Norderstedt
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Am Kickertisch lernen, was Fairness bedeutet

Beim 1. Norderstedter Kickerturnier für Grundschulen zeigt das in Deutschland einzigartige Projekt Nokimo sein Potenzial

Norderstedt. Das Klackern kleiner Plastikfußbälle, die gegen Holzbanden knallen, erfüllt die Turnhalle der Grundschule Falkenberg. Auf der Tribüne kreischen die Zuschauer, und an den Kickertischen auf dem Hallenboden hampeln die Spieler an den Kickerstangen und lassen die Plastikspieler daran tanzen. Das erste Norderstedter Kickerturnier für Grundschüler sorgte am Freitag für Budenzauber-Stimmung.

"Es gab hier sogar schon Tränen bei den Spielern", sagt Wolfgang Banse vom Förderverein offene Jugendarbeit Norderstedt. Das Kickerturnier hat der Verein mit Jené Halabis Projekt Nokimo ins Leben gerufen. Nokimo steht für das in Deutschland einzigartige Norderstedter Kickermobil. "Wir haben Kickertische in einem Anhänger, der von sozialen Einrichtungen in Hamburg und Schleswig-Holstein angefordert werden kann", sagt Halabi. "Wir fördern die Sportart und sorgen dafür, dass die Kinder gemeinsam Spaß im Team haben."

Beim Turnier in Norderstedt können die Teilnehmer nicht einfach so, wie sie wollen. Sie müssen sich an strenge Regeln im Spielverlauf halten. Und die Kinder der dritten und vierten Klassen der Norderstedter Grundschulen halten sich mit viel Disziplin daran. Etwa an die Regel, dass man sich im Spiel mit aller Härte bekämpft, sich hinterher aber immer die Hand reicht. Wer vermutet, dass die Kickerstangen samt Spielfiguren heftig ins Rotieren geraten, liegt falsch. Kurbeln ist den Teilnehmern verboten. Gewonnen hat, wer als erster dem jeweils anderen sechs Tore verpasst hat. Nach jedem Tor muss der Ball dem Gegner überlassen und an die Mittellinie gelegt werden. Das Tore schießen ist von allen Positionen des Tisches erlaubt – auch mit dem Torwart, was an einigen Tischen ganz gut klappt.

Es sei eines der Ziele des Nokimo, diese Fairness bei den Kindern zu fördern, sagt Halabi. Und die Idee findet viele Unterstützer. Das Kickermobil hat sich in nur einem Jahr durch beharrliches Klinkenputzen einen ganzen Stamm an Unterstützern und Förderern erarbeitet. Norderstedts Sozialdezernentin Anette Reinders ist Schirmherrin des Projektes. Die Provinzial-Versicherung hat das komplette Mobil bezahlt, und diverse Firmen aus Norderstedt spendierten die dazu gehörigen Kickertische.

"Es gibt keine Region in Deutschland, die über eine derartige Jugendarbeit im Kickern verfügt", sagt Halabi. "Welche Erfahrungen wir hier in Norderstedt, Hamburg und Schleswig-Holstein machen, darauf schauen Kicker-vereine in ganz Deutschland. Wir sind ein echtes Pilotprojekt." Mit an Bord beim Nokimo sind als Unterstützer auch die Tischfußballer des Hamburger SV und des 1. FC St. Pauli – am Kickertisch drehen die beiden Stadtrivalen einträchtig an einer Kickerstange.

Die Norderstedter Grundschüler schenken sich an den Tischen nichts. Um jeden Ball wird erbittert gekämpft. Immer unter den wachsamen Augen der Schiedsrichter, die hinter jedem Tisch stehen. "In den Schulen mussten sich die Mannschaften für das Turnier qualifizieren", sagt Halabi. "Die haben alle also schon ordentlich trainiert." Manche, wie die sieben Jungs der Grundschule Immenhorst, sind sogar mit einheitlichen Trikots samt Schullogo aufgelaufen – das wirkt schon richtig professionell und scheint bei den Knirpsen den Teamgeist zu wecken.

Doch leider ist es ihnen trotz Trikots nicht gelungen, der erste Norderstedter Grundschulmeister im Tischfußball zu werden. Den Titel holten sich in der 1. Liga des Turniers (4. Jahrgang) die Kinder der Grundschule Glashütte Süd. In der 2. Liga (3. Jahrgang) setzten sich die Spieler der Gastgeber durch, die Grundschule Falkenberg.

Wer die Arbeit des Nokimo unterstützen möchte, der kann sich an der Finanzierung weiterer Tische beteiligen: Ein Tisch mitWerbeaufdruck des Sponsors kostet 1000 Euro, möglich ist auch der Kauf eines halben Tisches für 500 Euro. Infos bei Jené Halabi unter 040/79 02 81 09 oder unterinfo@nokimo.net

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