Norderstedt
Inklusives Sportfest

Dieses Fest zeigt, wie Inklusion funktioniert

Ergotherapeut Jendrik Ötzke (22) und Jörg Taudien (53), Bewohner der Lebenshilfe, bestritten gemeinsam den Teamsprint

Ergotherapeut Jendrik Ötzke (22) und Jörg Taudien (53), Bewohner der Lebenshilfe, bestritten gemeinsam den Teamsprint

Foto: Christopher Herbst / HA

Beim Sportfest der Lebenshilfe Norderstedt im Stadtpark nehmen behinderte und nicht behinderte Sportler gemeinsam an Wettkämpfen teil.

Norderstedt.  Jendrik Ötzke lachte herzhaft. „Zum Glück ist Jörg kein Schwergewicht.“ Der 22 Jahre alte Ergotherapeut hatte sich nämlich bei sommerlichen Temperaturen einiges vorgenommen für das Sportfest der Lebenshilfe im Stadtpark Norderstedt mit dem Motto „Sportiv – Inklusiv – Aktiv“. In der Kategorie Teamsprint ging Ötzke an den Start, und zwar gemeinsam mit Jörg Taudien (53), einem Bewohner der Lebenshilfe – und angewiesen auf einen Rollstuhl. „Wir sehen uns dort immer“,, sagte Jendrik Ötzke, der sich spontan bereit erklärt hatte, für einen Kollegen einzuspringen. „Ich wäre auch so vorbeigekommen.“

„Sprint“, das hieß bei diesem Duo: Ötzke schob seinen Partner einmal schweißtreibende 2,1 Kilometer um den Stadtparksee. Dass Sport nicht getrennt stattfinden muss, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam aktiv sein können, verdeutlichten Jendrik Ötzke und Jörg Taudien also. Das ist ganz im Sinne von Wolfgang Sacher, dem Vorsitzenden der Lebenshilfe in Norderstedt. Schon 2015 hatte es ein ähnliches inklusives Sportfest an gleicher Stelle gegeben – nun, beim zweiten Mal, war das Interesse noch einmal größer. „140 bis 150 Teilnehmer“ seien es, so Sacher. „Erst lief die Anmeldung schleppend, aber in den letzten Tagen waren es doch so viele, dass wir alle Felder voll haben.“

Dazu gehörten neben dem Teamsprint noch das Rollstuhlrennen, ein Inklusionslauf sowie ein Nordic-Walking-Wettstreit. Viele Stadtpark-Besucher waren neugierig und guckten zu, nahmen vielleicht die eine oder andere Impression mit. Auf der Bühne: Der Pop/Rock-Musiker Mischa Gohlke, unter anderem Interpret des bundesweit veröffentlichten „Inklusionssongs“.

„Das mit der Inklusion ist schnell gesagt“, so Wolfgang Sacher. „Aber die Berührungsängste sind da. Die sind von Seiten der Nichtbehinderten wesentlich größer. Wir arbeiten daran, dass wir irgendwann nicht mehr von Inklusion sprechen müssen.“

Veranstaltungen wie das Sportfest helfen hierbei mit Sicherheit. „Was gibt es Schöneres, als gemeinsam Sport zu machen“, sagte Sacher. „Das Schönste wäre, Behinderte in einen Sportverein zu schicken. Das war ja auch der Ansatzpunkt, dass der Integrative Sportverein Norderstedt gegründet wurde.“