Norderstedt
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Die Laubbläser gefährden unsere Umwelt

Foto: Michael Schick

Betriebsamt setzt Geräte ein, die die Ohren schonen und den Klimaschutz verbessern. Stadt erfüllt Minimalforderung der Umweltverbände.

Zu laut und eine Gefahr für die Natur – so kritisieren die Umweltverbände BUND und Nabu den Einsatz der Laubbläser, mit denen kommunale Gärtner, Fachfirmen und private Grundstücksbesitzer dem Laub zu Leibe rücken. Das Betriebsamt in Norderstedt hat darauf reagiert und setzt Geräte ein, die die Ohren schonen und den Klimaschutz verbessern. Die städtischen Gärtner pusten die Blätter mit sechs akkubetriebenen Blasrohren von den Wegen. „Die haben annähernd die gleiche Leistung wie die herkömmlichen, motorgetriebenen Geräte, sind aber deutlich leiser und haben keinen Schadstoffausstoß“, sagt der Leiter des Betriebsamtes im Rathaus, Martin Sandhof, der die alten Laubbläser nach und nach durch moderne Puster ersetzt.

Damit erfüllt die Stadt eine Minimalforderung der Umweltverbände, die fordern, möglichst ganz auf Technik zu verzichten und zu Harke und Besen zu greifen. „Laubsauger oder -bläser stören den Naturhaushalt und belasten durch Lärm, Schadstoffe und unnötigen Energieverbrauch die Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier“, sagt Diplom-Biologin Birte Pankau vom BUND Schleswig-Holstein. Schallpegel von mehr als 100 Dezibel entsprächen dem Lärm eines Presslufthammers. Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass ein Laubbläser bis zu 200-mal so viele unverbrannte Kohlenwasserstoffe ausstößt wie ein Auto mit geregeltem Katalysator. Neben Kohlenwasserstoffen werden Stickoxide ausgestoßen und Feinstaub aufgewirbelt.

Mit „orkanartigen Luftgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde“ werde, so Pankau, die Bodenbiologie beeinträchtigt, wichtige Kleinlebewesen wie Käfer und Spinnen würden zusammen mit dem welken Laub radikal entfernt. „Bei Laubsauggeräten mit Häckselfunktion werden sie meist im gleichen Arbeitsgang zerstückelt“, sagt Horst Bollmann vom Nabu in Norderstedt. Auch für Kleinsäuger ohne Fluchtverhalten wie Igel und ihre Jungen seien diese modernen Geräte lebensbedrohlich.

Harke und Besen kommen bei den städtischen Gärtnern in Norderstedt nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. „Wir müssen effizient arbeiten, aus betriebswirtschaftlichen Gründen, aber auch, um die Sicherheit auf den Wegen zu gewährleisten. Und das funktioniert nicht ohne Maschinen“, sagt Sandhof. Für ein gutes Drittel der Bläser-Flotte liefern schon Akkus den Strom. Jedes dieser Profi-Geräte kostet gut 2500 Euro. Durch den Batteriebetrieb sinkt der Schallpegel auf rund 80 Dezibel, das entspricht etwa dem Lärm, den ein vorbeifahrender Lkw erzeugt.

Nach einem halben Tag intensiver Arbeit müssen die Akkus, die die Gärtner auf dem Rücken tragen, ans Netz. „Die werden bei uns auf dem Bauhof mit Solarstrom aufgeladen“, sagt Sandhof.

Ähnlich stellt sich die Situation in Henstedt-Ulzburg dar. Die Gemeinde setzt noch motorgetriebene Geräte ein, beschränkt den Einsatz so weit es geht auf Flächen wie Außenbereiche und Grünflächen, in denen die Bürger nicht so extrem durch den Lärm gestört werden. Auch hier stellen die Verantwortlichen auf Akku-Geräte um, der Austausch soll Ende 2018 erledigt sein. Allerdings sollen weiter einige „Großbläser“ mit Verbrennungsmotor eingesetzt werden, da sie leistungsfähiger sind. Motorbläser arbeiten dort, wo die Verkehrssicherheit schnell hergestellt werden muss: auf Fuß- und Radwegen, an Bushaltestellen und Überwegen oder Schulwegen.

Auch Kaltenkirchen fährt zweigleisig und setzt gleichermaßen Motor- und Akku-Bläser ein. In Bad Bramstedt kommen Motorbläser, aber auch Harke und Besen zum Einsatz. Die Motorbläser würden von den Bürgern weitgehend akzeptiert. „Ernstzunehmende Beschwerden sind mir bisher nicht bekannt geworden“, sagt Erich Dorow vom Bauamt.