Norderstedt
SEKT, SEPP, SEXY

Segeberger halten Rekord bei Wunschkennzeichen

Sascha Emmel vom gleichnamigen Schilderhersteller in Norderstedt zeigt ein Musterkennzeichen für alle James-Bond-Fans

Sascha Emmel vom gleichnamigen Schilderhersteller in Norderstedt zeigt ein Musterkennzeichen für alle James-Bond-Fans

Foto: Michael Schick

In keinem anderen Bundesland sprudeln Einnahmen für Wunschkennzeichen so üppig wie in der Zulassungsstelle des Kreises Segeberg.

Kreis Segeberg. Ziemlich sexy, diese Dienstleistung. Zumindest für den Haushalt des Kreises Segeberg. Weil es immer noch sehr viele Autofahrer gibt, die gerne mit den Buchstabenkombinationen SEX, SEXY, SEKT oder SEPP durch die Gegend kutschieren, darf sich die Zulassungsstelle des Kreises Segeberg nun den Titel des Wunschkennzeichen-Umsatzmeisters in Schleswig-Holstein an die Wand hängen.

Wer SEX haben will, SEXY werden oder sich zum SEPP machen möchte, zahlt 10,20 Euro und darf sich das Wunschkennzeichen prägen lassen. 1186 Fahrzeuge fahren derzeit mit SEXY, 763 Fahrzeuge mit SEX und 1033 mit SEKT auf den Straßen des Kreises. 368.179 Euro hat die Zulassungsstelle 2015 mit der Vergabe dieser Wunschkennzeichen eingenommen – so viel wie keine andere im Bundesland. Und etwas mehr als 2014 (363.100 Euro). Das Wunschkennzeichen ist bei jährlichen Gesamteinnahmen von 2,34 Millionen Euro zum wichtigen Faktor in der Bilanz der Stelle geworden.

Auch SENF und SETH sind bei den Autofahrern beliebt

Um mit SE schlüpfrige Kombinationen zu bilden, nehmen es manche Autofahrer auch mit der Orthografie nicht so genau und akzeptieren sogar das SEKS (840 Fahrzeuge). Das liegt übrigens nicht daran, dass es für SEX oder SEXY eine Warteliste bei der Zulassung gibt. Der Segeberger Kreissprecher Gernot Schramm kann leider auch nicht aus der Statistik ersehen, ob mehr Frauen oder mehr Männer die anzüglichen Kennzeichen bestellen. „In der Rangfolge der beliebtesten Wunschkennzeichen stehen aber auch SENF und SETH“, sagt Schramm. „Und natürlich die Kombinationen aus Geburtsjahren, Initialen und Schnapszahlen.“ Der Geburtstag am 2. Januar 1999 wird dann zur Zahl 2199. Beliebt sind auch glatte Zahlen wie 10, 100 oder 1000 und eben 2222 und ähnliche sogenannte Schnapszahlen.

Die Extravaganzen der Autofahrer erzeugt in den Amtsstuben nicht etwa Mehrarbeit. Ist das gewünschte Kennzeichen frei und nicht aus rechtlichen Gründen untersagt, gibt der Mitarbeiter auf der Zulassungsstelle lediglich die Daten ein und drückt auf den Return-Knopf des Computers. Wenn ein Autofahrer keine Präferenzen hat, bekommt er einfach vom Computer eine Buchstaben-Zahlen-Kombination zugeordnet. Insofern sind die 10,20 Euro in der bundesweit geltenden Gebührenordnung leicht verdientes Geld für die Zulassungsstellen. In die Gesamteinnahmen fließt zusätzlich die Reservierungsgebühr von 2,60 Euro ein, die Autofahrer immer dann entrichten müssen, wenn sie sich ihr Wunschkennzeichen vor dem Besuch der Zulassungsstelle im Internet auf der Homepage des Kreises Segeberg reservieren lassen.

Die Kombination SED wird im Kreis nicht vergeben

Nach Ansicht des Bundesverkehrsministerium ist die Kürzel-Kombi SEXY oder SEX übrigens keine, die nach Paragraf 8, Absatz 1, der Fahrzeug-Zulassungsverordnung „gegen die guten Sitten verstoßen“. Ganz anders sieht das bei politisch brisanten Kürzeln aus. Gesetzliche Verbote gibt es für bestimmte Kennzeichen nicht. „Allerdings haben die Zulassungsstellen eine Weisung des Ministeriums, nach welcher vor allem Kürzel für nationalsozialistische Begriffe nicht auf Nummernschildern auftauchen dürfen. Einige Kennzeichenverbote gelten bundesweit, einige Kombinationen sind regional in bestimmten Gebieten verboten“, sagt Schramm.

Welche Kennzeichen zugelassen werden, entscheiden die Bundesländer eigenständig. In Schleswig-Holstein sind Kürzel wie SEHJ, SESS, SESA oder SEKZ verboten. Die Kreiszulassungsbehörde gibt aber auch das aus ihrer Sicht „anrüchige“ Kürzel SED nicht heraus. Ansonsten sind lediglich die Kennzeichen SESE mit den Zahlenkombinationen zwischen 2000 und 2100 nicht zu haben. Diese sind für die Dienstfahrzeuge der Kreisverwaltung reserviert.

6000 Fans der Hauptstadt haben das Kennzeichen KI-EL

Wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur in Schleswig-Holstein ergab, sind die Wunschkennzeichen auch in allen anderen Zulassungsstellen des Landes beliebt.

Obwohl sich mit NMS keine sinnvollen Worte bilden lassen, nimmt Neumünster mehr als 115.000 Euro jährlich für Wunschkennzeichen ein. Die Kollegen in Plön haben im vergangenen 193.000 Euro eingenommen – PLÖN ist hier natürlich der Renner. Und 6034 Autofahrer in der Landeshauptstadt zeigen die Liebe zu ihrer Stadt mit dem Kennzeichen KIEL.