Norderstedt
Neujahrsempfang

Ministerpräsident Albig schwört Genossen ein

Foto: Christopher Herbst / HA

SPD und CDU blicken bei ihren Neujahrsempfängen in Norderstedt auf das Wahljahr 2017. Christdemokraten wittern ihre Chance.

Norderstedt.  „Das ist ja kuschelig hier“, sagt der prominente Gast spontan. Als Ministerpräsident ist Torsten Albig ansonsten den Kieler Landtag mit seiner Glaskuppel gewohnt, große Hallen oder zumindest großzügige Sitzungssäle. Beim Neujahrsempfang der Norderstedter SPD in deren „Podium“ hätte der Regierungschef allerdings auch ohne Mikrofon reden können, verstanden hätte ihn jeder Besucher.

Torsten Albig hält Plädoyer für Integrationspolitik

Dass die hiesigen Sozialdemokraten das Wahljahr mit dem mächtigsten Politiker des nördlichsten Bundeslandes einläuten, ist natürlich ein Signal. Albig verzichtet bei seiner Grundsatzrede bewusst auf Sticheleien, gibt sich präsidial – der Wahlkampf kommt noch früh genug. „Ein Neujahrsempfang ist eigentlich ein Ort, um sich gemeinsam einzunorden auf politische Werte und den Gegner zu definieren.“

Die Gegner, das sind in diesem Fall nicht CDU oder FDP, sondern die Kräfte am rechten Rand, das macht er unmissverständlich klar, ohne etwa die AfD zu nennen. „Man könnte glauben, Deutschland stünde am Abgrund. Aber wir sind nicht am Abgrund. Und Schleswig-Holstein schon gar nicht.“ Albig beschreibt, wie erfolgreich bisher die Integration von Flüchtlingen sei. Man muss kein Prophet sein – die Asyl-Frage wird eines der dominanten Themen bei allen Wahlen sein, hier positionieren sich die Parteien bereits jetzt. „Wir haben 35.000 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein. Diese aufzunehmen ist keine Aufgabe, an der man zerbricht. Schleswig-Holstein erzählt eine Erfolgsgeschichte von guter Aufnahme“, sagt Albig. „An unserer Haltung entscheidet sich, welche Integration wir wollen. Lassen wir die Menschen in unsere Strukturen, in unsere Vereine, Verbände, Chöre, Schützenvereine, Parteien. Dann kann es eine andere Geschichte werden als in den 1960er-Jahren.“

Seinerzeit wurde der Begriff „Gastarbeiter“ geprägt, der einer Stigmatisierung gleichkam. „Wir müssen das, was wir begonnen haben, auch zu einem guten Ende führen“, so Torsten Albig. Und fügt hinzu: „Hätten wir mehr solche Menschen wie Angela Merkel in Europa und der Welt – und das sage ich, obwohl viele in der SPD mit ihr hadern –, dann wäre die Welt eine bessere.“

Was er den Genossen ins Stammbuch schreibt: Man dürfe sich nicht unnötig kleinmachen, nicht leise sein. „Wir werden nicht 100 Prozent der Menschen erreichen. Aber es gibt eine kritische Masse, um die wir uns scharen müssen.“ Als Zielgruppe sieht er unter anderem alle Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren bei der Inte­gration und die aus seiner Sicht zu selten gewürdigt werden. „Wir haben die Pflicht, nicht denen nachzugeben, die Populisten sind, sondern die Pflicht, uns um Bildung zu kümmern. Integration funktioniert nur in Kindergärten und Schulen und indem wir mehr Lehrer einstellen.“

Katja Rathje-Hoffmann setzt auf Regierungswechsel

Ein paar Kilometer entfernt im Feuerwehrhaus Friedrichsgabe ist der Ton beim Neujahrsempfang der CDU ein anderer. Die Ortsvorsitzende Katja Rathje-Hoffmann, zugleich Landtagsabgeordnete und im Wahlkreis Konkurrentin der Norderstedter SPD-Chefin Katrin Fedrowitz, zählt Albig an. „Die Umfragen sehen aus unserer Sicht schon sehr gut aus. Wir liegen acht Prozentpunkte vor den Sozialdemokraten, Torsten Albig hat keine Mehrheit mehr. Der Ministerpräsident denkt sogar das Undenkbare – an eine Vierer-Koalition mit den Linken. So etwas geht nicht.“

Rathje-Hoffmann verweist auf den Führungswechsel in der Landes-Union. „Ingbert Liebing hat entnervt und erfolglos hingeschmissen. Daniel Günther als Spitzenkandidat ist eine gute Wahl. Mit ihm macht es Spaß, Politik und einen Reset zu machen.“ 2017 werde sehr bedeutsam. „Wir haben die Landtags- und die Bundestagswahl, und die Vorbereitung auf die 2018 stattfindenden Kommunalwahlen. Bei der Landtagswahl werden wir uns anstrengen müssen, aber wir werden gewinnen.“