Norderstedt
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JVA-Modernisierung: Schöner Wohnen im Glasmoor

Das neue Haus III der Justizvollzugsanstalt als Simulation: In den Jahren 2018 bis 2019 soll es gebaut werden

Das neue Haus III der Justizvollzugsanstalt als Simulation: In den Jahren 2018 bis 2019 soll es gebaut werden

Foto: Sibylle Kramer Architekten BDA

Der Hamburger Senat hat die Modernisierung der Justizvollzugsanstalt Glasmoor beschlossen. 33 Millionen Euro werden investiert.

Der denkmalgeschützte Knast im Norderstedter Glasmoor bekommt eine Verjüngungskur – und zwar eine durchaus kostspielige. 33 Millionen Euro wird der Hamburger Senat in das historische Gemäuer investieren, das in den 20er-Jahren nach den Plänen des Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher entstand.

Bei den Angestellten in der Justizvollzugsanstalt sorgt die gute Nachricht aus der Hamburger Justizbehörde für Erleichterung. „Wir freuen uns wirklich sehr, dass der Ausbau und die Modernisierung der JVA jetzt endlich beschlossen ist“, sagt die Leiterin der Anstalt, Angela Biermann. „Das war überfällig.“

Geplant ist, den Standort Glasmoor um ein weiteres großes Hafthaus zu erweitern und die bestehenden Häuser zu modernisieren. In der JVA waren Hafträume für bis zu acht Gefangene Usus – sie sollen nach dem Umbau endgültig der Vergangenheit angehören. „Derzeit sind alle 209 Haftplätze voll belegt“, sagt Biermann. Wenn die Modernisierung abgeschlossen ist, werden im Glasmoor bis zu 250 Gefangene im offenen Vollzug wohnen.

Das neue Hafthaus wird erst von 2018 an gebaut

Doch bis die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es noch einige Zeit dauern. „Mit ersten Arbeiten soll 2017 begonnen werden“, sagt Thomas Baehr, Sprecher der Justizbehörde. Das neue Hafthaus III und die Küche sollen nach derzeitigem Stand 2018 bis 2019 errichtet werden, anschließend folgt bis 2022 die Sanierung von Hafthaus I.

„Der auf den ersten Blick lange Zeitraum entsteht dadurch, dass wir in mehreren Bauabschnitten arbeiten, weil der Ausbau und die Sanierung im laufenden Betrieb erfolgen“, sagt Baehr. Andernfalls hätten die betroffenen Bereiche vorübergehend stillgelegt werden müssen. Doch die Haftplätze im offenen Vollzug werden dringend gebraucht, es bestehen Wartelisten für die Plätze. Eine Reduzierung des Angebotes durch die Renovierungsarbeiten sollte vermieden werden.

Was nicht vermieden werden konnte, ist die Kostenexplosion bei dem Vorhaben. Ursprünglich waren für die Arbeiten an der JVA Glasmoor nämlich nur etwa 16,9 Millionen Euro vorgesehen gewesen. „Nach Berücksichtigung der Grundsätze des kostenstabilen Bauens und einer Fortschreibung der Planung haben sich im vergangenen Jahr Mehrkosten von rund 16.700.000 Euro gegenüber der ursprünglichen Planung ergeben“, heißt es nun in der Pressemitteilung von Justizsenator Till Steffen. Bei der Bemessung des Haftplatzbedarfes habe auch die mögliche Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein im Strafvollzug eine Rolle gespielt. Hamburg hat bei der Prüfung allerdings festgestellt, dass die 250 Haftplätze im Glasmoor auch ohne zusätzliche Häftlinge aus dem Nachbarland problemlos voll werden. Entsprechend wurde nun die Umsetzung genehmigt. Obwohl die Haftanstalt in Norderstedt liegt und eines der wenigen echten Denkmale der Stadt ist, gehört die Haftanstalt der Hansestadt. Bei der Ausbauplanung und der Modernisierung ist die Stadt Norderstedt nicht involviert. Wohl aber bei der Zuwegung zur Haftanstalt. Denn auch die Straße zur Haftanstalt soll grundlegend erneuert werden. Hierbei müssen die Hamburger mit den Norderstedter Behörden zusammenarbeiten.

Dass die Hafthäuser im Glasmoor nach Jahren endlich zeitgemäß gestaltet werden, dürfte nicht zuletzt die Gefangenen freuen. Was die von der Qualität der Unterbringung im Norderstedter Knast halten, kann man in Internet-Foren wie dem knast.net nachlesen. Im März schreibt sich ein Inhaftierter seinen Frust von der Seele: „Die Einrichtung bedeutet für seine Insassen ununterbrochenen Stress. Es gibt keine Privatsphäre, da die Unterbringung, überwiegend in Sechs- bis Achtmannsälen, dieses nicht zulässt.“