Norderstedt
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200.000 Euro zusätzlich für Fluglärmschutz

Per Handschlag besiegelt:

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Foto: Michael Penner

Die Stadt Norderstedt und der Flughafen Hamburg legen das Förderprogramm 8+ auf. 25 Prozent mehr Haushalte sollen profitieren.

Norderstedt.  Jeweils 100.000 Euro geben die Stadt Norderstedt und der Flughafen Hamburg jetzt für ein weiteres Lärmschutzprogramm in Norderstedt aus. Die Partner nennen es „Lärmschutzprogramm 8+“, da es sich um eine Erweiterung des 8. Freiwilligen Lärmschutzprogramms handelt. Zwischen 2007 und 2010 investierten Stadt und Flughafen bereits mehr als eine halbe Million Euro in Schallschutzfenster und Lüftungsanlagen in den vom Fluglärm geplagten Wohnstraßen der Stadt.

Ziel des neuen Lärmschutzprogramms ist es, die nordöstlich des bisherigen Fördergebietes liegenden Straßenzüge miteinzubeziehen. Für die Neuauflage des Programms wurde das bestehende Fördergebiet so vergrößert, dass nun 25 Prozent mehr Haushalte in Norderstedt von der Lärmschutzförderung profitieren werden. „Eine genaue Straßenliste werden wir in den nächsten Tagen erarbeiten und vorstellen“, sagt Hauke Borchardt, Sprecher der Stadt Norderstedt. „Heute sind wir zunächst einmal froh, dass der Flughafen Hamburg bereit war, weiteres Geld für das Programm zu geben. Es zeigt sich, dass man in Verhandlungen beim Thema Fluglärmschutz einiges erreichen kann.“

Zur Fortführung des Lärmschutzprogrammes kam es, nachdem Reimer Rathje, Fluglärm-Aktivist und Fraktionschef der Bürgerinitiative Wir in Norderstedt (WiN), die Stadt heftig dafür kritisiert hatte, dass sie auf Brachflächen am Nordport Parkplätze an den Flughafen vermietet und damit quasi an der Ursache für den Fluglärm noch verdiene. Der grüne Fraktionschef Detlev Grube schließlich hatte die Idee, die Einnahmen aus der Parkplatzvermietung in ein neues Lärmschutzprogramm fließen zu lassen.

Nach wie vor kritisch sieht die WiN das Schutzprogramm

200.000 Euro stehen nun also bereit. Zwischen 2007 und 2010 waren 450.000 Euro in die Schallisolierung von Fenstern geflossen, weitere 60.000 Euro investierte der Flughafen Hamburg in den Einbau von Lüftern. Das neue Programm konzentriert die Schallschutzmaßnahmen auf Schlaf- und Kinderzimmer. Die gibt es für die berechtigten Haus- oder Wohnungsbesitzer nicht zum Nulltarif. Stadt und Flughafen tragen an den Einbauten jeweils drei Siebtel der Kosten. Das letzte Siebtel gibt der Eigentümer hinzu.

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport: „Den Norderstedter Vorschlag, die Einnahmen der Stadt durch die Vermietung von Parkplätzen an den Flughafen zu reinvestieren, haben wir sofort positiv aufgenommen und weiterentwickelt. So werden noch mehr Bürgerinnen und Bürger aus Norderstedt von Lärmschutzmaßnahmen profitieren. Ich danke Oberbürgermeister Grote für die gute, sehr konstruktive Zusammenarbeit unter Nachbarn.“

Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote betont: „Die Einnahmen aus der Vermietung der Parkflächen werden zielgerecht reinvestiert, die Förderung für die Bürgerinnen und Bürger von Norderstedt wird sogar noch größer, da der Flughafen die Summe verdoppelt. Darüber hinaus wird der Flughafen Hamburg die Stadt bei der Abwicklung der Anträge unterstützen. Ein wirklich gutes Ergebnis, das unsere Nachbarschaft noch weiter stärkt.“

Unverändert kritisch sieht hingegen Reimer Rathje das neue Lärmschutzprogramm. Er hatte gefordert, dass die Parkplätze am Nordport aufgelöst werden und dass die Stadt auf Geld vom Flughafen verzichtet. „Nun dieses Geld unter die Leute zu werfen, damit wir uns alle dickere Fenster kaufen können – das bringt uns nichts.“ Aus seiner Sicht hätten die Herren Eggenschwiler und Grote ihre Energie lieber darauf verwenden sollen, eine gerechtere Verteilung der Starts zu erreichen. „76 Prozent aller Starts hatten wir im Sommer!“

Detlev Grube, Fraktionschef der Grünen in der Norderstedter Stadtvertretung, ist Rathjes Haltung zu destruktiv. „Ich sehe das Norderstedter Lärmschutzprogramm durchaus als eine gelungene Verwendung für die Einnahmen aus dem Parkplatzgeschäft.“

Grube wählt im Kampf gegen den Fluglärm die duale Taktik: „Einerseits die Leute mit passivem Schallschutz vor dem Lärm schützen. Andererseits auf der politischen Ebene dafür sorgen, dass die Leute in den Tagesrandzeiten nicht mehr aus dem Bett geworfen werden.“ In der Fluglärmschutzkommission setze er sich dafür ein, dass zwischen 23 und 0 Uhr und zwischen 6 und 7 Uhr morgens Ruhe im Luftraum über der Stadt Norderstedt herrscht. „Das ist politisch erreichbar. Wir sind da dran!“

Sobald feststeht, welche Straßenzüge es exakt sind, die im neuen Fördergebiet liegen, können die Hauseigentümer ihre Anträge formulieren. Geschickt werden können sie an die Stadt Norderstedt, zu Händen Hauke Borchardt, Rathausallee 50, 22846 Norderstedt. Die Stadt wird die Anträge an den Flughafen Hamburg weiterleiten.