Norderstedt
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Bilanz: 7304 Temposünder in vier Wochen

Die Stadt wird nicht müde, zu betonen, dass es beim Blitzen im Stadtgebiet nicht um das Abkassieren der Autofahrer gehe

Die Stadt wird nicht müde, zu betonen, dass es beim Blitzen im Stadtgebiet nicht um das Abkassieren der Autofahrer gehe

Foto: Hans-Eckaert Jaeger / HA

Stadt Norderstedt legt erste „Blitzer-Bilanz“ seit dem Scharfstellen der stationären Radargeräte vor. 10.800 Verstöße in sechs Wochen.

Norderstedt.  Was sich ein Autofahrer auf der Schleswig-Holstein-Straße im Oktober erlaubte, ist an Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr kaum mehr zu überbieten: Mit einer von der Radaranlage ermittelten Geschwindigkeit von 157 Kilometern pro Stunde raste er durch die Tempo-60-Zone. Der traurige Spitzenreiter in Norderstedts erster „Blitzer-Monatsbilanz“ wird kräftig büßen müssen: 600 Euro Bußgeld, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot sieht der Bußgeldkatalog vor.

Die erste Bilanz der fest montierten sieben Messanlagen ist erschreckend: 7304 Geschwindigkeitsverstöße gab es im Monat Oktober, 3496 kommen aus den letzten beiden September-Wochen nach dem Scharfstellen der Blitzanlagen am 14. September dazu. Insgesamt gab es also 10.800 Geschwindigkeitsverstöße in sechs Wochen, umgerechnet etwa 60 Verstöße an jedem Tag.

„Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Überwachung des fließenden Verkehrs zur Umsetzung unserer Lärmschutzziele und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Stadtgebiet richtig und notwendig ist“, sagt Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote. „Der traurige Spitzenreiter auf der Schleswig-Holstein-Straße ist eines von vielen eklatanten Beispielen dafür, wie sich Menschen über die Spielregeln unseres gemeinsamen Miteinanders hinwegsetzen und andere in hohem Maße gefährden.“

Die meisten Geschwindigkeitsüberschreitungen (2387) wurden im Oktober von der Messanlage an der Oadby-and-Wigston-Straße aufgezeichnet. An der Messstelle gilt Tempo 50. An der Poppenbütteler Straße, wo tagsüber eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde erlaubt ist und nachts aus Lärmschutzgründen nicht schneller als Tempo 30 gefahren werden darf, gab es im Oktober 2381 Tempoverstöße. Mehrere Fahrer fuhren nachts mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde durch den Tempo-30-Bereich. An der Niendorfer Straße, wo von 22 bis 6 Uhr ebenfalls zur Lärmminderung ein Tempolimit von 30 Kilometer pro Stunde gilt, waren es innerhalb von 31 Tagen 1688 Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Obwohl sie erst in den letzten Oktobertagen an der Schleswig-Holstein-Straße, in Höhe des Arriba-Sommerparkplatzes, in Betrieb genommen wurde, erfasste das Radargerät hier 735 Temposünder– darunter den Negativ-Spitzenreiter. Generell auffällig sei in Norderstedt, dass die Zahl der Verstöße an Freitagen und Sonnabenden stark ansteige.

Die Investitionen werden durch Bußgelder refinanziert

Noch nicht bilanziert wurden die Messgeräte, die an drei Standorten die Rotlichtverstöße registrieren (siehe Karte). Die Stadt wird Ende November, bei der nächsten monatlichen Bilanz, eine erste Auswertung liefern. Ein vierter Rotlicht-Blitzer soll an der Kreuzung Niendorfer Straße und Ohechaussee eingebaut werden. Außerdem ist seit einigen Tagen ein mobiles Blitzfahrzeug im Einsatz – auch hier gibt es noch keine Ergebnisse. 450.000 Euro hat die Stadt in Geräte und Technik investiert, zusätzlich 340.000 Euro kommen jährlich für Personal und Bearbeitung hinzu. Doch wenn die Zahl der Temposünder so bleibt, amortisiert sich das Unterfangen schnell: Wenn allein die 7304 Geschwindigkeitsverstöße aus dem Oktober rechtskräftig geahndet werden können, werden 187.425 Euro an Bußgeldern fällig.

Die Stadt wird nicht müde, zu betonen, dass es beim Blitzen im Stadtgebiet nicht um das Abkassieren der Autofahrer gehe. „Mit der Überwachung des fließenden Verkehrs wollen wir kein Geld verdienen“, sagt Grote. „Wenn wir die Geschwindigkeit der Autos überwachen und auf diesem Wege das Geschwindigkeitsniveau senken, verringern wir im Sinne der Menschen unserer Stadt die Lärmbelastung durch den Autoverkehr – und erhöhen die Verkehrssicherheit.“ Dass es Norderstedt mit diesem Ziel ernst meine, sehe man auch daran, dass an den größeren Einfallstraßen nach Norderstedt von Beginn an gut sichtbar mit Schildern auf die „Geschwindigkeits-Kontrollen“ hingewiesen werde.

Mal ehrlich: Wurden Sie auch schon geblitzt? Und wenn ja: Was überwiegt bei Ihnen? Die Selbstkritik oder die Wut über das „Blitzgewitter“ über den Straßen der Stadt? Und: Sorgt das Blitzen für mehr Ruhe an Poppenbütteler und Niendorfer Straße? Und für gefühlt mehr Sicherheit auf den Straßen? Erzählen Sie uns Ihre Blitzgeschichten und schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema an norderstedt@abendblatt.de. Keine Angst: Bei Bedarf behandeln wir Ihre Zuschrift anonym.