Norderstedt
Sülfeld

Mutter des toten Babys gefunden – Haftbefehl

Foto: Carsten Rehder / dpa

Der Säugling einer 22 Jahre alten Frau aus Nordafrika war im Oktober 2015 in einem Mülleimer in Sülfeld entdeckt worden.

Sülfeld.  Die Mordkommission der Kieler Kripo hat den Tod der kleinen Teresa aus Sülfeld aufgeklärt. Kriminalbeamte haben die Mutter des Säuglings festgenommen, der am 15. Oktober 2015 tot aufgefunden wurde. Bei der Frau handelt sich um eine 22-jährige Nordafrikanerin, die sich seit Mitte 2015 in Schleswig-Holstein aufhält. Gegen sie wurde vom Amtsgericht Bad Segeberg Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des Totschlags erlassen.

Die Frau war schwanger im Sommer 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist und lebte seitdem in Schleswig-Holstein. Dass die Frau am Mittwochnachmittag von Kriminalbeamten vernommen wurde, bestätigte ein Polizeisprecher.

Sie wartet jetzt in Untersuchungshaft auf ihren Prozess. Bei der Vernehmung gestand die Frau, die Mutter des toten Säuglings zu sein. An die Geburt und die Vorgänge danach könne sie sich jedoch nicht mehr erinnern. Die 22-Jährige soll demnächst psychiatrisch untersucht werden. Davon erhoffen sich die Ermittler auch Informationen, ob die Frau sich tatsächlich in einem psychischen Ausnahmezustand befand und das Geschehen vergessen hat – oder ob ihre Angaben vorgeschoben sind.

Ebenso unklar bleiben zunächst der Tatort und das Motiv. Die Obduktion in der Rechtsmedizin hatte ergeben, dass das Kind nach der Geburt gelebt hatte. Zur Todesursache äußern sich die Ermittlungsbehörden nicht.

Auf die Spur der Frau war die Polizei durch einen DNA-Abgleich gekommen. Die Frau war durch intensive Ermittlungen und Spurenanalysen der Polizei als Verdächtige ausfindig gemacht und zu Beginn der vergangenen Woche befragt worden. Dabei hatte sie freiwillig eine Speichelprobe abgegeben. Das Heimatland und den Wohnort wollte die Staatsanwaltschaft nicht nennen, um die Persönlichkeitsrechte der Frau zu schützen.

Die Leiche der kleinen Teresa war am 15. Oktober 2015 leblos in einer mit Kleidungsstücken gefüllten Tüte in der Mülltonne einer Bushaltestelle an der Bundesstraße 432 im Sülfelder Ortsteil Borstel entdeckt worden. Zuvor hatte eine Frau 300 Meter entfernt an der Straße die Tüte mit dem Leichnam gefunden und in die Mülltonne gelegt.

Dass sie einen entsetzlichen Fund gemacht hatte, war der Finderin nicht klar. Sie hatte nicht in die Tüte geschaut. Die Polizei geht davon aus, dass die Tüte bereits am 12. oder 13. Oktober an der Straße abgelegt worden war.

Während die Mordkommission ermittelte, bereitete der Kirchenvorstand der Gemeinde gemeinsam mit Sülfelds Pastor Steffen Paar und Bürgermeister Karl-Heinz Wegner Teresas Beerdigung vor. Das Mädchen erhielt sein Namen, weil es am 15. Oktober gefunden wurde. Im evangelischen Namenskalender wird am 15. Oktober der Heiligen, Kirchenlehrerin und Mystikerin Teresa von Avila gedacht.

„Daher haben wir auch in Abstimmung mit der Polizei diesem Menschenkind den Namen Teresa gegeben. Nun wollen wir Teresa die Würde schenken, die ihr im Leben verwehrt war“, sagte damals Sülfelds Kirchenvorstand Ulrich Bärwald. Zur Trauerfeier kamen mehr als 150 Menschen.

Zu den Trauergästen gehörten neben Gemeindemitgliedern auch Hilfskräfte von Feuerwehr und Polizei, die am Fundort gewesen waren oder an der Suche nach den Eltern teilgenommen hatten. Anschließend wurde der kleine Sarg zu Grabe getragen. Gemeindepastor Steffen Paar hielt an der Spitze des Trauerzuges den Kindersarg in seinen Händen.