Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Politiker kämpfen gegen geplante Erdkabel

Gemeindevertreter Jens Iversen stellte Spraydosen auf das Rednerpult und empfahl jedem Politiker in der Großgemeinde, diese zu nutzen und die gemeinsamen Protestplakate überzusprühen, falls es einen Meinungswechsel gegeben habe

Gemeindevertreter Jens Iversen stellte Spraydosen auf das Rednerpult und empfahl jedem Politiker in der Großgemeinde, diese zu nutzen und die gemeinsamen Protestplakate überzusprühen, falls es einen Meinungswechsel gegeben habe

Foto: Frank Knittermeier

Während der Sitzung der Gemeindevertretung kam es zum Schulterschluss aller Fraktionen im Protest gegen die 380-kV-Leitung.

Die Gemeindepolitiker sind sich einig: „Wir wollen nicht die Stromhauptstadt Schleswig-Holsteins werden.“ Diese Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dietmar Kahle machten sich alle Ratsmitglieder in Henstedt-Ulzburg zu eigen. Während der Sitzung der Gemeindevertretung am Dienstagabend kam es zum erneuten Schulterschluss aller Fraktionen im Protest gegen die 380-kV-Leitung, die durch den Ort laufen soll.

Iversen stellte Spraydosen auf das Rednerpult

Die Wählergemeinschaft Bürger für Bürger (BfB) hatte das Thema provokant zur Sprache gebracht. Gemeindevertreter Jens Iversen stellte Spraydosen auf das Rednerpult und empfahl jedem Politiker in der Großgemeinde, diese zu nutzen und die gemeinsamen Protestplakate überzusprühen, falls es einen Meinungswechsel gegeben habe.

Er selbst sei sich nämlich nicht sicher, ob wirklich noch alle an einem Strang zögen. Angesichts der verhärteten Fronten zwischen Tennet und der schleswig-holsteinischen Landespolitik auf der einen sowie den Henstedt-Ulzburgern auf der anderen Seite empfahl Iversen: „Wir brauchen einen Strategiewechsel. Das geplante Umspannwerk sei größer geplant als aktuell benötigt. „Also werden“, so folgerte er, „weitere Leitungen folgen.“

Eine 380-kV-Leitung – egal, ob Freileitung oder Erdkabel – gehört nach Ansicht der Gemeindepolitiker nicht in eine dicht besiedelte Gemeinde sondern an die geplante Autobahn A 20. “Dieser Ort hat es nicht verdient, durch eine Stromtrasse zerschnitten zu werden“, sagte FDP-Politiker Klaus-Peter Eberhard.

Für den von der BfB geforderten Strategiewechsel in Sachen Leitungsprotest aber ist es nach Ansicht der Ratsmehrheit noch zu früh. Zunächst wollen alle den Beginn des Planfeststellungsverfahrens im kommenden Jahr abwarten, um dann mit gezielten Maßnahmen das Optimum für Henstedt-Ulzburg herauszuholen.