situation nicht weiter machen kann.“ Das soll nicht dazu führen, dass die derzeit etwa 70 betreuten Kinder auf der Straße stehen. „Wir müssen da einen geordneten Übergang hinbekommen, falls der Verein sich auflöst“, sagt Reinders. Die Stadt werde dafür sorgen, dass alle Kinder in anderen Einrichtungen einen Platz bekommen. Auch für die etwa 15 Mitarbeiter werde es neue Jobs geben. „Angesichts des Fachkräftemangels in den Kitas mache ich mir um die Mitarbeiter die geringsten Sorgen.“

Das Amtsgericht Norderstedt hat die Hamburger Anwältin Ellen Meyer-Sommer als vorläufige Insolvenzverwalterin bestellt. „Wir prüfen, ob der Insolvenzgrund gegeben ist und ob die Aussicht zur Fortführung des Musischen Jugendkreises besteht.“ Der Betrieb der Einrichtung laufe derzeit ganz normal weiter – und das werde auch vorerst so bleiben. „Die alten Schulden des Vereins sind jetzt eingefroren“, sagt Meyer-Sommer. „Die drücken den Verein im täglichen Betrieb nicht mehr. Es geht jetzt zunächst nur um die Deckung der laufenden Ausgaben. Und die sind derzeit durch die Einnahmen aus der Kinderbetreuung gedeckt.“

Was die wirksame Räumungsklage gegen den Verein an der Ochsenzoller Straße 134 angeht, so sei der Verein durch das Insolvenzverfahren auch hier geschützt. „So lange es andauert, kann nicht geräumt werden“, sagt Meyer-Sommer.

Die Anwältin verschafft sich derzeit einen Überblick über die Finanzen und die Gesamtlage des Vereins. „Das wird auch bestimmt noch bis etwa Ende März dauern“, sagt Meyer-Sommer. Die Zukunft des Musischen Jugendkreises sieht sie nicht so düster wie andere in der Stadt. „Natürlich ist die Überführung des Vereins in eine echte Kita nach der Entscheidung des Jugendhilfeausschusses gescheitert. Aber als Kita-ähnliche Einrichtung könnte der Verein natürlich weiterhin arbeiten.“ Vorausgesetzt, der Verein findet neue Räume, kann diese bezahlen und verfügt über ausreichend Eltern, die ihre Kinder hier unterbringen wollen. „Momentan gibt es da noch keine großen Bewegungen. Die Eltern halten der Einrichtung noch die Treue“, sagt Meyer-Sommer.

Man stehe in gutem Kontakt zur Stadt. Meyer-Sommer: „Wir sind uns alle einig, dass auf keinen Fall die Kinder im Verein unter der Entwicklung leiden dürfen.“