Norderstedt
Kreis Segeberg

Geflügelpest sorgt für Ausnahmezustand

Schutzanzug, Schuhwechsel und Händedesinfektion: Landwirtin Ulrika Schreiber vom Gut Wulksfelde im Hühnerstall

Schutzanzug, Schuhwechsel und Händedesinfektion: Landwirtin Ulrika Schreiber vom Gut Wulksfelde im Hühnerstall

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Hunde und Katzen dürfen nicht frei laufen und Geflügel muss im Stall bleiben: Wie die Seuche den Kreis Segeberg im Griff hat.

Kreis Segeberg.  Fast schon skurril in Zeiten der Geflügelpest ist die Lage zum Beispiel an der Straße am Ochsenzoll in Norderstedt. Auf der einen Straßenseite leben die Menschen in Hamburg und damit im generellen Geflügelpest-Beobachtungsgebiet. Wer hier seine Katze einfach draußen stromern oder seinen Hund unangeleint laufen lässt, der muss mit Bußgeldern von bis zu 30.000 Euro rechnen, wenn er erwischt wird. Auf der anderen Seite leben die Menschen in Norderstedt und damit im derzeit vom Kreisveterinäramt als ungefährdeten Bereich eingestuften Gebiet. Theoretisch dürfte die Katze hier stromern.

Sollten sie aber nicht. Denn niemand kann sagen, an welchen Stellen die Pest als nächstes auftaucht. Die Stadt Norderstedt hat die Bürger aufgefordert, Hunde und Katzen nicht frei herumlaufen zu lassen – auch wenn es hier derzeit bei Zuwiderhandlung kein Bußgeld setzt.

Das droht aber allen, die die Anleinpflicht und das Stromerverbot in den Sperrbezirken und Beobachtungsgebieten missachten (siehe Karte). „Die örtlichen Ordnungsbehörden sind angewiesen zu überprüfen, ob die Anordnungen eingehalten werden“, sagt Gernot Schramm, Sprecher der Segeberger Kreisverwaltung.

Die Jagd wurde eingestellt – nur keine Vögel aufschrecken

„Wer sichergehen will, dass der eigene Hund oder die eigene Katze nicht zum Überträger des Virus wird, der sollte sich an Leinenpflicht und Auslaufverbot halten“, sagt Andreas Falk vom Vorstand der Kreisjägerschaft Segeberg. „Als Jäger sind wir immer die Ersten, die verendetes Vogelwild finden. Derzeit breitet sich die Pest nach Südwesten aus. Und da die Vögel nun mal fliegen, können sie jederzeit auch in Norderstedt auftauchen.“ Die Jäger haben die Jagd auf Wildvögel längst eingestellt, in den Sperrgebieten ist sie ohnehin verboten. „Auf den Seen sitzen Hunderte Vögel. Durch die Jagd würden wir sie unnötig aufschrecken, und so würden sich die Tiere weiter im Kreis verteilen.“

Mit dem Hund kann man an der Leine Gassi gehen. Aber mit der Katze? „Es ist total schwierig, eine Katze die den Freilauf gewöhnt ist, über Wochen in der Wohnung zu halten“, sagt Claudia Keck, Katzenhalterin und Vorsitzende vom Verein Straßentiger. „Eine Zeitlang kann man versuchen, die Katze zu beschäftigen. Aber irgendwann will die raus und geht dem Halter die Wände hoch.“

Gleichmütiger gehen Hühner mit dem Auslaufverbot um, unter dem sie nach der landesweiten Aufstallungspflicht leiden. Beim Bio-Gut Wulksfelde zum Beispiel stehen die 2400 Hühner in zwei mobilen Stallungen von je 240 Quadratmeter Größe unter Hausarrest. Sie blicken durch Gitter auf die Freilaufflächen. Aber außer einem leichten Gurren herrscht Ruhe im Stall. Ulrike Schreiber, Landwirtin des Gutes und seit 16 Jahren für die Tiere des Hofes zuständig, muss die „Biosicherheitsmaßnahmen“ beachten, wenn sie die Tiere füttern will. Über eine mit Desinfektionsmittel getränkte Matte geht sie in den Stall, wechselt die Stiefel, zieht einen Schutzoverall über und desinfiziert sich die Hände. „Ich könnte den Virus über die Kleidung in den Stall tragen“, sagt Schreiber. „Für uns ist das wenig Aufwand. Viel belastender ist die Situation für die Tiere. Wenn sie zu lange auf engem Raum sind, bedeutet das Stress.“

Falls das seit einer Woche bestehende Freilaufverbot weitere fünf Wochen gilt, müsse das Gut wahrscheinlich auch die Eier anders etikettieren. Schreiber: „Dann sind es eben keine Freilandeier mehr.“

Das gilt auch für den Hof Spahr in Fahrenkrug, auf dem 50.000 Legehennen normalerweise frei herumlaufen. Doch jetzt sind auch sie eingesperrt. Die Geflügelpest ist bisher hier nicht aufgetreten. „Die Nachfrage nach unseren Eiern aus Freilandhaltung ist nach wie vor gut“, sagt Astrid Spahr.

Kunden kaufen die Eier im südlichen Schleswig-Holstein, auch auf den Norderstedter Wochenmärkten, in Hamburg, Lübeck und Rostock. Die Juniorchefin geht davon aus, dass die Stallpflicht noch einige Zeit gelten wird, sodass die Geflügelbetriebe mit Einbußen rechnen müssten. Auffangen könne der Betrieb mögliche Verluste durch den Verkauf der Bio-Eier.

Das „Enten- und Geflügelparadies“ in Hasenmoor informiert die Kunden auf der Homepage: Das Landeslabor Schleswig-Holstein in Neumünster habe die Tiere auf Vogelgrippeviren überprüft und bestätigt, dass das Geflügel frei von Viren sei.

In der Vogelpflegestation herrscht Aufnahmestopp

Auch im Wildpark Eekholt hat das Team auf die Geflügelpest reagiert. „Glücklicherweise ist bei uns noch kein Fall aufgetreten, und wir hoffen sehr, dass das so bleibt“, sagt Wildpark-Chef Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck. Gleich, nachdem der erste Fall in Schleswig-Holstein bekannt geworden war, seien die Hygieneregeln überarbeitet worden.

Die rund 30 Hühner bleiben im Stall, auch die Störche haben vorsorglich schon ihr Winterquartier bezogen. Die Besucher können die Tiere durch eine Glasscheibe beobachten. In der Vogelpflegestation werden jetzt keine Tiere aufgenommen. Flugvorführungen finden im Winter ohnehin nicht statt. „Am Eingang haben wir Desinfektionsmatten ausgelegt, über die die Besucher gehen und ihre Schuhe desinfizieren“, sagt von Schenck. Die Gäste hätten durchaus Verständnis für die Schutzmaßnahme.

Wer tote Wasservögel, Greifvögel oder eine große Anzahl toter Singvögel entdeckt, sollte die Tiere nicht anfassen und die Fundorte umgehend dem Veterinäramt des Kreises Segeberg über das Bürgertelefon 04551/95 12 11 melden. Der Stadt Norderstedt können tote Wildvögel über die Servicenummer 040/53 59 51 11 gemeldet werden. Eine Übersicht welche Bereiche des Kreises Segeberg von der Geflügelpest betroffen oder gefährdet sind, finden Sie in ihrer heutigen Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.