Norderstedt
NZ-Regional

Alle Jahre wieder: Weihnachten ist auch tagsüber

Heiligabend, Tannenbaum und Geschenke gibt es jedes Jahr. Eine „Wochenschau“ exakt zum 24. Dezember hat dagegen Seltenheitswert. Deshalb müssen wir zwangsläufig über Weihnachten reden. Warum eigentlich heißt Weihnachten überhaupt Weihnachten, sogar tagsüber? Müsste nicht während des Festes der „Weihmorgen“ nach dem späten Frühstück am „Weihmittag“ allmählich in die heiße Bescherungsphase am „Weihabend“ eintreten, bevor nach dem Bett-Abmarsch kleiner und dem Party-Aufbruch großer Kinder endlich „Weihnacht“-liche Ruhe herrscht?

Nein, es heißt „Weihnacht“. Drei Tage und Nächte lang. Und zwar deshalb: Dieses Fest fällt genau in die Zeit, in welcher die Tage am kürzesten und die Nächte am längsten sind. Es ist sowieso ständig dunkel. Also: Weihnachten. Gäbe es ausschließlich Weihtagen, müssten wir das Fest immer Ende Juni feiern, wenn es ständig hell ist. Unser Gartengrill würde unter dem Gänsebratenfett glatt explodieren. Außerdem ist dann meistens Fußball-WM oder wir sind im Urlaub oder beides. Und stellen Sie sich mal den Weihnachtsmann in Shorts und Bauchfrei-Hemdchen vor. Schöne Bescherung, das will echt keiner.

Das „nachten“ hätten wir damit geklärt. Aber was ist mit „Weih“? Das ist, wie wir alle aus leidvoller Erfahrung wissen, ein Schmerzlaut. Tatsächlich ist Weihnachten das Fest der Schmerzlaute. Ob wir uns an den Kerzen verbrennen oder am Backofen (Gänsebratenfett!), ob der unvermeidliche, leider kaum erträgliche Schwager neben uns an der Tafel sitzt, ob im Päckchen von der Schwiegermutter wieder eine atemberaubend hässliche Krawatte liegt – uns entfährt, mal gequält unterdrückt, mal unverhohlen laut ein: „WEIH!“ Deshalb: Weihnachten.

Auch, wenn es weh tut: Bitte nicht weinen. Es würde endgültig zur Konfusion führen, wenn aus Weihnachten Weinnachten wird. Denn wäre Weihnachten Weinnachten, wüsste niemand mehr, ob man nun heulen oder sich eine Flasche vom guten Roten aus dem Keller holen soll. Also lieber lachen und Bier trinken? Egal. Zu Weihnachten geht eigentlich alles.

Hauptsache, wir haben uns alle lieb.