Norderstedt
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Immer mehr Beratung nach sexueller Gewalt

Insgesamt rechnet die Diakonie mit über 1000 Beratungen – und man geht von einer weiteren Steigerung in den nächsten Jahren aus

Insgesamt rechnet die Diakonie mit über 1000 Beratungen – und man geht von einer weiteren Steigerung in den nächsten Jahren aus

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Beratungsstelle für Familien verzeichnet drastischen Anstieg der Fallzahlen. Kinder würden sich vermehrt an die Mitarbeiter wenden.

Norderstedt.  Immer mehr Norderstedter Kinder und Jugendliche erleben in ihrem Alltag sexuelle Gewalt. Die von der Diakonie getragene evangelische Beratungsstelle für Familien in Norderstedt verzeichnet einen drastischen Anstieg der Fallzahlen in ihren Beratungsangeboten und hat jetzt bei der Stadt Norderstedt die deutliche Aufstockung der jährlichen Mittel beantragt.

Wie aus einem Bericht, der dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt wurde, hervorgeht, beobachtet die Fachberatung bei Verdacht auf sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche seit Jahren eine Zunahme der Fälle. Kinder und Jugendliche selbst würden sich vermehrt an die Mitarbeiter wenden, aber auch deren Eltern oder Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter aus Kitas, Schulen, Horten, der Jugendarbeit, Fachpraxen und den Vereinen. 2015 verzeichnete die Fachberatung 967 Beratungskontakte, 367 mehr als von der Stadt bewilligt (600). In diesem Jahr sei das Jahresbudget bereits nach einem halben Jahr nahezu aufgebraucht gewesen. Insgesamt rechnet die Diakonie mit über 1000 Beratungen – und man geht von einer weiteren Steigerung in den nächsten Jahren aus.

Noch rasanter sieht die Steigerung der Beratungszahlen bei der Erziehungs-, Paar- und Familienberatung aus. Im Jahr 2015 haben sich die Beratungsfälle in der Offenen Sprechstunde der Einrichtung verdreifacht, von 38 auf 116 Fälle. Und die Hälfte der Menschen habe sich danach auch für die weitere Beratung angemeldet. In diesem Jahr habe sich dieser Trend ungebremst fortgesetzt. Mit einer weiteren Zunahme wird in der Beratungsstelle gerechnet. Über die Ursachen kann die Diakonie nur spekulieren. Zum einen würden sich Familien in der Beratung melden, bei denen andere Hilfen ausgelaufen sind. Im Bereich Trennung und Scheidung seien zu 50 Prozent Eltern in der Beratung, die sich wegen der bei der Fachberatung üblichen Einbeziehung der Perspektive der Kinder und Jugendlichen gemeldet haben. In Trennungs- und Scheidungsgruppen (TuSch) werden die Kinder begleitend zur Elternarbeit bei ihrem schmerzhaften Prozess der Neuorientierung betreut. Für die TuSch-Gruppe musste bereits eine Warteliste eingeführt werden.

Im Jugendhilfeausschuss stoßen die Forderungen der Diakonie auf offene Ohren. „Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Erziehungsberatung der Diakonie machen gute und wichtige Arbeit. Deshalb müssen sie über eine entsprechende finanzielle Ausstattung verfügen“, sagt Sybille Hahn, jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die Sozialdemokraten wollen beantragen, dass die Stadt der Diakonie die gefordertem 48.930 Euro an zusätzlichen Mitteln bewilligt. Derzeit überweist die Stadt insgesamt 267.320,90 Euro an die Diakonie.