Norderstedt
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Zwei Schüler fehlten nach 50 Jahren unentschuldigt

Die 10a heute. 16 Ehemalige kamen nach 50 Jahren im Norderstedter Restaurant Ionos zusammen. Sie hatten sich viel zu erzählen

Die 10a heute. 16 Ehemalige kamen nach 50 Jahren im Norderstedter Restaurant Ionos zusammen. Sie hatten sich viel zu erzählen

Foto: Frank Knittermeier / HA

50 Jahre nach der Schulentlassung trafen sich ehemalige Harksheider Realschüler und -schülerinnen. Die Klassenlehrerin war auch da.

Norderstedt.  Wie sich die Zeiten doch ändern. Christian Müller schaffte seinen Abschluss an der Realschule Harksheide, Fadens Tannen, nur mit Ach und Krach. „Ich war ein schlechter Schüler und galt sogar als unbeschulbar“, erinnert er sich heute. Doch das ist lange her: Vor 50 Jahren gehörte er zu den 30 Schülerinnen und Schülern der Klasse 10a, die nach dem ersten Kurzschuljahr in Schleswig-Holstein Ende November 1966 ihre mittlere Reife erlangten. Später holte er das Versäumte nach, promovierte und verdiente als Diplom-Ingenieur seinen Lebensunterhalt. Heute ist Dr. Christian Müller der Antreiber: Obwohl er in Obersdorf in Bayern lebt, organisiert er die regelmäßigen Klassentreffen – natürlich auch das aktuelle: 50 Jahre Schulentlassung.

Anfang der 60er begann das Schuljahr noch im April

Das Jahr 1961 war für die damalige Gemeinde Harksheide von einiger Bedeutung: Die erste Realschule des Ortes, der zu den Ursprungsgemeinden der Stadt Norderstedt gehört, wurde eingeweiht. Allerdings nicht, wie ursprünglich gedacht, gleich mit Schuljahresbeginn, sondern erst einige Wochen später. Damals begann das Schuljahr noch im April, der Schulbetrieb wurde erst Mitte Mai aufgenommen. „Bis dahin“, so erinnert sich Christian Müller, „wurden wir in einem Reetdachgebäude an der Segeberger Chaussee unterrichtet.“ Die 5a und die 5b wechselten dann in die nagelneue Realschule Harksheide hin­über, wo der normale Schulalltag seinen Lauf nahm. Heute gibt es die Realschule Harksheide nicht mehr. Im Jahr 2007 wurde sie zur Gemeinschaftsschule, heute sind in dem Gebäude Flüchtlinge untergebracht.

Eine junge Lehrerin übernahm damals die Klasse und behielt sie bis zum Abschluss: Klassenlehrerin Gisela Kramer war gerade einmal 23 Jahre alt, als sie mit frischem Staatsexamen in der Tasche in der Realschule ihren Dienst begann. „Wir Schüler waren schlicht und einfach die Kleinkramer“, erinnert sich Ulrich Rohlfing aus Henstedt-Ulzburg, der nach der Schule eine Ausbildung zum Industriekaufmann begann und vor einem Jahr als Industriefachwirt in Rente ging. Er musste immer mit dem Fahrrad über die neu gebaute Schleswig-Holstein-Straße von Hen­stedt-Ulzburg nach Norderstedt strampeln

Beim Klassentreffen war Gisela Kramer, die jetzt Gisela van Riesenbeck heißt und in Hamburg wohnt, natürlich Ehrengast. Inzwischen duzen sich die ehemaligen Schüler mit ihrer Lehrerin, die kurz vor ihrem 79. Geburtstag steht und sich freut, dass sie zu jedem Klassentreffen ihrer ersten Klasse eingeladen wird.

Heute duzen sich alle mit ihrer ehemaligen Klassenlehrerin

Der Abschlussjahrgang 1966 war ein besonderer: In Schleswig-Holstein wurde damals das Schuljahr verändert. Weil das neue Schuljahr nicht mehr im April, sondern nach den Sommerferien beginnen sollte, wurden zwei Kurzschuljahre eingeschoben: Von April bis Ende November 1966, dann von Dezember bis zu den Sommerferien 1967. Im Hamburg folgte dieser Schritt erst fünf Jahre später. Die damalige 10a der Realschule Harksheide musste das Pensum der zehnten Klasse also im Eiltempo absolvieren.

Wahrscheinlich ist es auch der rührigen Klassenlehrerin zu verdanken, dass der Zusammenhalt der ehemaligen 10a heute immer noch funktioniert. Im Rentenalter, alle sind 65 oder 66 Jahre alt, verstehen sich die Klassenkameraden von einst immer noch hervorragend. Vor über 50 Jahren war der Zusammenhalt sogar so groß, dass die ganze Klasse auf eine Klassenfahrt verzichten wollte, weil vier Mitschüler wegen schlechten Verhaltens zu Hause bleiben sollten. Sie hatten zu viele Tadel kassiert. Natürlich musste die Fahrt trotzdem stattfinden, von diesem Akt der Solidarität wird aber heute noch gesprochen.

Von den ehemals 30 Schülerinnen und Schüler nahmen letztlich 16 am Klassentreffen teil. Zwei hatten wegen Krankheit noch kurzfristig abgesagt, zwei fehlten „unentschuldigt“, einer lebt in Thailand, einer ist verstorben, andere hatten vorher abgesagt. Unter den anwesenden Mitschülern war auch der ehemalige Harksheider Wehrführer Erwin Wessel. Mit Schulfreund Rüdiger Bethke in Thailand sollte zu später Stunde eigentlich noch ein Skype-Kontakt hergestellt werden, das aber klappte leider nicht.

Das nächste Klassentreffen soll nicht im bisherigen Abstand von fünf Jahren stattfinden, sondern schon in drei Jahren, wurde vereinbart. „Wir sind jetzt in einem Alter, wo die Einschläge immer dichter kommen“, sagt Ulrich Rohlfing. „Da wollen wir uns häufiger treffen.“