Norderstedt
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Internet wichtiger als Straßenautobahnen

IHK-Vizepräses Arno Probst (l.) und Prof. Thomas Straubhaar leiteten die Diskussionsrunde

IHK-Vizepräses Arno Probst (l.) und Prof. Thomas Straubhaar leiteten die Diskussionsrunde

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Handelskammer lud zur Diskussionsrunde mit Professor Straubhaar nach Norderstedt ein. 50 Vertreter aus der Wirtschaft kamen.

Norderstedt.  Das alte Format mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Björn Engholm auf dem roten Sofa habe sich nach zehn Auftritten totgelaufen, erklärte IHK-Präses Friederike Kühn zu Beginn der neuen Veranstaltungsreihe im Schulungszentrum ESI von Johnson & Johnson in Norderstedt. Nun sei die Diskussionsrunde „Fokus Wirtschaft“ aufgelegt worden, die in Norderstedt Premiere hatte.

IHK-Vizepräses Arno Probst ließ sich dabei vom früheren Direktor des Hamburger Weltwirtschafts-Instituts, Prof. Thomas Straubhaar, als Co-Moderator unterstützen. Ihr Thema: Chancen der Digitalisierung für den ländlichen Raum.

„Digitalisierung bedeutet: Alle wissen alles über alle jederzeit und überall“, definierte Straubhaar. Wenn sich früher die großen Wirtschaftsbetriebe in den Ballungszentren, an Häfen und anderen verkehrsgünstigen Lagen ansiedelten, seien diese Standortvoraussetzungen heute überflüssig, wenn nur die Breitbandversorgung vorhanden sei. „Diese standortunabhängigen Bedingungen sind eine historische Chance für den ländlichen Raum und bieten ihm neue Geschäftsmodelle.“

Als Beispiel dieser Wirtschaftswelt von morgen nannte der Wirtschaftsexperte die zukünftige Medizintechnik. Die minimalinvasive Schlüsselloch-Chirurgie, dem Fachgebiet von Norderstedts größtem Unternehmen Johnson & Johnson, biete künftig die Aussicht für Ärzte, Patienten von überall auf der Welt zu operieren.

Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote unterstützte diese Philosophie mit den Worten, dass die Datenautobahnen heute wichtiger seien als die Straßenautobahnen. Insofern sei es eine weitsichtige Entscheidung der Norderstedter Stadtwerke gewesen, vor 20 Jahren voll auf das flächendeckende Glasfasernetz zu setzen, das Norderstedt mit wilhelm.tel als landesweitem Vorreiter inzwischen einen Exportschlager beschert habe. Schleswig-Holstein sei bei der Breitbandversorgung im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt, führte Thomas Lasse-Müller von der Kieler Staatskanzlei aus. Jeder vierte Haushalt sei dank innovativer Stadtwerke an das Glasfasernetz angeschlossen.

Dabei dürfe aber nicht der Mensch vergessen werden, betonte Derya Görgü vom gleichnamigen Maschinenbauunternehmen in Henstedt-Ulzburg. Die Buchhalterin, die die Formulare einfacher online abrufen könne, verstehe den Vorteil dieser Entwicklung. Für den Kunden, der bei einem Maschinenausfall um Hilfe schreie, und dem Monteur, der sich darum kümmern müsse, sehe es anders aus. Dieser enge persönliche Kundenkontakt sei bis auf Weiteres nicht durch digitale Prozesse zu ersetzen, warnte die Unternehmerin.