Norderstedt
Schröters Wochenschau

Soll nur für die Stuten gezahlt werden?

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Tangstedt und seine Pferdesteuer, ein schier endloses Thema. Jan Schröter haben es besonders die Ausreden in der Debatte angetan.

Kreis Segeberg.  Eine Gemeinde am Laufen zu halten, kostet etwas. Dafür zahlt man Steuern. Meistens eher ungern, ich weiß das. Ich heule ja selbst, wenn das Finanzamt mal wieder an der Schraube dreht. Ich bin auch ziemlich gut im Erfinden von Ausreden. Aber was man da jetzt aus Tangstedt hört – also, darauf wäre ich nicht gekommen.

Dort soll ja – wie mehrfach berichtet – eine Pferdesteuer eingeführt werden. Weil Pferde an sich meist nur über beschränkte Barmittel verfügen, werden die Besitzer zur Kasse gebeten. Die zahlen allerdings ungern, siehe oben. Soweit verständlich. Aber dann ergreift jemand Partei für die Pferdesteuerkritiker, dem in Streitigkeitsfällen von Berufs wegen gewisse Kompetenz zuzutrauen ist: Jörn Axel Kämmerer, Juraprofessor der renommierten Bucerius Law School, präsentiert eine „Verfassungsrechtliche Vorbetrachtung“, in der er die Unvereinbarkeit der Pferdesteuer mit dem Grundgesetz moniert. Weil nämlich die Pferdesteuer eine Diskriminierung von Frauen bedeuten würde. Bitte? Ich dachte, die Pferde sollten besteuert werden, nicht die…? Oder soll man vielleicht nur für Stuten blechen, Hengste sind steuerfrei?

Ach so. Professor Kämmerer meint, weil wesentlich mehr Frauen als Männer den Reitsport ausüben und Pferde besitzen, würde die Pferdesteuer einer geschlechtsspezifischen Diskriminierung gleichkommen. Wenn das so ist, beantrage ich die Abschaffung der übelst diskriminierenden Alkoholsteuer, weil mehr Männer saufen als Frauen. Wir sollten dann auch über die enormen Versicherungsprämien für getunte PS-Monster reden, die gleichfalls überwiegend von Männern gezahlt werden. Oder, oder, oder.

Ich weiß wenig über die Haushaltsführung einer Gemeinde. Von Pferden und vom Reiten verstehe ich gar nichts. Die popligen drei Jura-Semester, die ich mal studiert habe, sind ewig her. Steuern zahle ich auch bloß ungern. Aber ganz gewiss möchte ich diese Steuern nicht zahlen, damit ein steuerfinanziertes Bundesverfassungsgericht nach jahrelangem Tauziehen durch alle Instanzen darüber befinden muss, ob die Tangstedter Pferdesteuer Frauen diskriminiert oder nicht.
Also bitte, Herr Professor.