Norderstedt
Unfall

Beim Überholen unaufmerksam – Frau in Norderstedt verletzt

Statue der Justitia.

Statue der Justitia.

Foto: Michael Rauhe

61 Jahre alter Angeklagter wird vom Amtsgericht Norderstedt wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Norderstedt.  Manchmal kann ein kurzer Moment ein ganzes Leben verändern. Bei Herbert H. (Name geändert) war der Moment eine Schrecksekunde. Danach war nichts mehr wie es war. Der 61-Jährige ist ein erfahrener Brummi-Fahrer, der seit Jahrzehnten unterwegs ist. Einmal nur ließ er sich – mit seinem Privat-Wagen – zu einem gedankenlosen Überholmanöver hinreißen, bei dem sich eine Fußgängerin beide Beine brach. Die Anklage im Amtsgericht: fahrlässige Körperverletzung.

Auf dem Anklagestuhl sitzt ein groß gewachsener Mann mit ergrauten Haaren und einem stattlichen Schnauzbart. Seit 26 Jahren transportiert er für seinen Chef mit seinem 40-Tonner Baustoffe kreuz und quer durch die Region. „Unfallfrei bin ich, ohne Punkte, bis heute“, betont er vor Gericht.

Herbert H. hatte ein solides, geregeltes Leben – bis zu einem frühen Dezembermorgen des vorigen Jahres. Der Angeklagte war mit seinem Privat-Pkw auf dem Weg zur Arbeit auf der Oadby-and-Wigston-Straße unterwegs. An einer Haltestelle stoppt vor ihm ein Linienbus. H. entscheidet sich, links am Bus vorbeizufahren. „Ich bin“, beteuert er, „ganz langsam gefahren“. Plötzlich habe es einen schrecklichen Knall gegeben. Beim Überholvorgang erfasste sein Wagen eine 43-jährige Fußgängerin, die den Bus erreichen wollte. Sie erlitt eine Gehirnerschütterung und brach sich beide Beine. Das Opfer kann sich vor Gericht nicht mehr an den Zusammenstoß erinnern. Sie weiß nur noch, dass sie vor dem Betreten der Straße nach links und rechts gesehen und keinen Wagen wahrgenommen habe. Bis heute könne sie nicht normal gehen. Seit mehreren Monaten ist die Altenpflegerin krankgeschrieben. Seit dem Unfall habe sie panische Angst, eine Straße zu überqueren.

Sichtlich bewegt hört der Angeklagte zu. „Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen und wünsche weiterhin gute Besserung“, wendet sich Herbert H. an die Zeugin. Auf die Frage vom Amtsrichter, ob sie diese Entschuldigung annehme, kommt schließlich ein kaum hörbares „Ja“ von der Zeugin.

Auch der Angeklagte leidet an der folgenschweren Fehlentscheidung. Noch am Unfallort löste ein Schock bei ihm Herzrhythmusstörungen aus. Seit mehreren Monaten ist er krankgeschrieben und in psychiatrischer Behandlung. „Vor meinen Augen läuft immer wieder der Zusammenstoß ab“, sagt H.

Sollte er seinen Führerschein verlieren, so seine Befürchtung, sei er seinen Job los. In seinem Urteil nimmt der Amtsrichter auf die Situation des Angeklagten Rücksicht. Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung muss Herbert H. eine Geldstrafe von 2000 Euro zahlen. Außerdem erhält er ein sechsmonatiges Fahrverbot. Es gilt allerdings nur für Pkw. Lastkraftwagen darf er weiterhin fahren.