Norderstedt
Norderstedt

Fluglärm und andere Geräusche, die nerven

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Mehr Menschen in Norderstedt sollen Zuschüsse für Lärmschutz erhalten. Wie wäre es mit Schutz vor Geräuschen aus den Häusern?

Norderstedt.  Flugzeuge verursachen Lärm. Deshalb erhalten die Anwohner bestimmter Straßen in Norderstedt, die besonders vom Geräuschpegel des Luftverkehrs am Hamburger Flughafen betroffen sind, Zuschüsse für Lärmschutzmaßnahmen. Nun wird das Gebiet, dessen Bewohner in den Genuss dieser Zuschüsse kommen, sogar um 25 Prozent vergrößert. Bezahlt wird der ganze Segen, indem die Stadt Norderstedt Brachflächen am Nordport als Parkraum an den Flughafen vermietet. Mit anderen Worten: Die Passagiere, deren Jets im Tiefflug über die Dächer Norderstedts ballern, löhnen mit ihrer Parkgebühr die Dreifachverglasung aller Fensterfronten im Umkreis der Start- und Landebahnen.

Eine Superidee, wie ich finde. Denn zwischen allen Starts und Landungen klaffen immer noch enorme Lücken, in denen überhaupt kein Flugzeug zu hören ist. Dafür dringt aus Häusern und Wohnungen ungedämmt all das nach draußen, was besser innerhalb der Privatsphäre bliebe – Hundekläffen, Kindergeschrei, Ehestreitigkeiten und dergleichen mehr. Damit ist endlich Schluss, wenn die parkgebührgeförderte Dreifachverglasung kommt. Obwohl, ich kenne Schreihälse mit durchdringenden Stimmorganen, da müsste schon eine Fünffachverglasung her. Oder eine Ganzkörper-Lärmschutzwand, falls es sowas gibt. Mit Deckel.

Kritiker des Lärmschutzprogramms fordern die verantwortlichen Politiker dagegen auf, in ihren Verhandlungen mit den Flughafenbetreibern auf eine breitere Verteilung des Verkehrsaufkommens zu drängen, denn bislang entfielen 76 Prozent aller Starts im Sommer auf Norderstedt. Und das sind besonders viele, denn da fliegen ja alle in den Süden. Kreative Lösung: Die Starts werden zahlengerecht auf alle zwölf Monate verteilt und die Buchung verlost. Dann fliegt die Gattin vielleicht im Februar und der Gatte erst im September, aber auch das kann Ehen retten. Am interessantesten wäre allerdings diese Variante: Lärmschutzprämie abkassieren, statt der neuen Dreifachverglasung alle Fenster zumauern und von der Differenz in den Urlaub fliegen. Dann erhöht sich zwar die Anzahl der Flüge. Aber es ist keiner mehr zu Hause, den das nervt.