Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Der mühsame Weg in die Paracelsus-Klinik

Foto: TA CAPS / Thorsten Ahlf

Geplante Zufahrt wird nicht realisiert. Nun soll die Wilstedter Straße ausgebaut werden – dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative.

Henstedt-Ulzburg.  Die Anlieger der Wilstedter Straße in Henstedt-Ulzburg müssen aller Wahrscheinlichkeit nach weiter mit dem Klinik-Verkehr leben. Der Grund: Es wird wohl keine Anbindung der Paracelsus-Klinik an die Schleswig-Holstein-Straße geben. „Unter Beachtung der straßenbaurechtlichen Bestimmungen kann eine Anbindung derzeit nicht realisiert werden“, heißt es in einer nüchternen Mitteilung der Verwaltung an die Ortspolitiker.

Diesem Ergebnis sind langwierige Verhandlungen, ausführliche Gutachten und Erörterungstermine vorausgegangen. Denn Klinikleitung und Gemeindeverwaltung versuchen seit Langem, den Bau einer Straßenanbindung zu verwirklichen. Bereits vor einem Jahr hatte die Landesregierung aus ihrer Sicht erkannt, dass eine dauerhafte Zufahrt aus Gründen der „Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs“ nicht erforderlich sei. Verwiesen wird auf den vorgesehenen Ausbau der Wilstedter Straße. Ein Besuch der Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Kieler Landtag, Eka von Kalben, brachte neuen Wind in die Angelegenheit. Ihre Anregung: Alle Beteiligten – Land, Gemeinde, Klinikleitung, Kreis – sollten sich gemeinsam an einen Tisch setzen und eine Lösung für das drängende Problem diskutieren, finden und schließlich umsetzen. Sie regte neue Gespräche an und versprach, sich in die Sache einzuklinken. Auch der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Volker Dornquast forcierte Gespräche im Kieler Landeshaus.

Geändert hat sich an der Ansicht des Verkehrsministeriums offenbar nichts. Es wird wahrscheinlich noch nicht einmal zu einem Prüfverfahren kommen. Das Verkehrsministerium würde es nur in Gang setzen, wenn verkehrsgutachterlich nachgewiesen wird, dass sich eine Anbindung der Klinik nicht nachteilig auf den Verkehrs auf der Schleswig-Holstein-Straße auswirken würde.

Eine von der Klinik in Auftrag gegebene Konzeptplanung mit Leistungsfähigkeitsuntersuchung ist vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr jedoch negativ beurteilt worden. Daran haben auch zwei Arbeitskreisgespräche mit Vertretern des Ministeriums, der Klinik, der Verwaltung, dem beauftragten Ingenieurbüro und der örtlichen Politik nichts ändern können. Schriftliche Stellungnahmen hat die Verwaltung noch nicht, aber die Aussagen der Beteiligten sind nach Angaben von Bürgermeister Stefan Bauer eindeutig. Aus örtlicher Sicht ist diese Entscheidung für alle Beteiligten ein Fiasko. Denn die Situation auf der Wilstedter Straße ist für Anlieger und Autofahrer inzwischen unhaltbar geworden. Vor allem zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich Staus, die sich auch durch die langen Haltezonen vor der Klinik ergeben. Die vor Jahren aus Gründen der Verkehrsberuhigung gebauten und in die Fahrbahn hineinragenden „Verkehrsnasen“ haben nicht zur Besserung, sondern eher zu einer Verschlimmerung der Situation geführt. Bürgermeister Bauer kündigt an, dass die Wilstedter Straße im kommenden Jahr ausgebaut werden soll. 1,8 Millionen Euro, aufgeteilt auf die Jahre 2017 und 2018, stellt die Gemeinde dafür bereit.

Die meisten Anlieger sind nicht froh über diese Ankündigung: Wahrscheinlich dürften Autos dann 50 statt bisher 30 Stundenkilometer schnell fahren. Zudem ist noch ungeklärt, ob die Anlieger für den Ausbau die ortsüblichen Beiträge zahlen müssen. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, weil die Straße, die offiziell als Gemeindeverbindungsstraße eingestuft ist, ihrer Ansicht nach längst den Status einer Durchgangsstraße angenommen hat.

Wie eine Verkehrslösung aussehen kann, steht noch nicht fest, weil die Ortspolitik und die Gemeindeverwaltung alle weiteren Planungen wegen der Verhandlungen über eine Klinikanbindung an die Schleswig-Holstein-Straße zurückgestellt hatten. „Wir wollen so viel Verkehr wie möglich aus dem Ortsteil Rhen heraushalten“, sagt Horst Ostwald (SPD), der als Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses an den Gesprächsrunden über die Klinikanbindung teilgenommen hat. „Natürlich hat die Entscheidung des Landes auch Auswirkungen auf den Ausbau der Wilstedter Straße.“

Wie der Ortsteil vom Verkehr entlastet werden kann, steht im Verkehrsstrukturgutachten: Eine Vielzahl von lenkenden Maßnahmen müsste ineinandergreifen. Dieser „Plan B“ wurde bisher allerdings noch nicht diskutiert.

Nach Ansicht von Horst Ostwald könnte aber auch noch einmal darüber nachgedacht werden, den gesamten Klinikverkehr über die Straße Beim Brüderhof abzuwickeln. Das bedeutet: Die Klinik wäre dann nur von Osten über Schleswig-Holstein-Straße/Beim Brüderhof/Wilstedter Straße zu erreichen. Die Wohnbereiche blieben auf diese Weise weitgehend verschont. Ob das in der Praxis durchzusetzen ist, bleibt allerdings fraglich. Diese Lösung stand schon vor Jahren zur Diskussion, wurde aber als nicht praktikabel verworfen.