Norderstedt
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Er ist der Komponist des Hornbach-Jingles

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Chorleiter komponierte für Baumarktkette Hornbach die Erkennungsmelodie. Jingle wurde online über Hunderttausend Mal angeklickt.

Norderstedt.  Seinen musikalischen Durchbruch erlebte Martin Ziemsky vor 15 Jahren. Da komponierte der Norderstedter Chorleiter, der vier Hochschuldiplome besitzt, seit 25 Jahren Chöre leitet und 40 Klavierschüler in Norderstedt unterrichtet, einen echten Ohrwurm, der inzwischen mehrere Hunderttausend Mal auf der Internet-Plattform YouTube angeklickt wurde und seitdem im Fernsehen und im Radio gedudelt wird. Es ist der Jingle: „Ja, ja, jippie jippie yeah“, mit dem die Baumarktkette Hornbach bundesweit Werbung macht.

Doch für den Norderstedter Ziemsky zahlte sich dieser Dauerbrenner leider nicht aus, wie er allerdings ohne Bedauern erzählt. 600 Mark habe er damals für diese Auftragsarbeit im Juli 2001 erhalten, erinnert sich der heute 56-Jährige. Für ein Hamburger Produktionsstudio sollte er den Werbeclip komponieren. „Das musste alles ganz schnell gehen.“ Für das Multitalent Ziemsky kein Problem.

Innerhalb von einer Viertelstunde hatte er eine Country- und eine Comedian-Harmonists-Version dieser eingängigen Melodie aus seinem Kopf auf Notenpapier geschrieben. Die Harmonists-Fassung wurde dann noch am selben Tag vertont und stellt bis heute die unverwechselbare Erkennungsmelodie dieser Baumarktkette dar. Er habe dann noch die Musik für ein paar weitere Werbeclips, unter anderem für eine österreichische Möbelkette arrangiert, erzählt Ziemsky. Aber keiner sei mehr so erfolgreich gewesen wie der erste.

Musik ist für Martin Ziemsky alles. „Mit acht Jahren wollte ich Komponist werden, mit zwölf lernte ich Gitarre“, erzählt der gebürtige Hamburger. Nach dem Abitur musste er unbedingt Musik studieren und machte im Laufe der Jahre vier Abschlüsse für klassische Gitarre und ein Komponisten-Diplom, er ist ausgebildeter Musiklehrer fürs Gymnasium und hat eine Studium für Gehörtraining und Satzlehre absolviert, die wichtigste Voraussetzung, um ein Stück für mehrstimmige Chöre zu arrangieren. „Das ist mein absolutes Steckenpferd“, sagt Ziemsky.

Für diese Leidenschaft musste er auch Opfer bringen. „Ich habe einen hohen Preis bezahlt. Meine Eltern haben mich enterbt“, gibt Ziemsky freimütig zu. „Sie sagten: ‚Wenn du das tust, bist du nicht mehr unser Sohn.‘“ Doch Ziemsky konnte nicht anders, die Musik war ihm das Wichtigste und ist es bis heute geblieben.

Darum verlangt der Chorleiter seinen Chören auch alles ab. Sie müssen Disziplin zeigen, gut vorbereitet sein, immer zu den wöchentlichen Proben kommen, sonst klappt es nicht, weiß er aus eigener Erfahrung. Chorleiter zu sein, gehe nicht ohne Konflikte ab, sagt Ziemsky. „Das ist auch harte Psychoarbeit.“ Er vergleicht die Aufgabe des Chorleiters mit einem Fußballtrainer. „Wenn die Mannschaft gewinnt, feiern sich die Spieler. Wenn sie verliert, ist der Trainer schuld.“ Misslingt ein Konzert, trifft der Chor die Stimme nicht, klingt es irgendwie falsch oder hört es sich lasch und fade an, werden alle auf den Chorleiter zeigen, sowohl das Publikum wie auch die Sänger. „Mit dieser Angst muss ich leben“, sagt Ziemsky. Darum verlangt er seiner Truppe ständig alles ab. Wer nicht spurt, fliegt raus.

Das Resultat überzeugt. Die Jahreskonzerte von Chorus-Mind sind immer ausverkauft. Noch gibt es Restkarten für das diesjährige Konzert, das am Sonnabend, 12. November, stattfindet. Das Publikum könne sich darauf verlassen, dass es eine zweistündige Show voller Power und Hits gibt. „Wenn wir auf der Rampe stehen, ist Top oder Flop. Da plätschert nichts dahin, da ist keine Langeweile. Das ist geballte Power, voller Kraft. Wir wollen die Zuhörer mit unserer Begeisterung anstecken.“

Ob und wie gut ihm das gelingt, davon können sich die Zuhörer am 12. November im Kulturwerk überzeugen. Da wird Ziemsky, der wie ein Irrwisch auf der Bühne herumtanzt und zwischen den Stücken das Publikum gerne mit witzigen Anekdoten zu unterhalten weiß, seine 50 Chorsänger wieder zu Höchstleistungen antreiben. Selbst schwierigste Songs werden zum Teil siebenstimmig vortragen. Ein halbes Dutzend neuer Arrangements sind zu hören, die er mit ihnen erst im Laufe dieses Jahres in rund 50 Proben einstudiert hat. Darunter sind wieder echte Pop- und Rock-Klassiker wie Die-Neue-Deutsche Welle-Hymne „Deine blauen Augen“, „Over the Rainbow“ aus dem Zauberer von Oz oder David Bowies „Life on Mars“, mit dem Ziemsky eines seiner in diesem Jahr verstorbenen Idole würdigen wollte. Damit alle ihren Einsatz kennen, ihre Stimmlage hören, den Rhythmus nachempfinden können, hat jedes Chormitglied eine auf ihn abgestimmte Musik-Datei mit nach Hause zum Üben bekommen, die Ziemsky eigens für jede Stimmlage eingesungen hat.

„Chorus Mind ist das Beste, was mir passiert ist“, sagt Ziemsky. „Ich wollte immer die Musik machen, die ich selber gerne höre, Pop, Rhythm-Blues, Soul und Gospels.“ 130 verschiedene Stücke hat der Chor nach 16 Jahren im Repertoire. Alle auswendig, versteht sich. Denn Chorus Mind heiße, die Musik im Kopf zu haben, betont der strenge Chorleiter. Seine Mitstreiter lieben und hassen ihn dafür. Nach dem Konzert wissen sie aber immer wofür die ganze Mühe war: pure Begeisterung.

Konzerte Chorus Mind tritt am Sonnabend, 12. November, im Norderstedter Kulturwerk an der Stormarnstraße auf. Das Jahreskonzert beginnt um 19.30 Uhr; Restkarten zu Preisen zwischen 9 und 13 Euro gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.
Bereits an diesem Sonntag ist der Gemischte Chor Bönningstedt unter der Leitung von Martin Ziemsky mit der Bigband der Freiwilligen Feuerwehr Garstedt in der Aula der Gemeinschaftsschule Rugenbergen zu sehen und zu hören. Karten-Vorverkauf: Blumen Fromme, Kieler Straße 66, und Büro-Center König, Kieler Straße 114, oder Tageskarte ab 15.30 Uhr am Sonntag vor Ort