Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Paracelsus-Klinik: Geburtshilfe bleibt bestehen

Die Paracelsus-Klinik ist eine beliebte Geburtsklinik. Bis zu 850 Geburten werden in diesem Jahr erwartet

Die Paracelsus-Klinik ist eine beliebte Geburtsklinik. Bis zu 850 Geburten werden in diesem Jahr erwartet

Foto: Frank Knittermeier / HA

Weil es in der Gynäkologie und Geburtsabteilung zu viele Ärzte gibt, steigen Ausgaben der Paracelsus-Klinik. So soll gespart werden.

Henstedt-Ulzburg.  Schon seit Wochen kursiert unter den Mitarbeitern der Paracelsus-Klinik ein Gerücht, das inzwischen Kreise gezogen hat: Die Geburtsabteilung der Paracelsus-Klinik an der Wilstedter Straße soll geschlossen werden. Die Konzernleitung und auch die örtliche Klinikleitung distanzieren sich davon, weisen aber auch darauf hin, dass die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe seit Jahren kontinuierlich erhebliche Verluste schreibt und es bisher nicht gelungen ist, diese Finanzmisere in den Griff zu bekommen.

Die Alarmglocken schrillen, die Angelegenheit wird von Gesellschafter Dr. Manfred Georg Krukemeyer mit höchster Priorität behandelt. Die Spitzen der Osnabrücker Geschäftsleitung trafen sich jetzt, um gemeinsame Lösungswege zu finden. „Wir suchen nach strukturellen und personellen Lösungen, die die extreme wirtschaftliche Schieflage der Abteilung beheben sollen, um Schaden von der gesamten Klinik abzuhalten“, sagt Simone Hoffmann, Sprecherin der Paracelsus-Gruppe. Und sie macht deutlich: „Die Geburtshilfe wird nicht geschlossen.“

In der Chefetage der Paracelsus-Gruppe ist man sich offenbar auch weitgehend darüber einig, an welchem Ende gespart werden soll: Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es Einschnitte im ärztlichen Bereich. 19 Vollzeitkräfte im Bereich Geburtshilfe und Gynäkologie sind für die Verantwortlichen des Krankenhauskonzerns zu viel. Das weiß auch Martin Steigleder, Henstedt-Ulzburger Verwaltungsleiter der Klinik: „Im deutschlandweiten Vergleich zu anderen Kliniken sind wir in diesem Bereich zu gut aufgestellt.“ Für Simone Hoffmann ist klar, dass Ärzte nötig sind, die nicht nur als Mediziner, sondern auch als Manager eine gute Figur machen. „Die Chefärzte müssen auch auf diesem Gebiet in die Verantwortung genommen werden.“ Nicht geplant sei, im Pflegebereich einzusparen.

Nach den Berechnungen von Martin Steigleder erwirtschaftet der Bereich Gynäkologie mit seinen rund 800 Patienten pro Jahr mehr Minus als der Bereich Geburtshilfe. Aber auch in der Geburtshilfe klaffe die Schere zwischen Einnahme und Ausgabe erheblich: Im Durchschnitt koste eine Geburt 2800 Euro. Da rund um die Uhr mit Geburten zu rechnen sei, müsse ständig der ganze Apparat vorgehalten werden. Zudem seien die Haftpflichtprämien sehr hoch. „Da sind die Kosten natürlich nicht zu decken.“ In diesem Jahr wird mit einer Steigerung der Geburtenzahlen gerechnet: Etwa 850 Kinder werden bis zum 31. Dezember in der Klinik das Licht der Welt erblicken – erheblich mehr als im Jahr zuvor: 2015 waren es 715 Babys.

Insgesamt stellt sich die Bilanz der Henstedter-Ulzburger Paracelsus-Klinik für die Konzernleitung noch nicht völlig befriedigend dar, aber der Patient scheint auf dem Wege der Besserung und gesundet von Jahr zu Jahr. Während 2012 ein Verlust von rund vier Millionen Euro geschrieben wurde, wird für 2016 ein Verlust von rund zwei Millionen Euro erwartet. „Aber gerade, weil die Klinik auf gutem Weg ist, müssen wir bei jeder einzelnen Abteilung genau hinschauen“, sagt Simone Hoffmann. „Wir können es uns nicht leisten, an irgendeiner Stelle nicht das Beste für die jeweilige Abteilung zu erreichen.“ Vor einem Jahr hatte Konzernchef Krukemeyer gegenüber dem Abendblatt trotz der bestehenden Verluste eine Blankogarantie für das Henstedt-Ulzburger Haus ausgestellt. „Die Häuser, die wir haben, behalten wir auch“, hatte er erklärt.

Eine mögliche Schließung der Geburtsabteilung hätte auf die gesamte Krankenhauslandschaft in Schleswig-Holstein weitreichende Folgen. Denn schon in vielen anderen Krankenhäusern wurde diese Abteilungen geschlossen, weil sie sich nicht mehr rentieren. Gleichzeitig aber ist auch ein eklatanter Hebammenmangel zu beklagen. Krankenhäusern abseits der Metropolen gelingt es immer seltener, diese Fachkräfte anzuwerben. In Neustadt, Bad Oldesloe, Oldenburg, auf Sylt und Föhr gibt es in den Krankenhäusern keine Geburtsstationen mehr. Helgoländerinnen bringen ihre Babys in der Henstedt-Ulzburger Klinik zur Welt; darüber gibt es ein Abkommen.

Über die vergangenen 20 Jahre (Daten von 1994 bis 2013) verzeichnet das Statistische Bundesamt ein Minus von 68 klinischen Abteilungen für Geburtshilfe für die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Das entspricht einem Rückgang von 34 Prozent. Nur noch in 22 schleswig-holsteinischen Kliniken kommen Kinder zur Welt. Auch bundesweit ist dieser Trend zu beobachten.