Norderstedt
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Schwedin lernt am Coppernicus-Gymnasium

Malin Danfors (18) fühlt sich wohl bei Gastbruder Semi Yasin Tosun und Gastmutter Dondu Tosun

Malin Danfors (18) fühlt sich wohl bei Gastbruder Semi Yasin Tosun und Gastmutter Dondu Tosun

Foto: Fenya Hentsch / HA

Malin Danfors will ihr Deutsch verbessern, selbstständiger werden und Kultur kennenlernen. In Schleswig-Holstein fühlt sie sich wohl.

Norderstedt.  „Ich bin nicht hier, um gute Noten zu bekommen, ich möchte meine Sprachkenntnisse verbessern, selbstständiger werden und neue Leute kennenlernen“, sagt Malin Danfors. Die junge Schwedin testet ihre Deutschkenntnisse am Coppernicus-Gymnasium in Norderstedt, über das Austauschprogramm ihrer Heimatschule, dem Swedish Council for Higher Education, ist die 18-Jährige ans Norderstedter Gymnasium gekommen – und stellt nach einigen Wochen fest, dass sie im Unterricht teilweise nichts versteht, da die Lehrer zu schnell sprechen oder sie die Vokabeln nicht kennt. Aber das macht ihr nichts aus, denn es geht ihr nicht nur um die Sprache.

„Ich möchte die Kultur richtig erfahren, deshalb mache ich den Schüleraustausch jetzt und gehe nicht erst nach meinem Abschluss ins Ausland“, sagt die Gastschülerin. Malin gehört zur steigenden Zahl ausländischer Schüler, die nach Deutschland kommen, um hier ein Jahr an einer deutschen Schule zu verbringen. Doch auch immer mehr deutsche Jugendliche zieht es ins Ausland. Ob in die USA, nach Australien oder auch innerhalb von Europa – die Auswahl an Ländern für ein Auslandsjahr ist groß. Genauso vielseitig sind auch die Gründe: eine neue Sprache lernen oder verbessern, die Kultur eines fremden Landes kennenlernen oder den Erfahrungshorizont erweitern stehen ganz oben auf der Liste.

Der Gastschülerin gefällt es in Schleswig-Holstein sehr gut

Malin Danfors wollte zunächst in ein englischsprachiges Land reisen. „Dann aber wollte ich eine andere Sprache besser lernen“, sagt sie. Die Wahl fiel auf Deutschland, da sie bereits seit ein paar Jahren Deutsch im Unterricht hatte. Daher besucht sie auch das sprachliche Profil der 11. Klasse am Coppernicus-Gymnasium. Am 31. August landete der Gast aus dem Norden in Deutschland und traf ihre Gastmutter Dōndū Tosun und ihren Gastbruder Semi Yasin Tosun. Nach den ersten Wochen fühlt sich Malin sehr wohl. Obwohl ihr Wunschbundesland Rheinland-Pfalz war, gefällt es ihr in Schleswig-Holstein sehr gut. „Es hat den Vorteil, dass es näher an zu Hause ist. Ich halte regelmäßigen Kontakt zu meiner Familie, Skype ist schon toll“, sagt sie. Und ihre Mitschüler hätten sie sofort in die Klassengemeinschaft aufgenommen.

Trotzdem weiß sie, dass in Zukunft noch andere Schwierigkeiten als nur die deutsche Sprache auf sie zukommen werden. Das erste Problem hat sie schon gemeistert: Bevor Malin nach Deutschland kam, war sie Veganerin, jetzt ist sie „nur noch“ Vegetarierin. „Man muss sich halt anpassen in manchen Dingen“, sagt sie.

Bei Bedarf kann sich Malin Rat bei ihrer Englisch- und Geografielehrerin Michaela Schwannecke (35) holen. Die Pädagogin organisiert seit drei Jahren den Schüleraustausch am Coppernicus-Gymnasium: „Das Bildungsministerium hat uns Malin vermittelt.“ Das Ministerium habe mehrere Schulen angeschrieben, um eine Gastschule sowie eine Gastfamilie zu finden. Das Coppernicus-Gymnasium bewarb sich und bekam den Zuschlag. Michaela Schwannecke suchte dann eine passende Gastfamilie. „Ich habe über den E-Mail-Verteiler des Schulelternbeirats eine Anfrage verschickt und auch in den Klassen nachgefragt“, sagt die Lehrerin. Schließlich meldete sich die Gastmutter. Die Lehrerin hat sie zu Hause besucht, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Der fiel positiv aus, und so gab sie die Kontaktdaten an Malin weiter. Doch Michaela Schwannecke ist damit noch nicht fertig. Nach den Herbstferien bekommt das „Copp“ Zuwachs aus Kolumbien, möglicherweise sogar auch noch aus Estland.

Bis heute hat Malin ihre Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, nicht bereut: „Das Leben ist nicht immer nur Spaß, da macht es keinen Unterschied, ob ich hier bin oder in Schweden. Daran werde ich versuchen, auch in Zukunft zu denken.“